Peter Bonk: Ein Leben in Affinität zum Auto


Der Glanz in seinen Augen

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Immer wieder dieses Glänzen, Leuchten in Peter Bonks Augen wenn er ausholt, sein Leben als Dia-Show zu erzählen. In Bildern und Worten seine Erlebnisse zu ordnen, die den inzwischen Mittsiebziger begleitet und geformt haben.

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Im zweiten Weltkrieg in Hindenburg/Oberschlesien geboren, sorgte der Vater schon früh für eine gewisse automobile Affinität des Sohnemanns: Eine Holzkiste mit vier Rädern war offensichtlich das Schlüsselerlebnis. Peter Bonk absolvierte das Studium des Kraftfahrzeug-Ingenieurs, fast gleichzeitig folgte der logische Schritt hin zum Motorsport. Damals in den Siebzigern des 20. Jahrhunderts vollzog sich der Einstieg in den Formelsport via „Formel V“ (wie Volkswagen).

Das waren quasi Einbäume mit Käfermotor und 1,3 Litern Hubraum. Dann der Aufstieg in die „Formel Super V“ mit 1,6-Liter-Motoren. Und es dauerte nicht lange, bis der große Schritt in die Formel 3 getan war. Lokale und regionale Sponsoren steuerten karge Gelder bei, das neu gegründete Geschäft „Autozubehör Bonk“ lieferte den Rest für die Rennerei. Die Augen leuchten, wenn er von seinen noch heute berühmten Kombattanten und Freunden erzählt: der junge Niki Lauda, Harald Ertl, Helmut Marko … Die gefürchtete wilde Invasion der Österreicher. Mit Hans Herrmann, der Motorsportlegende aus dem schwäbischen Sindelfingen, verbindet ihn noch heute eine tiefe Freundschaft.

Bonks Geschäft im südhessischen Städtchen Langen war inzwischen zum Treffpunkt auto-verrückter Kunden geworden, die der technischen Erfahrung und seinen sportlichen Ambitionen voll vertrauten: eine Institution.

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Dann kam das Fernsehen. Für die Verkehrssicherheits-TV-Serie „Autoreport“ mussten auf dem Hockenheimring Vergleichsfahrten zwischen Rennwagen und Straßenauto gefahren werden. „Das Auto und seine Fahrphysik“ war Thema. Peter Bonks roter Helm mit den großen weißen Buchstaben feierte dann in einem zivilen Auto, einem Ford Taunus, erneut fröhliche Urständ.

„Selten der Schnellste, aber stets der Lustigste“

Für den Beitrag aus der Reihe „Typologie des Autofahrers: Der aggressive Fahrer“ konnte der Chronist seinen Freund Harald Ertl gewinnen. Der trieb dann (nur für den Film!) andere Teilnehmer auf der Autobahn vor sich her, drängelte, schnitt in die Ausfahrten hinein, fuhr millimetergenau bis ans Heck … Und immer Bonks Helm auf der Hutablage. Peters Augen fangen wieder an zu glitzern: „Tage nach der Ausstrahlung beschimpften mich einige Kunden, sie seien entsetzt über meinen Fahrstil, hätten nie von mir gedacht, dass ich so was tue“. Damals musste er das Ganze klären, heute lacht Bonk schallend darüber. Er hat viel von einem Schalk, der ihn so manche schwierige Entscheidung oder Situation hat besser überstehen lassen.

Seine Erzählungen sind noch heute vom heimatlichen oberschlesischen Dialekt geprägt. So bestimmte der Motorsport gute 10 Jahre bis etwa 1980 Bonks Leben mit. „Der Tag hätte gut und gerne 30 Stunden lang sein können“. Das Geschäft wurde erweitert. Aber dann gab es im Privatleben Rückschläge: „Ich musste meine Zukunft neu sortieren“. Irgendwann verkaufte Peter Bonk sein Geschäft, die Knochenarbeit im Laden und unter dem Rennwagen hatte ihren Tribut angemeldet: mehr Ruhe war vonnöten, um noch Freude als Rentner zu haben.

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Eine schon längere Zeit sanft vor sich hin köchelnde Leidenschaft brach durch: Oldtimer! Er suchte und fand. Vorwiegend Rostlauben mit technischen Gebrechen. Jahrelang arbeitet Peter Bonk nun in seiner Werkstatt, rekons-truiert Chassis, dengelt, schweißt, fräst, lötet, baut Kabelbäume für die antiquierte Technik.

In etlichen Garagen und einer Scheune steht inzwischen eine ganze Phalanx bestens restaurierter Oldies. „Alle müssen laufen!“ ist seine Devise. „Schließlich muss ich zu Treffen und Rallyes von historischen Fahrzeugen im In- und Ausland, selbst fahren natürlich, nie auf dem Hänger“. Eine dänische „Nimbus“ mit Beiwagen führt er regelmäßig aus in den Odenwald, „wenn ich mich erholen will“. Ein Vierzylinder mit 22 PS, Baujahr 1938, luftgekühlt. Einen ganz seltenen „Triumph Renown“ von 1949 mit einem 2-Liter-Standardmotor zeigt er gerne: „Das war der Rolls Royce des kleinen Mannes“. Und der geburtsälteste Repräsentant seiner noblen Kollektion ist ein „Imperia Liège“ von 1928, bei dem das Gaspedal in der Mitte von 3 Pedalen liegt. „Damit hatte ich neulich eine haarsträubende Situation im öffentlichen Verkehr zu bestehen, weil ja bei den meisten Autos das Bremspedal in der Mitte liegt“… Und wieder dieses Leuchten in seinen Augen. Wenn sich Peter Bonk dann mal ganz landfein kleidet, um beispielsweise nach Polen in seine alte Heimat zu fahren, dann entert er sein blaues Rolls-Royce-Corniche-Cabrio mit weißem Innenleder. Acht Zylinder, etliche Liter Hubraum. Leistung? „Ausreichend“, meint der stolze Besitzer mit verschmitztem Grinsen. „Früher war ich zwar selten der Schnellste, aber stets der Lustigste.“ Unheimlich authentisch und glaubhaft, dieser Typ!

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