Kraftfahrzeug-Überwachungsorganisation freiberuflicher Kfz-Sachverständiger e.V.

Rallye Monte-Carlo 1978


HInter den Kulissen

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Ich kenne niemanden, der bei dem Stichwort „Rallye Monte-Carlo“ keine leuchtenden Augen bekommt. Und ich durfte schon mehr als 30 Mal dabei sein! Nein, nicht als Fahrer, sondern hinter den Kulissen. Rallyeschilder habe ich allerdings nur bis 1999, das war das letzte Jahr, in dem es Metallschilder gab. In den Jahren danach gab es nur noch Plastikaufkleber für die Windschutzscheibe.

Mittwoch, 20. Januar 1978. Manno, war ich aufgeregt! Heute Nachmittag sollte es losgehen. Ich war damals Assistentin des Toyota-Pressechefs Adolf Hüngsberg und hatte den Auftrag, „irgendetwas im Rahmen der Rallye Monte-Carlo zu machen.“ Nun denn, das war doch genau mein Ding, und die Umsetzung nur eine Frage der Organisation. Sechs Toyota Celica warteten in Bad Homburg auf ihre Fahrer: Pro Auto zwei Motorjournalisten, die einen Langstreckentest mit den Fahrzeugen machten. Gleichzeitig waren es aber auch Motorsportjournalisten, die ganz nah an der Musik sein wollten. Naja, nicht ganz so hautnah, denn unsere Streckenführung war eher an Michelin-Sternen ausgerichtet als an das Bordbuch. Die Toyota-Crew übernachtete im Hotel Trapp, gleich gegenüber dem Kurhaus.

1978 – es war schon die 46. Rallye Monte-Carlo, aber es war meine erste – gab es noch eine richtige Sternfahrt mit sieben Startorten in ganz Europa. Ein Startort war Bad Homburg. Wir durften gleich hinter den offiziellen Rallyeteilnehmern mitten im Kurpark über die Rampe fahren. Die Toyota-Besatzungen wurden von den Zuschauern mit ebenso großem Beifall auf die Reise geschickt wie die Rallyefahrer. Zum Beispiel Walter Röhrl (Fiat Abarth) und Klaus Fritzinger (Toyota Corolla).

Insgesamt waren 216 Teilnehmer am Start – davon können heutige Rallyeveranstalter nur träumen. Zur „Nacht der langen Messer“ durften nur die bestplatzierten 100 Fahrer antreten. Das waren noch richtige Entscheidungsnächte: Zweimal fuhren die Rallyeteams über den berühmten „Col de Turini“ – im Sommer ein riesengroßer Platz, größer als ein Fußballfeld. Im Winter: Eine schmale Straße im Schnee.

Stunden vor der ersten Durchfahrt gegen 20 Uhr heizten die Fans sich gegenseitig ein. Oben auf dem Col de Turini gab es damals drei Hotels. Eines davon – das „Trois Vallées“ – hatten wir mit Beschlag belegt und alle sechs Zimmer gebucht. Damit „unsere“ Teilnehmer zwischen dem ersten und zweiten Durchgang – gegen 3.00 Uhr nachts – eine Mütze Schlaf nehmen konnten. Hier oben auf 1.607 Metern Höhe war es zwar keineswegs so komfortabel wie in unserem „Hotel Loews“, aber für ein kleines Schläfchen reichte es allemal. Das Essen war lecker und vor allem heiß. Gerade richtig für die Kälte draußen.

Und in dieser Kälte da draußen standen sich inmitten der Zuschauer auch zwei Promis die Beine in den Bauch. Da die Toyota-Tafel im „Trois Vallées“ reichlich gedeckt war und wir sogar einige Kopfkissen anbieten konnten, gaben wir ihnen Asyl: Es handelte sich bei den beiden um Fürst Paul von Metternich und Michael Schanze.

Der Fürst verabschiedete sich nach einer warmen Stärkung fürstlich von uns, aber Michael Schanze blieb bis zum frühen Morgen, bis alle Teilnehmer durch waren und die Straße wieder befahren werden konnte.

Muss ich erwähnen, dass es auch Alkohol gab? Nun, Alkohol wärmt und lockert die Zunge. Aber er lähmt den Bewegungsapparat. In den nebeligen Morgenstunden sah man einen Toyota Land-Cruiser mit einigen Personen auf der Ladefläche gen Monaco zuckeln …

Ach so, ja. Die Rallye Monte-Carlo hatte auch Sieger und Platzierte:
1.  J. P. Nicolas (F, Porsche Carrera) 6:57 h
2. J. Ragnotti (F, Renaut 6 Alpine)
3. G. Guy Frequelin (F, Renault 5 Alpine)
4. Walter Röhrl/Christian Geistdörfer (D, Fiat Abarth) 7 h
20. Klaus Fritzinger/Willi Peter Pitz (D, Toyota Corolla)

Bei dieser 46. Rallye Monte-Carlo trat auch Michèle Mouton an. Mit einem Lancia Stratos. Sie wurde 7. im Gesamtklassement, und die Fachwelt staunte nicht schlecht: „Was, eine Frau so weit vorne?“ Doch später sollte man noch viel von ihr hören und sehen. Diese Autos hatten einen solchen „Bums“ unter der Haube, dass die Erde unter unseren Füßen bebte, wenn die am Start einer Wertungsprüfung loslegten. Allen voran Sandro Munari, der später leider wegen Motorschadens ausgefallen war.

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