110 Jahre Art Cars


Picasso und Warhol als Pistenfeger

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Speed-Ikonen als Sammlerobjekte für die Tempel der schönen Künste oder die Wohnzimmer wohlhabender Sportwagen-Enthusiasten. Das hat eine lange Tradition, die seit einiger Zeit ergänzt wird um limitierte NFT-Kunstwerke. 57.777 Euro brachte im November 2021 der KÜS-gebrandete Porsche 911 GT3 R (»Grello«) von Manthey als NFT (Non-Fungible-Token). Das 3D-Modell des Siegerautos beim 24-Stunden-Rennen am Nürburgring 2021, kreiert von Künstler Glorian Gears, ist ein Beispiel für die Kunst im digitalen Zeitalter und im digitalen »Kosmos«. NFT-Kunst arbeitet mit Daten, und mit spezieller (Blockchain)-Technologie kann der Besitzer sicher sein, einen eindeutigen Eigentumsnachweis zu bekommen. Hinzu kommt beim »Grello« als NFT ein Originalzertifikat von Manthey. NFT-Kunstwerke sind außerdem beliebt bei den Luxuslabels wie Lamborghini und Bugatti, hier ebenfalls von avantgardistischen Künstlern kreiert und bei Auktionen von Sammlern zu Höchstpreisen ersteigert.

Der »Grello« als NFT-Kunst

Tempogeladene Luxuslabels wie Lamborghini und Bugatti oder der experimentelle Prototypenspezialist Rinspeed gießen die schnellen Formen ihrer Vmax-Modelle neuerdings sogar in streng limitierte virtuelle NFT-Kunstwerke

Ich liebe dieses Auto. Es ist besser gelungen als das Kunstwerk“, befindet Andy Warhol, nachdem er den BMW M1 mit schwungvollen Pinselstrichen und in weniger als einer halben Stunde in das vierte Exemplar der BMW Art Car Collection verwandelt hat

1991 kreierte der Kölner Aktionskünstler HA Schult den „Goldenen Vogel“ mit goldfarben lackierten Flügeln, einen Ford Fiesta mit Flügeln

Der französische Künstler Bernar Venet gestaltete 2012 einen Bugatti Veyron Grand Sport orange, der während der Art Basel Miami Beach präsentiert wird als schnellstes automobiles Kunstwerk der Welt

Pablo Picasso bemalte 1958 einen Citroen DS 19 des mexikanischen Journalisten Mejido, der Picasso zu einem Interview an der Cote d’Azur besuchte

Alex Calder (1975, BMW 3.0 CSL), Frank Stella (1976, BMW 3.0 CSL), Andy Warhol (1979, BMW M1), David Hockney (1995, BMW 850i) oder Jeff Koons (2010, BMW M3 GT2 und 2022, „The 8X“) begründeten die Serie der BMW Art Cars, die bis heute fortgesetzt wird.

Aus der Kooperation «Art on Ice» und Ford ist der wohl teuerste, sicher aber der exklusivste Ford Fiesta entstanden. Kein Geringerer als der Künstler Wolfgang Beltracchi hat den Kleinwagen bemalt.

Vor 110 Jahren war es der Futurismus, der den Anfang machte, die Geschwindigkeit von Automobilen und Licht als Kunst zu begreifen und auf die Leinwand zu bringen. Der Italiener Giacomo Balla war einer ihrer wichtigsten Vertreter dieser Kunstströmung. In den folgenden Jahrzehnten symbolisierte das Automobil technologischen und gesellschaftlichen Fortschritt, sodass Bauhauskünstler wie Walter Gropius gerne Karosseriekonzepte für schnelle Achtzylinder wie den Adler Standard 8 entwarfen. Und Salvador Dalí integrierte Automobile von Beginn an in seine surrealistischen Kunstwerke.
Die Golden Fifties und Swinging Sixties spiegelten ebenfalls diese ambivalente Beziehung zwischen Kunst und Fahrzeug. Der französische Philosoph Roland Barthes verglich zukunftsweisende Automobile wie den vom Bildhauer Flaminio Bertoni gestalteten Citroën DS 19 mit der vollendeten Architektur großer gotischer Kathedralen. Sogar Pablo Picasso würdigte die DS Limousine: Der spanische Jahrhundertkünstler veredelte das Fahrzeug eines Journalisten, der Picasso eigentlich besucht hatte, um ein Interview zu führen, mit dem Bild von Familien, Blumen und Baum. Prompt erwarb ein Pariser Galerist den Citroën zum sechsfachen Neupreis – ein früher Rekorderlös für ein Art Car. Später benannte Citroën sogar Modellreihen nach Picasso. Das erste automobile Kunstwerk, das einen zweistelligen Millionenerlös erzielte, stammt von Roy Lichtenstein: Sein 1963 vollendetes Bild »In The Car« visualisierte das Thema Tempo durch horizontale Linien und wurde später von Christies für 16,2 Millionen Dollar versteigert.
Die Magie furioser Geschwindigkeit initiierte zudem einen beispiellosen Reigen an schnellen Kunstwerken auf Rädern. So begründeten Alex Calder (1975, BMW 3.0 CSL), Frank Stella (1976, BMW 3.0 CSL), Andy Warhol (1979, BMW M1), David Hockney (1995, BMW 850i) oder Jeff Koons (2010, BMW M3 GT2 und 2022, »The 8X«) die Serie der BMW Art Cars, die bis heute fortgesetzt wird und vor allem Rennwagen stilisiert, die tatsächlich Motorsportruhm ernteten. Seit 1991 flattert der »Goldene Vogel« von HA Schult, ein Ford Fiesta mit goldfarben lackierten Flügeln, auf dem Turm des Kölner Stadtmuseums – und avancierte zum drittbekanntesten Kölner Denkmal. Das Auto als Kunstobjekt und Zeitzeugnis.

Fotos BMW, Bugatti, Lamborghini, DS Automobiles, Ford, Ford Schweiz, Lamborghini, NIFTEE/Glorian Gears

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