Tomaten: Unbekannte Seiten einer vermeintlich bekannten Frucht


Exotik in Hülle und Fülle

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Auf dem und um den alten Holztisch in der Mitte des Ladens stehen unzählige Kisten mit Tomaten. Rot, Rosa, Grün, Orange, Violett, Creme, Gelb bis hin zu Schwarz. Ebenso unterschiedlich sind ihre Formen, die an Herzen, Flaschen, Eier, Kugeln oder Birnen erinnern. Exotisch und verlockend klingen die Namen der Früchte, die auf kleinen Schildern in jeder Kiste liegen: Weißer Pfirsich, Zahnradtomate, Garden Lime, Strippey Roman, Pineapple Fog, Goldene Königin, Opalska, Black Krim …

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Frank Wonglorz, der junge Gärtnermeister, bestätigt: Es gibt tatsächlich so viele Sorten dieser uns vermeintlich so bekannten Frucht. Und sein Gesichtsausdruck verrät, dass ihm diese Reaktion sehr vertraut ist. Denn noch während ich versuche, mich an dieser Fülle satt zu sehen, kommen zwei junge Frauen herein, die ebenso beeindruckt sind und denen Frank Wonglorz lächelnd, geduldig Auskunft gibt.

Ich bin in Mecklenburg-Vorpommern, in Mestlin, etwa 20 Kilometer nördlich von Parchim. 75 (!) historische Tomatensorten gibt es hier. Die Mestliner Tomaten werden in Erdkultur gezogen, auf natürliche Weise, frei von Chemie vor Krankheiten und Schädlingen geschützt und reifen am Strauch bis zur Ernte.

Begonnen hat alles im Jahr 2000 mit der Überlegung, sich angesichts eines breiten gärtnerischen Angebotsmarktes zu spezialisieren und damit zu profilieren. Überraschenderweise war zuerst die Idee für ein Fest da, um das Interesse der Kunden zu wecken und zu zeigen, wie artenreich das beliebte Nachtschattengewächs ist. Das erste Tomatenfest war ein großer Erfolg und machte Gärtner und Genießer gleichermaßen aufmerksam. Inzwischen ist dieses Fest, bei dem die Besucher von dem jungen Gärtner und seinem Team Pflegetipps erhalten, die gefüllten Gewächshäuser ansehen können und selbstverständlich Tomaten in unterschiedlicher Zubereitung probieren können, ein regionales Highlight.

Und: Seit 2006 wurde außerdem eine Baumschule aufgebaut, die gleichermaßen Laub- und Nadelgehölze kultiviert und damit auf die gestiegene Nachfrage nach heimischen und damit an die klimatischen Bedingungen ideal angepassten Bäume reagiert.

Abschließend bitte ich Frank Wonglorz um ein Tomatenrezept. Er nennt mir eine pikant-scharfe Tomatencreme. „Ähnlich wie Barbecuesauce, nur besser“, sagt er schmunzelnd. Ideal – zum Beispiel – zu Steaks und Bratwurst.

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Frank Wonglorz’ scharfe Tomatencreme


1,2 kg (Mestliner) Tomaten,
1½ P Gelierzucker (2:1)
1½ TL Salz
1 TL Nelkenpulver
1 EL schwarzer Pfeffer
1½ TL Chilipulver
1 TL Cayenne Pfeffer
5 EL Essig-Essenz
1 Prise Zimt

Zubereitung

Tomaten waschen, den Strunk entfernen und klein schneiden. Die Früchte in einem hohen Topf weichkochen und mit dem Passierstab pürieren. Gelierzucker zugeben und wieder zum Kochen bringen.

Gewürze und Essig hinzufügen und weitere 4 Minuten unter Rühren sprudelnd kochen lassen. Dann sofort in heiß ausgespülte Twist-off-Gläser füllen, fest verschließen und 5 Minuten auf den Deckel gewendet stehen lassen.

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