Kultur

50 Jahre »Tatort« im Ersten


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Das selbstfahrende Auto als Mittel zur Tötung von Menschen: »Mord ex machina«, ausgestrahlt am Neujahrstag 2018, gehört sicher zu den spektakulärsten Filmen der Serie »Tatort«. Und eine extreme Herausforderung für den zuständigen Ermittler Jens Stellbrink, verkörpert von Devid Striesow.

Spektakulär war freilich schon die erste Folge vom 29. November 1970: »Taxi nach Leipzig« spielte zum großen Teil in der DDR, während real die Entspannungspolitik der Regierung zum geteilten Deutschland für kontroverse Diskussionen sorgte. Den Initiatoren der Reihe ging es tatsächlich darum, »heiße Eisen« zur besten Sendezeit über die Bildschirme zu bringen. Hier der gemütliche Bayer, da der robuste Haudrauf Es galt aber auch, die Vielfalt der Regionen Deutschlands darzustellen, die jeweiligen Ermittler waren entsprechend…

Räuchermotorräder als Holz-Zaubereien


Biker-Kunst aus Seiffen

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Seiffen in Sachsen ist das Mekka der weltbekannten Spielzeugkunst: Der rund 2.100 Einwohner zählende Ort liegt 60 Kilometer südöstlich von Chemnitz nahe der tschechischen Grenze.

Trendsetter in der Branche Der Seiffener Gerd Hofmann (49) gehört zu den Meistern dieses Fachs. Seine Familie ist bereits seit 1729 im Geschäft mit dieser Kunst. Der 49-Jährige lernte den Beruf in seinem Heimatort von der Pike auf und gilt als Trendsetter in der Branche. Die Idee zu Räuchermotorrädern kam ihm während eines Trainings auf der Motocrossstrecke im Ort. Von der Idee bis zu den ersten Auslieferungen vergingen freilich drei Jahre. Alle Exemplare entstehen in…

Autopioniere im Südwesten


Hans Trippe

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1945 – Kriegsende. Es keimt Hoffnung im zerstörten Deutschland. Die Menschen sehnen sich nach Freiheit, nach Mobilität. Es schlägt die Stunde von Technikern, Ingenieuren. Sie grübeln, wie man mit möglichst geringen Mitteln Fortbewegungsapparate auf die Räder stellen kann. Als die Großen der Branche Anfang der Fünfziger den Automarkt wieder beherrschen, müssen die Außenseiter aufgeben. Ihre Verdienste allerdings sind für die Ewigkeit. Das gilt auch für den in Hessen gebürtigen Tüftler und Ingenieur, Hans Trippel, der mit spektakulären Fahrzeugen für Aufsehen sorgt, zu Wasser und zu Land.

VERRÜCKT, VERPÖNT, VERGESSEN. Seine bekannteste Entwicklung ist ein Schwimmfahrzeug, mit dem Trippel in den sechziger Jahren ein aufsehenerregendes Comeback gelingt: das sogenannte Amphi-Car. Das Auto verschafft Hans Trippel späten Ruhm und Anerkennung, macht ihn zur Konstrukteurslegende. Es ist damals das erste zivile, in Serie gebaute Schwimmfahrzeug der Welt. Von den geplanten 25.000 Autos, die überwiegend auf dem US-Markt verkauft werden sollten, wurden am Ende aber nur knapp 3.900 Fahrzeuge gebaut. Das Auto entpuppte sich sehr…

Von der Vision zur spannenden Wirklichkeit


Der PS.Speicher in Einbeck

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Ein Kaufmann, 1936 geboren, hatte eine Idee. Mehr noch: Eine Vision. Ein hoher Grad an Technik-Affinität, kombiniert mit seriösem finanziellem Hintergrund, zeichnete Karl-Heinz Rehkopf im Laufe langer Jahre aus. Sein erstes, hart erarbeitetes Motorrad war eine »Victoria V9«. Es folgten eine Triumph »Cornet«, ein Opel »Olympia« und viele weitere Fahrzeuge, teils gekauft, teils getauscht. Mit seiner Faszination für das Thema Mobilität legte Rehkopf als Sammler in den Folgejahren die Basis für ein Technikmuseum-Imperium, das schließlich tausende Exponate aus über 140 Jahren motorisierter Mobilitätstechnik zusammen führte. 2014 machte er einen Teil davon im niedersächsischen Einbeck öffentlich zugänglich. Zuvor hatte er die »Kulturstiftung Kornhaus« ins Leben gerufen und baute in einem ehemaligen Kornspeicher den PS.Speicher.

