Unterwegs in der Procar-Serie: Julia Trampert hat Motorsport-Gene geerbt


Julias Romeo heißt Fiesta

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Frauen und Motorsport: Je mehr kompetente Personen, man zu diesem schier unerschöpflichen Thema befragt, umso mehr unterschiedliche Antworten bekommt man. Rennsport-Ikone Hans-Joachim Stuck erklärte: „Überhaupt finde ich, dass Frauen die besseren Autofahrer sind. Sie sind zumeist nicht aggressiv unterwegs und entwickeln sehr viel Gefühl fürs Fahren.“

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Und Formel-1-Rekord-Weltmeister Michael Schumacher wird die Bemerkung zugeschrieben: „Es gibt keinen Grund, warum nicht auch eine Frau in der Formel 1 schnell und erfolgreich sein sollte. Es gibt halt nur an der Basis noch nicht genügend Frauen, die im Motorsport groß werden, damit am Ende mal jemand im Sieb übrig bleibt, der konkurrenzfähig ist.“

Julia Trampert aus dem saarländischen Wadrill ist zweifellos im Motorsport an der Basis groß geworden. Opa Horst war aktiver Rallyefahrer, später als WP-Leiter (Wertungsprüfungs-Leiter) bei der Hunsrück-Rallye aktiv, Mutter Claudia sagt, dass sie noch an der Wertungsprüfung gestanden hat, als sie mit Julia schwanger war.“ Kein Wunder also, dass Klein Julia schon früh vom Motorsport-Bazillus befallen war: „Ich erinnere mich noch, dass ich meine ersten Versuche im Kartslalom zu Hause auf dem Schulhof gemacht habe. Da sind wir dann mit Karacho rumgefahren.“

Damals war sie sieben. Heute ist sie 20, fährt erfolgreich in der Deutschen Tourenwagen-Challenge, besser bekannt als „Procar-Serie“ und wird von der „Stiftung Sport“ des ADAC gefördert. In einem Auswahlverfahren mit strengen Kriterien musste sie sich unter 60 Bewerberinnen aus ganz Deutschland durchsetzen. 14 Nachwuchspilotinnen wurden zur Endausscheidung nach Hockenheim eingeladen. Zwei junge Damen, die in den Genuss des ADAC-Sponsorings kommen wollten, wurden genommen. Eine davon war Julia. Bei der Entscheidungsfindung ging es nicht nur ums „Rasen“, sondern auch um Fitness, Teamgeist, Auftreten. Schlichtweg: Um die Person.

Seitdem verbindet die Lehramtsstudentin an der Universität Koblenz-Landau Studium und Sport möglichst so, dass nichts von beidem zu kurz kommt. In der Procar-Serie fährt sie mittlerweile in der zweiten kompletten Saison für das renommierte Liqui Moly Motorsportteam von Franz Engstler. Nachdem sich die ersten Erfolge im Kart eingestellt hatten, war der Weg vorgezeichnet. In der Nachwuchsserie VW funcup sammelte sie Erfahrungen im Fahrzeugpulk auf der Rennstrecke. „Das war zwar eine gewaltige Umstellung, hat mich aber von Anfang an gepackt“, erinnert sie sich. Vor zwei Jahren erhielt sie dann eine Einladung für einen Gaststart in der ADAC Procar Serie. Dort ist sie noch heute mit ihrem 180 PS starken Ford Fiesta 1.6 16 v unterwegs.

Im Rahmen ihres Studiums hat Julia gute Kontakte zur Kinder- und Jugendhilfe St. Maria in Weiskirchen. Ehrensache, dass die Kids mit ihrem Chef Wolfgang Maring Julia im Fahrerlager am Ring besuchen.

Im Rahmen ihres Studiums hat Julia gute Kontakte zur Kinder- und Jugendhilfe St. Maria in Weiskirchen. Ehrensache, dass die Kids mit ihrem Chef Wolfgang Maring Julia im Fahrerlager am Ring besuchen.

