Miss Marple


Zum 50. Todestag von Margaret Rutherford

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16 Uhr 50 ab Paddington

In einem Alter, in dem viele Filmstars sich zurückziehen, erlebte sie überhaupt erst den großen Durchbruch. Sicher, Margaret Rutherford hatte sich einen Namen gemacht als Theaterschauspielerin. Dem ganz großen Publikum wurde sie aber erst als »Miss Marple« bekannt. Und auch 50 Jahre nach dem Tod der Mimin sind die vier Filme unverändert aktuell, in denen sie eine unverwechselbare Detektivin verkörpert.
Dabei war Autorin Agatha Christie als Erfinderin der eigenwilligen Junggesellin mit den bis heute extrem populären Verfilmungen nicht sonderlich einverstanden. Margaret Rutherford hatte nicht nur darauf bestanden, ihre eigene Kleidung im Film tragen zu dürfen. Auch Mr. Stringer, in den Vorlagen nicht existierend, musste in den Drehbüchern seinen Platz finden.
Und der unterstützte seine Freundin nach Kräften. Schon der erste Mord, den die beiden aufklären mussten, entpuppte sich als nahezu perfektes Schurkenstück eines ebenso geldgierigen wie liebestollen Allgemeinmediziners. So ging das weiter, bis mit »Mörder ahoi« 1964 die Mini-Serie ein Ende fand. Die »alte Jungfer«, wie sie sich im Film schon mal selbst nannte, zu unterschätzen – war ein mehr als grober Fehler. Wo eine Jane Marple erst mal Lunte gerochen hatte, gab es für Verbrecher(innen) kein Entkommen.
Entkommen musste sie selbst freilich zwei Mal einem Heiratsantrag. Zwei alte Grantler erlagen nacheinander dem Charme der Lady. Die allerdings lehnte ab, denn ihr Herz hatte sie längst verschenkt. An Mr. Stringer natürlich, mit dem sie stets per Sie und allem Anschein nach rein platonisch verbunden blieb. Very british indeed. Im wirklichen Leben war das Verhältnis Rutherford/Davis klar – als glückliches Ehepaar. Stringer Davis pflegte seine Frau, die in ihren letzten Lebensjahren dement geworden war. Er überlebte sie nur um etwas mehr als ein Jahr. Als Ermittler-Gespann haben die beiden bis heute Kultstatus und gehören ganz selbstverständlich zum TV-Programm, gerne an hohen deutschen Festtagen wie Weihnachten.
Mindestens so kultig wie die Filme ist natürlich die Titelmusik: Komponiert von Ron Goodwin, gab es sie als Soundtrack lange nicht im Handel. Die Partituren waren irgendwann verbrannt worden – das war Usus in dieser Zeit. Goodwin selbst rekonstruierte das Tonmaterial Mitte der 90er für eine Neuveröffentlichung: Das als »The Miss Marple Films« erschienene Hörwerk ist heute aber nur noch antiquarisch oder via Streaming zu haben.

Der Wachsblumenstrauß

Fotos picture-alliance/Mary Evans Picture Library

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