Rennfahrer, Importeur und Sammler Fritz Röth


Autos haben mich nie interessiert!

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Er war im besten Sinne ein »Motorrad-Verrückter«, fuhr Rennen im Solo- und Gespannbetrieb, bis ihm die Zeit dafür abhanden kam. Zeit, die Fritz Röth (Jahrgang 1939) in den Bau einer Werkstatt investierte, im idyllischen Odenwald-Dorf Hammelbach. Dort ist heute auch das »Motorradmuseum Sammlung Fritz Röth« ansässig. Es zeigt den Motorrad-Boom aus den Sechzigern bis in die Achtzigerjahre, stellt aber auch die Entwicklung des Motorrads ab Mitte der 1920er-Jahre generell dar.

Zu Zeiten des Motorrad-Booms waren es nicht weniger als 40 Marken, die Fritz Röth vertrieb, Marken aus vielen Ländern, von Italien bis China. Vor allem die Jugend entdeckte damals ihre Begeisterung für flinke und wendige Zweiräder.
In Röth selbst reifte speziell die Liebe zu italienischen Marken wie Aermacchi, Benelli, Bimota, Moto Guzzi, Ducati, Laverda und Moto Morini. In der Praxis hieß das: Er nahm gerne in Kauf, wenn die Lieferung ausblieb oder dringend benötigte Ersatzteile fehlten, sich selbst in den Kombi zu setzen, bei Nacht und Nebel bis nach Italien durchzufahren, um seinen Kunden pünktlich die Auslieferung ab Hammelbach zu garantieren. So bilden sich menschliche Legenden. Weitere Marken von »ACCess« bis »Zongshen« wurden importiert.
Dann drängte Japan weltweit mit Volumenmodellen in die Szene, begann sogar den »Italienerinnen« Marktanteile abzuknöpfen. Suzuki T250, GT 380, GT 550 und GT 750 hießen die berühmten »Wasserbüffel«, die flüssigkeitsgekühlt ihren hohen Drehzahlen frönten. Fritz Röth war es auch, der 1975 in Heppenheim die deutsche Niederlassung für Suzuki-Motorräder gründete.
Aber Röths Motorrad-Engagement ging noch weiter. Von Friedel Münch, dem Konstrukteur der gewaltigen »Münch Mammut« mit NSU TT-Triebwerk, erwarb er 1979 die Namensrechte auch von Horex. Dank Röths Freundschaft zu dem japanischen Konstrukteur Kazou Sasaki (Ex-Honda, Tokio), brachte er 1990 ein neues Projekt, die »Horex 644«, auf den Weg. Geplant war, einen Einzylinder-Viertaktmotor aus der Honda Dominator-Enduro in ein spezielles Horex-Gitterrohrrahmen-Chassis mit wenig Gewicht einzubauen. Aber aus der geplanten Kleinserie wurden dann doch nur zwei Exemplare. Eines davon, die »Rote Liebe«, steht bis heute im Motorradmuseum Sammlung Fritz Röth. Ein klar definiertes Sportgerät mit Dreiviertelverkleidung und dem Motor als tragendem Element.
Fritz Röth, der Motorrad-Enthusiast, ist 2020 verstorben. Seine Begeisterung hat er an Sohn Matthias weitergegeben. Er betreut nun das kleine, mit Liebe geführte Motorradmuseum im Odenwald. Es dokumentiert mit seinen Exponaten die Liebe eines Mannes zum motorisierten Zweirad. Legendär ist sein Fazit zu allem, was einen Motor und vier Räder hat: „Autos haben mich nie interessiert!“

Fotos Frank Nüssel

www.hammelbach.de/zweirad-roeth

Führungen nach vorheriger Vereinbarung
matthias.roeth@web.de
0179 – 498 65 65

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