Luca Ludwig: Zwischen Hörsaal und Motodrom


In den großen Fußstapfen des Vaters

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Er gilt noch immer als König des Nürburgrings und superschnell, auch wenn sein am Nagel hängender Helm nur noch sporadisch zum Einsatz kommt – Klaus Ludwig. Geschwindigkeit, Fahrgefühl und Fahrzeugbeherrschung hat er an seinen Sohn vererbt: Luca Ludwig wächst mit rasanter Geschwindigkeit zu einem guten Fahrer heran.

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Seine Motorsport-Lehre begann der 22-jährige Luca Ludwig erst 2008, als er mit seinem Vater drei Rennen in der BF-Goodrich Langstreckenmeisterschaft bestritt. Gemeinsam drehte das Vater-Sohn-Gespann auf einem BMW 335 Diesel seine Runden und siehe da: Ludwig-Junior machte eine passable Figur und erweckte mit flotten Rundenzeiten einiges Aufsehen. Dass es zuvor eher ruhig um Ludwig war, hat einen einfachen Grund: Bis zu seinem ersten Rennen in der Langstreckenmeisterschaft stand er abseits des motorsportlichen Rampenlichts. «Motorsport war schon immer meine große Leidenschaft. Insbesondere der Tourenwagensport hat mich schon immer fasziniert», erklärt Luca Ludwig mit begeisterter Miene. Doch statt wie üblich mit 15 im Kart zu sitzen, musste die Motorsportkarriere beim jungen Ludwig warten. «Um erfolgreichen Tourenwagensport zu betreiben, muss man nicht schon mit Windeln im Kart seine Runden drehen, ein Motorsporteinstieg im vernünftigen Alter geht in dieser Serie allemal», erklärt er voller Überzeugung. Aber – dessen ist er sich bewusst – er trage einen großen Namen, der ihm die eine oder andere Tür leichter geöffnet habe als üblich. Gleichzeitig sei aber auch der Erwartungsdruck von Teamchefs, Fahrerkollegen und Fans deutlich höher als bei einem unbekannten Neueinsteiger.

Luca Ludwig meistert derzeit eine schwierige Gratwanderung: Während der Woche büffelt er in der Bonner Uni für sein Jura-Studium, am Wochenende klemmt er sich hinters Volant verschiedener Rennwagen. «Auch wenn Motorsport mehr und mehr mein Leben bestimmt – mein Studium steht bis zur Prüfung klar im Vordergrund», lässt Ludwig Junior Vernunft walten. «Noch bin ich nicht in der Lage mit der Rennerei so viel Geld zu verdienen, als dass ich davon leben könnte, was ohnehin nur die wenigsten Rennfahrer schaffen. Also beende ich mein Studium, um etwas «Solides‘ in Händen zu halten.»

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Ob Luca Ludwig irgendwann einmal als Jurist oder Rennfahrer seine Brötchen verdienen wird, steht derzeit noch in den Sternen.

Fakt ist, dass er in seiner Debüt-Saison mehr als einmal von sich reden machte. Insgesamt acht Mal startete er in einem BMW Z4 Coupé des hessischen Rennstalls Dörr Motorsport in der BF-Goodrich Langstreckenmeisterschaft auf dem Nürburgring und der Nordschleife. Bei den bis zu sechs Stunden dauernden Rennen machte der Junior stets eine gute Figur und konnte an der Seite seiner durchweg erfahreneren Rennkollegen mit flotten Rundenzeiten glänzen. Auf dem Coupé und dem Nürburgring bestritt er auch das längste und härteste Langstreckenrennen der Welt: das 24-Stunden-Rennen. Mit drei weiteren Piloten holte Luca Ludwig bei der Hatz zweimal rund um die Uhr einen Klassensieg, obendrein wurde das Coupé als bester BMW der fast 200 gestarteten Autos nach 24 Stunden gewertet.

Zeitgleich ging Luca Ludwig in einer Corvette in der ADAC-GT-Masters an den Start. «Langstreckenpokal, GT-Serie und einige Auftritte in der FIA GT3 haben mir in meinem ersten Lehrjahr einen vollen Kalender beschert. Ständig pendelte ich zwischen Hörsaal, Motodrom und Heimat – sehr anstrengend, aber auch sehr interessant», so Luca Ludwig. Der Reisestress hat seinem Hunger nach Erfolg keinen Abbruch getan: Insgesamt vier Mal wurde er auf dem BMW Klassensieger im Rahmen der BF-Goodrich Langstreckenmeisterschaft und drei Siege in einer sehr hart umkämpften GT-Serie konnte er einfahren. Mit berechtigtem Stolz erklärt der Newcomer: «In der GT-Serie habe ich mit meinem Fahrerkollegen drei erste Plätze einfahren können – kein anderer Fahrer hat so viel Gesamtsiege. Dank der Einzelerfolge hat es in meiner ersten Saison auf Anhieb zur Vizemeisterschaft gereicht.» Sein Ziel, irgendwann einmal als Werksfahrer in einer der großen GT-Serien an den Start gehen zu dürfen, ist alles andere als illusorisch, denn schon jetzt bewegt er Fahrzeuge nahezu spielerisch am Limit – ähnlich wie sein Vater Klaus in seinen Glanzzeiten. Doch bis dahin müssen noch etliche Vorlesungen absolviert und einige Rennen gefahren werden.

Klaus Ludwig – König des Nürburgrings

Nach wie vor gilt der 60-Jährige als erfolgreichster deutscher Rennfahrer. Doch fuhr der «King vom Ring» nie ein Formel-1-Rennen. Klaus Ludwig fuhr Rennen auf Ford, Mercedes, Porsche und Aston Martin. Seit 2007 startet der Vater von Luca nur noch selten selbst und wacht stattdessen mit Argusaugen über seinen schnellen Sohn.

Einige seiner größten Erfolge:

  • Fünffacher Deutscher Tourenwagenmeister (1979, 1981, 1988, 1992, 1994)
  • FIA GT-Weltmeister (1998)
  • Le Mans Sieger (1979, 1984, 1985)
  • 12h-Sebring Sieger (1989)
  • Dreifacher Gesamtsieger 24h Nürburgring (1982, 1987, 1999)

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