Der Geburtsort des gläsernen Christbaumschmucks


Lauscha pflegt Weihnachtstradition

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Wo farbenfrohe Früchte, Engel, Weihnachtsmänner und glänzende Kugeln in verschiedensten Größen leuchten: Lauscha in Thüringen gilt als Geburtsort des gläsernen Christbaumschmucks.
Alles soll seinen Anfang genommen haben, als ein armer Glasmacher, der mitten im Thüringer Wald lebte, sich keine Äpfel und Nüsse leisten konnte, um sie an den Christbaum zu hängen. Als er die schönen Marktstände voller Köstlichkeiten sah, wurde ihm ganz traurig ums Herz. Eines Tages kam ihm eine Idee. Zurück in seiner Werkstatt begann er, aus Glas kleine Kugeln zu formen. Seine Frau bemalte sie, knüpfte Fäden an und gemeinsam hängten sie die gläsernen Früchte an den Baum, auch zur Freude ihrer Kinder. So hat es mir ein Studienfreund erzählt.
Heute kämpfen die Lauschaer Glasmacher mit der Konkurrenz aus Fernost und müssen ein Stück weit mit dem Wandel von Moden und Geschmack in weihnachtlichen Traditionen gehen. So gibt es zum Beispiel Christbaumschmuck in Form eines Astronauten! Erdacht und realisiert wurde er von Glasbläser Michael Haberland 2018 zum Start von Alexander Gerst.
Dass aber die Tradition der Glaskugelherstellung auf jeden Fall kulturgeschichtlich bedeutsam und bewahrenswert ist, zeigt dies: Am 19. März 2021 ist die Handwerkskunst der »Herstellung von mundgeblasenem gläsernen Lauschaer Christbaumschmuck« zum Immateriellen Kulturerbe der Menschheit erklärt worden ist. An den Bezug von Lauscha zum Glas erinnerten 2023 nicht zuletzt die Glasperlentage.
Gläserner Christbaumschmuck wurde ab den 1830er Jahren in Lauscha hergestellt. Schließlich zählte der Thüringer Wald seit dem Mittelalter zu den bedeutenden Glasregionen in Mitteleuropa. Glasmacher konnten all jene Materialien in der Natur finden, die man braucht, um Glas zu erzeugen: Holz, um die Öfen zu befeuern, Quarzsand als Hauptbestandteil des Glases, Kalkstein zum Härten und speziell Buchenholz, das unabdingbar war für das Sieden der Pottasche. Noch heute offenbart die Landschaft mit (ihren teils auch in den Ortsnamen erkennbaren) Rodungen und Aufforstungen, Sandgruben und Wassermühlenanlagen, wie das begehrte Glas entstanden ist. Die Kulturleistung der Glasherstellung ist untrennbar mit den von der Natur erschaffenen Bedingungen verknüpft.
Nach und nach fertigten die Lauschaer Glasbläser Früchte und Nüsse aus mundgeblasenem Glas, die an den Weihnachtsbaum gehängt wurden, was den zu dieser Zeit typischen essbaren Christbaumschmuck aus besagten Äpfeln, Nüssen oder Lebkuchen nachahmte und wunderbar ergänzen konnte. Je weiter sich Weihnachtsbräuche in allen gesellschaftlichen Schichten verbreiteten – im Laufe des 19. Jahrhunderts unterstützt durch Bild- und Textmedien –, umso größer wurde die Nachfrage nach gläsernem Baumschmuck. Zudem verbesserten sich die technischen Verfahren, sodass die Kugeln größer und bunter wurden.
Und bei allem Wandel von Moden und Geschmack, für viele Menschen gilt bis heute unverändert: Ein von Kerzen erleuchteter und mit gläsernen Kugeln geschmückter Weihnachtsbaum ist die Verkörperung eines festlichen Weihnachtsabends.

www.lauscha.de

Lauscha: Glasbläser Michael Haberland fertigt Christbaumschmuck in Form eines Astronauten.

Fotos picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild/ Dieter Moebus, Bodo Schackow

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