Motorsport ist ihre große Leidenschaft. „Mich fasziniert neben dem Kampf auf der Strecke auch die Technik. Es ist unglaublich, was man aus so einem kleinen Auto an Leistung herausholen kann, wenn alles zusammen passt.“ Julia sehnt jedes Renn-Wochenende herbei. Dann ist die Familie mit dem Wohnmobil unterwegs und an der Strecke vor Ort. „Ich freue mich auf die Rennen, auf das Zusammensein mit den anderen, auf das Team. Das ist wie eine zweite Familie.“ Denn auch, so hält sie mit Nachdruck fest, „wenn man im Auto auf sich allein gestellt ist, so ist Motorsport doch eine Teamarbeit. Ohne Mechaniker, ohne Crew, ohne alle, die mir helfen, erfolgreich zu sein, geht gar nichts.“

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Die von der KÜS maßgeblich unterstützte ADAC Procar-Serie trägt pro Saison acht Renn-Wochenenden mit sechzehn verschiedenen Rennen aus. Gefahren wird in zwei Divisionen, jedes Rennen dauert 25 Minuten. Da sind Konzentration und Kondition gefordert. Freies Training, Qualifying, dazu am Sonntag zwei Rennen. Im Sommer schon mal bei 30 Grad und mehr im Renn-Overall und unter dem Helm. Es gibt zwei Fahrer-Wertungen in jeder Division, eine Teamwertung und eine sogenannte „Rookie-Wertung“ für Fahrerinnen und Fahrer unter 23 Jahren.

Dort liegt Julia zur Halbzeit, nach dem Rennen auf dem Nürburgring, auf Rang drei. Ein wenig Pech hat sie in dieser Saison gehabt: Einmal wurde sie auf dem Sachsenring unverschuldet „abgeschossen“, musste aufgrund dessen beim dritten Renn-Wochenende einen „Nuller“ in der Punktewertung hinnehmen. Auf dem Grand-Prix-Kurs in der Eifel haderte sie mit Leistungsproblemen an ihrer kleinen „Rennsemmel“, rettete sich aber noch auf Rang sieben ins Ziel. „Man muss kämpfen, sich durchbeißen, auch wenn es momentan mal nicht so gut läuft.“

Julia (links) und ihr größter Fan - ihre Schwester Kirstin.

Julia (links) und ihr größter Fan – ihre Schwester Kirstin.

Julias Helm zieren bunte Blümchen, aber im Renn-Fiesta ist es dann vorbei mit der Blümchen-Romantik. Sie ist Rennfahrerin mit Leib und Seele. „Ich freue mich momentan über jedes Rennen das ich bestreiten kann. Motorsport ist teuer, das muss finanziert werden. Ich bin froh und dankbar über jeden Freund und Helfer, der mir dieses Hobby ermöglicht.“ Nach der Saison geht es noch einmal zum ADAC, zusammen mit den anderen jungen Motorsportlerinnen und Motorsportlern, die der Verband fördert: „Dann entscheidet sich, ob ich weiter gefördert werde.“

Julia hat den klaren Ehrgeiz, weiterhin zu diesem exklusiven ADAC-Zirkel im Motorsport-Nachwuchs zu gehören. Konkurrenz könnte schon bald aus der eigenen Familie erwachsen. Schwester Kristin (15) schickt sich an, in die Fußstapfen der großen Schwester zu treten. Sie beherrscht ihr Slalom-Kart schon fast „aus dem Eff-Eff, trainiert zweimal in der Woche Kart und mit einer Sondergenehmigung des ADAC auch schon im Auto. Der Konkurrenz fährt „Krissi“, wie sie genannt wird, schon mächtig um die Ohren: Drei mal war sie Saarland-Meisterin, einmal südwestdeutsche Meisterin. 2012 scheiterte sie im nationalen Bundesendlauf nur knapp: „Ich wurde Dritte in der Deutschen Meisterschaft, aber fast hätte es zum Titel gereicht.“

Kein Wunder also, dass Kristin dahin will, wo Schwester Julia schon ist: In ein „richtiges Renn-Auto.“ Das Familien-Erbe in Sachen Motorsport hat wohl eine weitere Trägerin gefunden.

Die ADAC Procar Serie bietet für begabte junge Motorsportlerinnen die besten Voraussetzungen, ihren Sport auszuüben – kontrolliert, sicher, mit kompetenter Unterstützung und mit großer Begeisterung.

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