Lohnt sich die Gründung eines Auto-Technik-Museums?


Nachgefragt bei privaten Gründern und Betreibern

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Innerhalb von rund zehn Jahren habe ich etwas mehr als 50 privat gegründete und geführte Museen besucht und in KÜSmagazin darüber berichtet. Jüngst sprach ich mit einigen dieser Gründer über ihre Motivation, ihre Philosophie dazu. Heute sind, gegenüber 2018 (etwa 700), nur noch knapp 200 Sammlungen in Deutschland geöffnet, während zusätzlich etwa 40 in Österreich und genau 19 in der Schweiz der Öffentlichkeit zugänglich sind.

Die Ausstellungsstücke selbst: Fast so bunt wie die Historie rollender Räder, vom ersten Fahrrad über die anfangs urtümlichen Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor bis hin zum Wasserstoff- oder Methanol angetriebenen Fahrgerät. Vom Traktor mit Glühzündung, über Panzer bis zum Turbo-Einspritzer im Rennwagen. All diese Technik-Sammlungen haben auch eine starke soziale Komponente. Da fragen Kinder die Eltern, bitten um ergänzende Auskünfte. Da vertiefen sich Studierende technischer Hochschulen in Details, um ihren künftigen Berufen das nötige Fundamentalwissen zuzufügen.


Fredy Alexander Lienhard aus dem Schweizer Romanshorn leitet das dortige Sport- und Rennwagenmuseum: „Ich stamme ja aus der Gründerfamilie, mein Vater hatte jahrelang gesammelt und 2008 das Museum geschaffen. Die vielen strahlenden Gesichter der jüngeren und älteren Besuchergenerationen sind mir noch heute wichtig. Das Potenzial unserer Sammlung liegt darin, dass wir ein Kompetenzzentrum für Automobil-Begeisterte besitzen. Notwendig dafür sind vor allem Leidenschaft, unternehmerisches Bestreben und stetes Suchen auf zeitnahe Fragen und Antworten. Mit Fachvorträgen, Diskussionen, Seminaren und Fahrdemonstrationen sind ganze Besucherprogramme integriert.“


In der Fachwerkstadt Einbeck liegt der »PS-Speicher«, ein ehemaliger Turmbau für Getreidelagerung. Karl-Heinz Rehkopf, heute 87 Jahre jung, hat hier ein modernes Fahrzeug-Museum samt weiteren städtischen Standorten gegründet. Inzwischen wurde eine Stiftung daraus. Auf die Frage zu seiner Motivation: „Zunächst sind monetäre Voraussetzungen wichtig. Neben der reinen Sammlung von Exponaten aus der ganzen Welt ist eine zeitgemäße Präsentation mit interaktiven und multimedialen Stationen von Bedeutung. Dazu großes Detailwissen in Technik und Historie sowie fundamentale Erfahrungen in Ausstellung, Marketing und Öffentlichkeitsarbeit. Neue Inspirationen müssen verfolgt und umgesetzt werden für die nachfolgenden Generationen.“

In einer ehemaligen Großweberei im österreichischen Dornbirn wurde das weltgrößte
Rolls-Royce-Museum gegründet. Es wird von den Brüdern Bernhard und Johannes Vonier
geführt. Inzwischen wurden die wichtigsten Exponate in das neue FFA-Museum am Flugplatz Altenrhein gebracht, wo sie mit historischen Flugzeugen zusammen eine faszinierende Gemeinschaft aus Fliegen und Fahren bilden. Bernhard Vonier zu seinen Beweggründen, ein Technik-Museum zu leiten: “Begeisterung, Wissen und Know-how im Zusammenhang mit Flug- und Fahrzeugen. Kommenden Generationen das Wissen darüber zu vermitteln. Es braucht sehr viel Enthusiasmus und Kontinuität, um ein solches Projekt erfolgreich zu realisieren. Das klassische Museum mit Exponaten als zentrales Element wird aussterben. Viel wichtiger in Zukunft wird die Fokussierung auf den Besucher selbst sein und die damit verbundene Wissensvermittlung (Storytelling bis hin zur Gamification).“
Schon mal daran gedacht, ihr Museum zu verkaufen? „Nein, da sind zu viele Emotionen mit verbunden“ (Bernhard Vonier). „Geht einfach nicht, wenn man Leidenschaft zum Beruf gemacht hat“ (Fredy A. Lienhard), “Wie könnte ich. Der PS-Speicher ist ein »Zweckbetrieb« der von mir gegründeten Stiftung. Die Sammlung gehört somit der Öffentlichkeit“ (Karl-Heinz Rehkopf). Klare Worte, klare Haltung!

Fotos Frank Nüssel

 

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