Liebeserklärung an die Autobahn-Raststätten


Florian Werner, die Pflanzenvielfalt und andere Überraschungen

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Man hält dort an, weil man muss, nicht, weil man will. Stimmt nicht unbedingt, sagt Florian Werner und hält dieser landläufigen Auffassung eine andere entgegen. Sein Buch ist tatsächlich eine Liebeserklärung an deutsche Raststätten – nicht nur, weil sich dort in Gästebüchern ungewöhnliche Einträge von Udo Jürgens, Alfred Biolek und anderen Promis finden. Über seine Begeisterung sprach Florian Werner mit KÜSmagazin.

Herr Werner, wie kam es zu diesem Buch?
Ursprünglich wollte ich die längste deutsche Autobahn – die A7 – von Flensburg bis Füssen entlang wandern und über diese Erfahrung schreiben. Dann habe ich mich aber doch für die entspanntere Version entschieden und bin gleich zur Rast übergegangen. Also habe ich mich für ein paar Tage und Nächte auf der Autobahnraststätte Garbsen Nord bei Hannover einquartiert.

Warum haben Sie gerade Garbsen-Nord als Beispiel ausgewählt?
Die Raststätte markiert ziemlich genau die automobile Mitte unseres Landes. Sie liegt unmittelbar an der A2, also der hochfrequentierten Ost-West-Achse, und unweit der A7, also der großen Nord-Süd-Verbindung. Wenn die Landkarte von Deutschland der Umriss eines Menschen wäre, läge Garbsen Nord in der Herzgegend. Abgesehen davon handelt es sich um einen Ort von hinreißender Durchschnittlichkeit. Anders gesagt: Garbsen Nord ist ideal, um stellvertretend für die insgesamt 450 Raststätten zu stehen, die es hierzulande gibt.

Gibt es besondere Erlebnisse Ihrer Vor-Ort-Recherche, die Ihnen besonders in Erinnerung geblieben sind?
Ein Botaniker hat mich in die überraschende Artenvielfalt der Autobahnraststätte eingeführt. Während unserer Exkursion haben wir zwischen den Asphaltritzen insgesamt 260 wildlebende Pflanzenarten entdeckt – mehr als in so manchem Biotop! Mindestens 50 davon sind essbar; man könnte sich also gut von dem, was auf so einer Raststätte wächst, vegan ernähren. Man muss nur auf die Wildpinkler achten.
Bitte nennen Sie drei Gründe, warum man an Raststätten durchaus länger als unbedingt notwendig verweilen sollte.
Man sieht plötzlich das vermeintlich Vertraute mit anderen Augen. Man lernt Menschen aus allen gesellschaftlichen Schichten kennen. Und man erfährt mehr über deutsche Mentalität und Geschichte, über Verkehrspolitik und Ökonomie als an jedem anderen mir bekannten Ort. In einer Autofahrernation wie der unseren sind Raststätten die wichtigsten Bauwerke überhaupt. Die durchschnittliche Verweildauer dort beträgt weniger als eine Viertelstunde. Ich habe fünf Tage in Garbsen Nord verbracht und keine Minute davon bereut.
Das Interview mit Florian Werner führte Roland Bernd.

Florian Werner
Die Raststätte.
Eine Liebeserklärung.
Hanser Verlag
24 Euro

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