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Nürburgring Nordschleife: 1977 fand die erste VLN-Saison statt


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„Langstreckenmeisterschaft Nürburgring“ heißt sie jetzt und gemeint ist die erfolgreichste Breitensportserie Europas; Und das ist sie heute immer noch: 2016 standen 863 Männer und Frauen in der VLN-Ergebnisliste. Ganz früher war VLN mal die Abkürzung für "Valvoline Langstreckenpokal Nürburgring" und wurde von zehn Clubs ausgerichtet. Das "V" steht inzwischen für Veranstaltergemeinschaft, die 2017 aber nur noch aus neun Clubs besteht.

In diesem Jahr geht es am 18. März los: Von 9 bis 17 Uhr dürfen die Rennfahrer ihre Fahrzeuge bei Einstellfahrten testen. Zwar liegt im Augenblick noch Schnee in der Eifel, aber bis März dürfte der geschmolzen sein. Optimisten und Frühbucher zahlen „nur“ 1.000 EUR.

1977 war ich zum ersten Mal dabei. Mein Club, der Rheydter Club für Motorsport (RCM) war einer der zehn Veranstalter. So ein Rennen durchzuführen war damals ein Lotteriespiel: Können wir uns das überhaupt leisten? Das kostet doch enorm viel Geld! Die Streckenmiete, die Unwägbarkeiten wie Schäden an den Leitplanken, die Mieten für das Start- und Zielhaus, Kosten für technische und Sportkommissare, die Zeitnahme. Und erst die vielen Pokale, die man am Ende des Rennens, das für gewöhnlich vier Stunden dauerte, in 14 Hubraumklassen zu verteilen hatte. Der RCM hatte damals 300 DM Startgeld pro Fahrzeug aufgerufen. Heute ist man mit rund 3.000 EUR dabei.

Nenngeld für die einzelnen Veranstaltungen, Training am Vorabend und eventuelle Leitplankenschäden eingerechnet. Da ist dann aber die Einschreibegebühr noch nicht dabei. Am preiswertesten sind die Produktionswagen der Klassen 1 bis 4. Nur: heute fährt kaum noch jemand so kleine Autos. 1977 gewann Ernst Thierfelder noch auf einem Simca. Sicherlich hat die enorme Nenngeld-Entwicklung auch was damit zu tun, dass es heute fast 30 Klassen sind. Naja, jedenfalls ein bisschen.

Die Meisterschaftspunkte wurden allerdings im Laufe der Jahre nur marginal verändert. Man kann auch heute noch mit einem seriennahen Auto gewinnen. Das liegt einfach daran, dass nicht das schnellste Auto gewinnt, sondern dasjenige, das die meisten Fahrzeuge in der gleichen Hubraumklasse hinter sich lässt.

Damals wie heute durften 210 Autos auf die (damals 22,835 km lange) Nordschleife. Man fuhr in drei Gruppen los. Und so ist es auch noch heute. Nur dass die heutigen Wettbewerbsautos – zum Teil mit Werks- oder Semi-Werksbetreuung – bedeutend schneller geworden sind und auch die Rundenzeiten nur noch einstellige Minutenwerte haben. Und das, obwohl die Rundenlänge verlängert wurde, denn heute sind 24,433 km pro Runde zu fahren.

Ich habe letztes Jahr auch mal in die Zeitnahme reingeschaut, weil ich Inge Kühn, die leider kürzlich verstorbene langjährige Offizielle Zeitnehmerin, schon 1977 kannte. Ihr Zeitnehmer-Stab war erheblich zusammengeschrumpft. Manno, was war das 1977 noch für ein Gewusel in der Zeitnahme: Doppelt besetzte Ansager, Schreiber, Kontrolleure, jede Menge Menschen, die im Raum herumliefen und die Durchfahrtszeiten jeder einzelnen Runde auf den Listen notierten, die auf – ich-weiß-nicht-wie-vielen – Pulten lagen. Und die Rundenzeiten wurden auch noch „zu Fuß“ gerechnet. Nicht so einfach, denn man musste ständig umdenken: Die letzte Zahl auf 10, die vorletzte auf 60 (Sekunden), die nächste wieder auf 10 und die folgende wieder auf 60 (Minuten).

Und heute? Heute ist jedes Fahrzeug mit einem Transponder ausgestattet, der den Teilnehmer automatisch bei jeder Überfahrt auf der Ziellinie erfasst. Zu Fuß rechnen? Oh Gott, wer macht denn sowas noch? Dafür gibt es doch Computer. Nur: Wer in welcher Runde am Steuer saß (und womöglich in einer Gelbphase überholt hat), das muss man damals wie heute durch einen freundschaftlichen Klaps auf die Schulter herausfinden. Nass? Schweiß? Okay, der war’s.

Da fällt mir auch wieder ein, wie wir 1977 das Wohnzimmer unseres damaligen Club-Präsidenten Dieter Kerstgens und seiner Frau Ruth komplett für den RCM umgestaltet hatten. Das ganze Zimmer einschließlich der Wendeltreppe lag voll mit Listen, Nennungen, Nennbestätigungen, Umschlägen, Durchfahrts- und Eintrittskarten für die Teilnehmer, das Gleiche für Gäste und so weiter. Man stelle sich vor: Damals musste das alles noch händisch erledigt werden. Völlig ohne Computer. Heute gar nicht mehr vorstellbar. Aber Hauptsache, wir hatten Spaß dabei. Aber davon jede Menge.

Und dass die Veranstalter 1977 einmal ganz klein angefangen haben, können sich die heutigen Teilnehmer kaum vorstellen.

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