Ready? – Set – Go! 90 Jahre Le Mans


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2012, im KÜSmagazin 33, konnten Sie die Story über ein Jubiläum lesen. Es war der 80. Start in Le Mans. In diesem Jahr feiern wir nun 90 Jahre Le Mans. Wie geht das in einem Jahr? Die Erklärung ist einfach. 1923 startete das erste Langstreckenrennen „Grand Prix d’Endurance de 24 Heures – Coupe Rudge-Whitworth“ auf dem legendären Kurs an der Sarthe. 1936, während des zweiten Weltkrieges und einige Jahre danach, 1940 bis 1948, wurden keine Rennen in Le Mans ausgetragen. Herzlichen Glückwunsch nach Le Mans zu diesem Klassiker.

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Nardi Bisiluro (Alessandro Nassiri / Archivio Museo Scienza)

 

In der Anfangszeit noch als reines Zuverlässigkeitsrennen veranstaltet, entwickelten sich nicht nur die Rennsport-Fahrzeuge zu den uns bekannten Namen und Größen.

Herrenfahrer der Anfänge zogen sich immer mehr in den Hintergrund und ließen die von ihnen beauftragten Fahrer für sich und ihr Team um jeden Meter kämpfen. Der Siegeszug des Automobils war nicht mehr zu stoppen.

Firmen wie zum Beispiel Chenard & Walcker, La Lorraine Dietrich, Delahaye, Bentley oder Bugatti, die Rang und Namen hatten, konnten sich im direkten Vergleich messen. Einsätze bei solch medienwirksamen Rennveranstaltungen festigten ihr Image als besonders sportliche Automobil-Hersteller. Daher fungiert dieser besondere Ausdauer-Motorsport als beste Empfehlung. Die vor Ort gemachten Erkenntnisse ließen die namhaften Hersteller gerne in ihre Serienproduktion mit einfließen und benannten mindestens ein Modell aus ihrem Fahrzeugprogramm mit dem Zusatz Le Mans (LM). Alfa Romeo benannte seinen siegreichen 8 C 2300 LM mit der Zusatzbezeichnung. Sie siegten in den Jahren 1931 und 1932.

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Alfa Romeo 8 C 2300MM Zagato (Alfa Romeo)

Mit einer Karosserie von Zagato versehen, nahm Alfa Romeo im darauffolgenden Jahr, 1933, wieder in Le Mans erfolgreich teil. Hier siegte „Der Löwe von Mantua“, Tazio Nuvolari, mit einem Vorsprung von 401 Meter vor Luigi Chinetti, auf einem „normalen“ Alfa Romeo 8C 2300. Da Alfa Romeo beim Langstrecken-Klassiker Mille Miglia bereits in den zurückliegenden Jahren 1928 bis 1932, außer 1931, siegreich war, bekam das Modell nun die Bezeichnung 8 C 2300 MM, trotz der großen Erfolge an der Sarthe in Frankreich. Eine weitere im Motorsport sehr erfolgreiche italienische Firma mit dem Namen Ferrari versah 1962, nachdem sie bereits zwei Jahre hintereinander (1960, 1961) siegreich in Le Mans, mit dem 250 TR (Testa Rossa) über die Ziellinie fuhr, ihren Tipo 330 TRI Spyder mit dem Zusatz Le Mans. Nach zwei weiteren erfolgreichen Jahren (1963, 1964) mit dem 250 P und 275 P (Prototipo) bekam im Jahr 1965 der von Jochen Rindt und Master Gregory erfolgreiche 250er den legendären Namen 250 LM. Es war der letzte Sieg von Ferrari in Le Mans. Jaguar benannte im Jahr 1988 seinen XJR-9 LM Rennsport-Prototypen mit der wichtigen Bezeichnung. Das Rennen beendete Jaguar mit einem Sieg.

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Dauer 962 LM Sport (Hersteller / Dauer)

Mit einer gleichen Erfolgsgeschichte startete Peugeot 1992 erstmalig mit seinem 905 EVO 1 LM und fuhr dabei den Sieg heraus. Darauf folgte zwei Jahre später (1994) das private Team um Jochen Dauer. Es wurden mal wieder die Regularien in Le Mans geändert. Nur GT-Fahrzeuge wurden zugelassen. Für eine erfolgreiche Zulassung in der GT1-Klasse war Voraussetzung: ein straßenzugelassenes Exemplar. Die straßenzugelassene Version des Dauer 962 LM unterschied sich nur marginal vom Porsche 962 und vom in Le Mans teilnehmenden Dauer 962 LM Sport. Er bekam für die Straßenzulassung eine Rückfahrkamera eingebaut, wegen des unübersichtlichen Heckbereichs. Dauer 962 LM Seriennummer 003 fuhren Yannick Dalmas, Hurley Haywood und Mauro Baldi zum Gesamtsieg. Er war mit einer Höchstgeschwindigkeit von 402 km/h zu seiner Zeit, bevor der Bugatti Veyron präsentiert wurde, der schnellste straßenzugelassene Sportwagen. Beschleunigungswerte von 2,3s von 0 auf 100 km/h und nur unwesentlich länger dauerte die weitere Beschleunigung auf 200 km/h – 7,3s.

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Fünf Jahre später kam BMW mit seinem V12 LMR und siegte mit folgenden Fahrern: Yannick Dalmas, bekannt aus dem Dauer 962 und dem Peugeot 905 EVO 1 LM, Joachim Winkelhock und Pierluigi Martini. Bisher waren es Fahrzeuge, deren Namen alle mehr oder weniger bekannt gewesen sein dürften.

Was ist mit denen, die sprich- und wortwörtlich auf der Strecke blieben? Eine beispiellose Doppelung von Ähnlichkeiten, wie sie nur das „Leben“ schreibt, erfolgte im Jahr 2012. Der Nissan Delta Wing wird von einem Porsche touchiert und überschlägt sich. Der Fahrer bleibt unverletzt im sicheren Kohlefaser-Chassis und Cockpit. So etwas passierte mit dem Nardi Bisiloro (1955) in ähnlicher Art. Ein viel schnellerer Mercedes-Benz und ein Jaguar überholen den asymmetrischen Racer, wobei das skurrile Fahrzeug durch eine Sogwirkung angehoben wird und sich überschlägt. Der Fahrer bleibt unverletzt und der Nardi ist nur leicht beschädigt.

Viel Glück hatten die vorgenannten Beispiele. Ganz im Gegensatz zu den Fahrern und Zuschauern, die bei diesem Rennen ums Leben gekommen sind. Trotz Jubellaune an einem solchen Geburtstag wollen wir auch denen gedenken, die für diesen Sport aus Begeisterung als Zuschauer, Streckenposten, Helfer oder als rennerprobter Fahrer ihr Leben ließen.

Nissan - 24 Hour of  Le Mans  June 2012 Photo: Drew Gibson / Nissan

Nissan Delta Wings (NI SSAN/MICHELIN)

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