Europas umfassendste Kollektion aus den wichtigsten Entwicklungsphasen der Mobilität Der Umbau des sechsstöckigen Backsteingebäudes wurde zu einer gewaltigen Herausforderung und Anstrengung für Gestalter, Architekten, Baumeister, Techniker und weitere Kapazitäten. Edle Exponate in zeitgenössischem originalem Umfeld wurden zwischen die massiven Holzkonstruktionen und Holzböden elegant und faszinierend integriert, unterstützt durch Licht-Design und Spiegeleffekte. Die Exponate nach Themen geordnet (»Kraft und Leistung«, »Zeitgeschichte« (= Grenzöffnung Ost-West), »Aktueller technischer Fortschritt im Motoren- und Fahrwerksbau«, dazu einmalige Stücke wie ein…

Auferstehung eines verschollenen Jazz-Duetts


Paul Kuhn und Eugen Ciceros Auftritt in Zürich — wiederentdeckt

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Beide waren begeisterte Jazz-Musiker, ohne die Nähe zur Unterhaltungsmusik, zum »easy listening« zu scheuen. Paul Kuhn (1928-2013) war u. a. Bandleader der Big Band des Sender Freies Berlin (SFB), Eugen Cicero (1940-1997) gab z. B. der Musik von Franz Schubert ein modernes Gewand, was manche Klassik-Puristen entsetzte, Cicero aber 1976 den Preis der Deutschen Schallplattenkritik eintrug. Jahre zuvor war ihm mit der Aufnahme »Rokoko-Jazz« ein Millionenseller gelungen.

Dass beide einen Abend lang gut 300 Besucher im Bernhard-Theater mit ihrer Musik begeisterten, war lange vergessen. Hier, im Souterrain des Zürcher Opernhauses, gab Eugen Cicero seit seiner Übersiedlung in die Schweiz 1982 jährlich im Herbst ein Konzert. Er lud sich jeweils einen Gast ein, 1992 war das Paul Kuhn. In dessen SFB-Bigband hatte Cicero zeitweilig mitgewirkt. Eine Aufnahme des Konzerts, noch auf Musikkassette, wanderte in einen Karton, der dem Plattenproduzenten Frank Kleinschmidt gehörte. Der…

Klaus Doldingers Passport spielen »Motherhood« neu ein


Musik für Clubs

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Er gilt als lebende Legende. Zu Recht. Klaus Doldinger hat mit »Passport« Standards im Jazz gesetzt. Mit dieser Band hat er auch das »Symphonic Project« ins Leben gerufen, zusammen mit der Nordwestdeutschen Philharmonie. Er hat zahlreiche Filmmusiken geschrieben, von denen die »Tatort«-Titelmelodie (1970) und der Soundtrack zu »Das Boot« (1981) sicher die bekanntesten sind.

Zur Vielseitigkeit des Multitalents gehört aber auch die Formation »Motherhood«, deren Name sich aus der damaligen Lebenssituation erklärt: Seit 1960 verheiratet (übrigens bis heute), wurde er Vater einer Tochter und war sehr glücklich darüber. Kein Fremdeln mit der Familiensituation, kein weltferner Künstler, der sich nur seiner Kunst widmen möchte. Mit Motherhood wollte Doldinger 1969 bewusst mal einen anderen Weg gehen als bisher: Sein Ziel war hier Musik, zu der man auch in Clubs tanzen konnte…

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