Nichts für Anfänger


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Selbst wenn Sie seinen Namen nie gehört haben, ist Ihnen ein Zitat von ihm vermutlich doch geläufig: „Uschi, mach kein‘ Quatsch, Uschi, komm sei lieb zu mir…“ Die Rede ist von Stephan Sulke, der mit seinem Lied über eine charakterlich nicht ganz einfache Dame 1982 einen Hit wider Willen landete und damit sogar den Sprung in die ZDF-Hitparade schaffte.

Ehm, bitte – ein Hit wider willen? Tatsächlich: Stephan Sulke hatte einen Vertrag über 30 Minuten Musik zu erfüllen. Aber alles, was ihm an vorliegendem Material gefiel, füllte nur 28. So schaffte dann „Uschi“ den Sprung aufs Album, und die knapp zwei Minuten Songlänge reichten aus für einen Rundumschlag in Sachen gleichberechtigter Partnerschaft. Wobei der weibliche Anteil ruckzuck in jene Dominanz verfiel, die er doch dem männlichen Gegenüber so gerne vorwarf. Die Rollenverteilung der Geschlechter war damals ein mediales Dauerthema, der zeitgemäße Mann hatte sich in Zurückhaltung zu üben. „Neue Männer braucht das Land“ forderte damals musikalisch Ina Deter und lieferte der Frauenbewegung damit gleich ihren Lieblings-Slogan.

Sulke schwamm genüsslich gegen diesen Strom.

In der Richtung fühlt er sich bis heute wohl. „Liebe ist nichts für Anfänger“ spießt den ganz normalen alltäglichen Wahnsinn auf. Wie beiläufig singt und sinniert er, in Musik und Text ein typischer Feingeist. Und das kann dann, je nach Thema, schon mal böser und entlarvender daher kommen als ein musikalisches Donnergrollen.

Stephan Sulke selbst, inzwischen unglaubliche 73, nimmt sein Leben und seine Karriere eher gelassen: „Pläne? Nee, ich nehm den Tag, wie er kommt.“ Vielleicht ist es diese Einstellung, die ihn zu so weisen Songs wie „Edelmetallalter“ inspiriert. Schöner als solche Wörter wie „Senioren“, „Silver Ager“ oder „zweite Lebenshälfte“ klingt das allemal. Und wenn Sie (nach)hören wollen, wie das alles angefangen hat mit Sulkes Durchbruch in Deutschland, klicken Sie auf www.youtube.de seinen Hit von 1976 – „Lotte“. Dann kommen Sie rasch zu einem Auftritt im legendären Quiz „Am laufenden Band“. Rudi Carrell sagte den damals 32-jährigen an. Den kannte damals in Deutschland kaum jemand, am Ende wurde er für sein Debütalbum mit dem „Deutschen Künstlerpreis des Jahres“ ausgezeichnet. Nachdem er überhaupt jemanden finden musste, der die Songs veröffentlichen wollte. Also war ihm der „Hit wider Willen“ von Anfang an mitgegeben.

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