Andreas Gülden: Chefinstruktor und Leiter der Driving Academy am Nürburgring


„Dann bin ich Rennfahrer und Oberlehrer“

0

Seinen Job hätte sicherlich mancher Motorsportfreund, der die »grüne Hölle« liebt, nur all zu gerne. Dabei hat der Mann beileibe weit mehr zu tun, als nur auf der Nordschleife des Nürburgrings herum zu rasen und Spaß zu haben. Er trägt jede Menge Verantwortung für sich und für alle, die bei Touristenfahrten ihren Spaß haben wollen. Andreas Gülden ist nicht nur der Chefinstruktor der Nürburgring Driving Academy, sondern auch noch ein ganz ausgezeichneter Rennfahrer-Profi.

Nur wenige kennen die Nordschleife vom Abbiegen von der Grand-Prix-Strecke bis zu den letzten Metern auf der Döttinger Höhe so gut wie er. Bei jedem Wind und Wetter hat der 43-Jährige unzählige Runden in allen möglichen Fahrzeugen dort absolviert. Meist dann, wenn es etwas zu inspizieren oder auf etwas zu achten gab auf der wohl bekanntesten und anspruchsvollsten Rennstrecke der Welt. Denn das Team am Nürburgring, zu dem auch Gülden gehört, sorgt rund um die Uhr an jedem Tag des Jahres dafür, dass die Strecke in einem ebenso sicheren wie fahrerisch herausfordernden Zustand ist.
Seit rund zwanzig Jahren ist Gülden so etwas wie der oberste Fahrlehrer zwischen Hatzenbach und Galgenkopf. Der gelernte Kfz-Mechaniker saß schon mit sechs Jahren im Kart. Bei den Kart-Junioren maß er sich mit späteren Profis wie Ex-DTM-Meister Timo Scheider oder Formel-1-Pilot Nick Heidfeld. Seine ersten Erfahrungen machte er 1996 in der Formel Renault. „Mein Temperament verbot es mir, auf Ankommen zu fahren, um Punkte zu sammeln. Es gab nur Sieg oder Sibirien. Also gewinnen oder ausfallen“, erinnert er sich lachend an seine frühe Motorsport-Zeit. Den Grenzbereich auszuloten, sei nicht immer das Zielführendste.
Aufgrund seiner eigenen Erfahrungen empfiehlt er auch das »Formel fahren für jedermann« am Nürburgring. „Da lernt man sein Handwerk in einem Formel-Wagen und steigt erst dann in ein Auto mit Türen um.“ Bis heute, sagt Gülden, „sehe ich es als riesigen Vorteil an, dass ich mein Handwerk auf Formelautos lernen durfte.“
Über die „Zakspeed Nürburgring Rennfahrerschule“ von Peter Zakowski, wo er mit einer Viper sein Können zeigen konnte, ging es für Gülden mit 23 Jahren beruflich in die „Grüne Hölle.“ Bis zu 25 Runden Nordschleife pro Wochenende sei er jahrelang mit Gästen gefahren in diesem Auto. „Ein echtes Hammergerät.“ Eine sensationelle Zeit, sagt Gülden, sei das damals gewesen.
Der Motorsport hat Gülden auch bis in die Familie begleitet. Seine Frau kümmert sich um den Vertrieb in der Driving Academy, sein jüngster Sohn sitzt schon im Rennsimulator. „Wir teilen seit 20 Jahren die Liebe zum Nürburgring.“ Neben dem Job des Instruktors in der Rennfahrerschule bleibt ab und zu noch Zeit für den einen oder anderen VLN-Einsatz. Die Höhepunkte seines motorsportlichen Lebens aber kann ihm kein Mensch mehr nehmen: „2004 durfte ich das 24h-Rennen mit der Renn-Viper fahren, 2017 und 2018 wurde ich TCR-Champion in der VLN und 2021 konnte ich, auf einem Porsche RSR, Bj.1976, das legendäre 1000km-Rennen am Nürburgring gewinnen.“ Seine Erfahrungen aus dem Rennsport gibt er immer wieder gerne weiter, wenn international erfahrene Piloten Tipps von ihm auf der Nordschleife haben wollen. „Da kommt dann immer der Instruktor in mir hoch. Dann bin ich Rennfahrer und Oberlehrer zusammen.“

Fotos Isabella Gülden

Weitersagen

Schreiben Sie einen Kommentar