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Knasterbax und Siebenschütz


Kinderbuch-Neuauflage erinnert an den Bremer Autor Werner Schrader

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Sie gleichen sich wie ein Ei dem anderen und sind noch nicht mal miteinander verwandt. Damit hat sich’s aber auch schon mit den Gemeinsamkeiten. Knasterbax verdingt sich als Räuber, lebt von Tag zu Tag, spricht ein abenteuerliches Deutsch, Siebenschütz ist Polizist mit entsprechend geordnetem Leben und verbringt viel Zeit damit, seinen vermeintlichen Zwilling zu erwischen.

1971 erschien die Geschichte erstmals und wurde kürzlich neu aufgelegt. Ihr Autor, Werner Schrader, war damals Lehrer im Bremer Stadtteil Aumund. Die Neuauflage erinnert zu Recht an einen Schriftsteller, der in den Siebzigern zu den profiliertesten deutschen Kinderbuchautoren gehörte und dessen Werke heute meist nur noch antiquarisch gekauft werden können.

Gut und Böse lassen sich längst nicht immer sauber voneinander trennen.

Dieses Credo durchzieht all seine Bücher, als Überzeugung, nicht als fassadäres, larmoyantes Pseudo-Gutmenschentum. Es entsprach Schraders Lebenserfahrungen. Die gab er mit großer Freude auch in Lesungen weiter, von denen ich selbst viele erlebte – die ersten noch als Schuljunge, die letzten, als ich selbst schon ein junger Erwachsener war. Bei den letzten Zusammentreffen machte Werner Schrader, erfahrener Lehrer und inzwischen freier Schriftsteller, mir Mut – dem Lehramtsstudenten, der fürchterlich nervös den ersten eigenen Unterrichtsstunden entgegensah. Was er sagte, hat gewirkt, auch wenn ich dann doch nicht Lehrer geworden bin. Sondern Journalist. Aber so ganz verschieden voneinander sind die beiden Berufe auch wieder nicht.

Werner Schrader wusste, dass die Welt von Kindern oft genug, alles andere als heil ist. In „Jan Tabak geht aufs Ganze“ lernen zwei Schulkinder Geborgenheit und Ruhe erst bei ihren Großeltern kennen – die Eltern sind zu beschäftigt, um wirklich eine Familie zu sein. Jan Tabaks Bruder im Geiste, „Käpt’n Snieders groß in Fahrt“, bekommt es als Aushilfslehrer (zunächst wider Willen) mit einem Jungen zu tun, der fast (aber nur fast) zwischen der geplanten Trennung seiner Eltern zerrieben wird.

Er versuche, seinen jugendlichen Lesern die Welt im Spiegel des Humors zu zeigen, um sie dadurch erträglicher zu machen, hat Werner Schrader einmal in einem Klappentext geschrieben. Das ist ihm stets gelungen. Weil wirklicher Humor vom Ernst des Lebens nicht zu trennen ist. Und vieles durch Humor nicht erträglicher, sondern überhaupt erst erträglich wird.

 

Werner Schrader:
Knasterbax und Siebenschütz. Herder Verlag (Kerle); 12,99 Euro
Weitere Werke (Auswahl, nur noch antiquarisch zu haben, alle im Herder Verlag erschienen):

  • Die Kinder vom Teufelsmoor
  • Jan Tabak geht aufs Ganze
  • Käpt’n Snieders groß in Fahrt
  • Karl der Dicke beißt sich durch
  • Karl der Dicke und Genossen
  • Zwei auf Achse 

Brüder im Geiste: Knasterbax und
der Räuber Hotzenplotz stammen
beide aus der Feder des Illustratoren
Franz Josef Tripp. Die Abenteuer von
Hotzenplotz erschienen allerdings deutlich
früher – 1962 (Thienemann Verlag).

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