Sensation Autotelefon: 45 Jahre „Der Kommissar“


Mit dem Autotelefon auf Verbrecherjagd

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Er konnte im Auto telefonieren! Er musste es sogar, um immer auf dem neuesten Stand zu sein. Das war schon eine Sensation. Denn als am 3. Januar 1969 die erste Folge von „Der Kommissar“ auf die Bildschirme kam, in Schwarz-Weiß, gab es noch längst keine Handys. Es war noch nicht mal in jedem Haushalt ein Festnetztelefon vorhanden. Und dann das! Dabei ist die ZDF-Serie, die sieben Jahre lang erfolgreich lief, in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert, auch 45 Jahre nach dem Start. Nicht nur wegen des Autotelefons.

50 Jahre ZDF

Der Kommissar und sein Team (v. l. n. r.): Günther Schramm als Walter Grabert, Erik Ode als Herbert Keller, Fritz Wepper als Harry Klein und Reinhard Glemnitz als Robert Heines.

Aus dem Auto holte das Team von Kommissar Keller nötigenfalls ein Maximum an Geschwindigkeit, um schnellstmöglich vor Ort zu sein. Das war aber nicht die Regel. Denn Erik Ode als Herbert Keller war gar weniger der Typ für atemberaubende Stunts als für bedächtiges Kombinieren. Wobei letzteres ganz ohne Action sehr wohl atemberaubende Spannung erzeugte. Ähnlich wie der US-Kollege Columbo konnte Keller unschuldig dreinblicken und diejenigen in Sicherheit wiegen, von denen er längst wusste, wie er sie überführen wollte.

Die Liste der Gaststars verzeichnete in sieben Jahren alles, was Rang und Namen hatte, und die Autoren machten vor heiklen Gesellschaftsthemen keineswegs Halt. Wenn der Versuch eines wohlhabenden Ehepaares, eine offene Beziehung zu führen, mit einem Toten endete, konnte Keller diesen Zusammenhang präzise und kurz formulieren und stellte sich damit entschieden gegen den Zeitgeist. Die „Hippies“, die man erst später 68er nennen würde, waren hingegen nicht unbedingt die Täter. Sie sahen nur so aus. Martin Held als verzweifelter Vater, Curd Jürgens als Psychiater auf dem Weg in den Wahn, Horst Frank als Verwandlungskünstler in sechs Rollen einer einzigen Folge sind nur einige Beispiele.

Selten vorauszuahnen war die Auflösung der Fälle. Unvergessen Lina Carstens, die als Mutter Malott ihren tyrannischen Schwiegersohn tötete, um ihre Familie vor dessen Gewalt zu schützen. Oder Edda Seippel als Luise Hauffe, die es nicht mehr ertrug, mit einem zwielichtigen Charakter in einem Mietshaus wohnen zu müssen. Der, verkörpert von Sky Du Mont, hieß übrigens Derrick, hatte aber außer dem Familiennamen mit dem späteren Ermittler absolut nichts gemeinsam. Dabei ließ schon das Ende der ersten Folge erahnen, dass Keller & Co. ihren Zuschauern keine leichte Kost vorsetzen würden: Des Mordes überführt, sagte eine zierliche, zurückhaltende alte Dame als Begründung nur: „Der Mann war doch indiskutabel.“ Solche trockenen Kommentare muss der Hörer erst mal verdauen.

45 Jahre später ermitteln die Kommissare längst in Farbe, sie heißen u. a. Flemming, Voss, Maybach und Kiesewetter. Die Fangemeinde um Keller und sein Team hat das nicht geschmälert, zu ihr gehören sogar junge Menschen, die die Originale gar nicht gesehen haben können. Wer das nachholen oder wieder einmal anschauen will, kann seit einiger Zeit sogar auf die kompletten Folgen als DVD zurückgreifen – in Teilen und auch als komplette Box im Handel erhältlich.

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