Viel mehr als der «Schumi der 50er und 60er»


Am 4. Mai 2008 wäre Wolfgang Alexander Graf Berghe von Trips

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Am 4. Mai 2008 wäre er 80 Jahre alt geworden. Viele Menschen, die dem Motorsport über Jahre und Jahrzehnte hinweg verbunden sind, sind sich in ihrem Urteil über ihn einig: Trotz eines Michael Schumacher, trotz eines auf der Rennstrecke scheinbar unfehlbaren Fahrers, der sieben Mal die Formel-1-Weltmeisterschaft gewann: Dieser Mann von adligem Geschlecht, dem vor mehr als 45 Jahren der Tod die höchsten Weihen entriss, war der beste und kompletteste Rennfahrer, der je auf deutschem Boden aufgewachsen ist.

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1958 konnte Wolfgang Graf Berghe v. Trips die erste Europa- Bergmeisterschaft für Porsche erzielen. Hier ist er am Gaisberg im 718 RSK Spyder auf dem Weg zum Sieg. (Quelle: Porsche AG)

Sein Tod mit 33 Jahren am 10. September 1961 in Monza, bei dem er weitere 15 Menschen mit in den Tod riss, war weitaus spektakulärer und schlagzeilenträchtiger als sein kurzes Leben, das er erst mit Mitte 20 den berüchtigtsten Rennstrecken dieser Welt zuführte.
10. September 1961: Millionen Deutsche sitzen an ihren Radiogeräten, um Ohrenzeugen zu sein, wenn erstmals in der Geschichte des Automobilsports ein Deutscher den Weltmeistertitel holt und in die Fußstapfen eines Juan Manuel Fangio oder Alberto Ascari tritt. Ein paar unscheinbare Pünktchen, eine Selbstverständlichkeit fast, fehlen dem Grafen aus dem Rheinland, um sich im Ferrari die Krone des Motorsports aufzusetzen, doch das Rennen auf der legendären Rennstrecke endet in einer Katastrophe. Trips, einziger Sohn und letzter Spross einer rheinischen Adelsfamilie, kommt aus der zweiten Runde des Autodroms von Monza nicht mehr zurück. In einem Zeitalter, in dem weder Live-Übertragungen im Farbfernsehen, geschweige denn Wiederholungen und explizite Kamera-Einstellungen aus dem Cockpit überhaupt zum allgemeinen Sprachschatz gehörten, dauerte es lange, bis aus der bangen Erwartung endlich traurige Gewissheit wurde. Wolfgang Graf Berghe von Trips hat seinen Unfall in der Südkehre, eine Kollision mit dem Schotten Jim Clark im Lotus, nicht überlebt. Weitere 15 Personen starben mit ihm.

Gewissermaßen als erster deutscher «Yuppie» und der letzte «edle Ritter» zugleich in den Geschichtsbüchern fest zementiert. Doch Ruhm und Ehre, die ihm in den letzten Jahren seiner Rennfahrer-Karriere zuteil wurden, fußen auf harter Arbeit. Und auf der Fähigkeit, aus Niederlagen auch in der persönlichen Einsamkeit zu lernen.

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Der 550 A Spyder beim 1.000 Kilometer-Rennen auf dem Nürburgring 1956 mit Graf Berghe von Trips am Steuer. (Quelle: Porsche AG)

Der Mythos Trips, der im Jahr 1961 die Formel-1-Weltmeisterschaft vor seinem Ferrari-Kollegen Phil Hill anführte, ist auch heute ungebrochen. Das Andenken an ihn, dem der Weltmeistertitel posthum zugesprochen wurde, wird heute bewahrt von der «Gräflichen Berghe von Trips’sche Sportstiftung zu Burg Hemmersbach.» Die Burg liegt im Kerpener Ortsteil Horrem, inmitten des Braunkohlenreviers, dreißig Kilometer westlich von Köln. In der dortigen alten Wasserburg, zogen die Eltern Thessa und Eduard Graf Berghe v. Trips ihren einzigen Sohn Wolfgang groß. In der «Villa Trips» in Kerpen wird in einem großartigen Rennsportmuseum die Erinnerung an den Grafen wach gehalten. Neben den vielen Erinnerungsstücken ist dort auch der Helm ausgestellt, den er bei seinem tödlichen Unfall in Monza trug.

Das Museum ist für alle Freunde des Motorsports eine Reise wert, weil es die Erinnerung an den vielleicht größten deutschen Rennfahrer wach hält, Und – es ist garantiert Schumi-freie Zone – gerade in Kerpen ?

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Zum 80. Geburtstag von Wolfgang Graf Berghe von Trips erscheint: Reinhold Louis (Hg): Vom Rittergut zur Rennstrecke. Das kurvenreiche Leben des Wolfgang Graf Berghe von Trips. Marzellen Verlag Köln; 19,95 Euro.

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