Jüdisch – ein way of life. Die Alte Synagoge in Essen


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Die Tora, der Sabbat und die koschere Küche mögen als erstes in den Sinn kommen, wenn vom jüdischen Glauben die Rede ist. Umso überraschter wird sein, wer die Alte Synagoge in Essen besucht, die als Dokumentationszentrum «Haus jüdischer Kultur» der Öffentlichkeit zugänglich ist.

Blick vom Dach des Bistums auf die Alte Synagoge.  23. 09. 2010, Foto: Prengel

Mit Nachdruck war mir ihr Besuch empfohlen worden. Denn nicht nur der Glaube wird hier vorgestellt mit Bräuchen, Festen und den Gepflogenheiten der Religionsausübung. Vor allem fasziniert der «Jüdische Way Of Life» – so der Titel der Dauerausstellung. Auf dem Weg dahin begleiten mich Porträts prominenter Juden – Paul Newman, Dustin Hoffman, Peter Falk und der kürzlich 70 gewordene Bob Dylan (der eigentlich Robert Allen Zimmermann heißt) sind darunter. Bunte Kleidung ist ausgestellt. Und was beim ersten Betrachten wie ein Modegag wirken mag, stellt sich bei näherem Betrachten als Träger jüdischer Symbole heraus. Sie zieren Sweatshirts, wie sie besonders von Jugendlichen gerne getragen werden. Nein, nichts wirkt hier «streng» oder «regelhaft», was so gerne mit Fragen des Glaubens oder der Religion verbunden wird.

Bob Dylan statt Daliah Lavi

Bob Dylan

In besonderem Maße widmet sich die Ausstellung jüdischen Filmen und jüdischer Musik, etwa «The Big Lebowski», den liebenswürdigen Alt-Hippie und «Yentl», wo Barbra Streisand mit allen Mitteln um die Verwirklichung ihres Lebenstraums kämpfen muss. All dies gehört ebenso zum jüdischen «Way Of Life» wie die Musik von Daliah Lavi, Esther und Abi Ofarim – und Gali Atari, die mit ihrer Begleitgruppe «Milk And Honey» 1979 bei der letzten Punktwertung den favorisierten spanischen Beitrag abhingen. «Hallelujah», ein echter Ohrwurm, gefällt auch vielen, die mit einem Schlagerwettbewerb sonst nichts anfangen können. Empfehlenswert ist unbedingt, einen Audio-Player auszuleihen, der hier angeboten wird. Er hat nicht nur Tonspuren aus Filmen und Musikstücken der Ausstellung. Vor allem die Erinnerungen jüdischer ehemaliger Essener Bürger und Zitate zu Judentum und Jüdischkeit vermitteln, was der «Jüdische Way Of Life» meint.

Kleidung

Auch die Jeans, die zu den Ausstellungsstücken gehört, hat ihre Berechtigung. Die Ur-Form der Arbeitshose geht auf den in Bayern geborenen Juden Löb Strauss zurück. Als der 1853 in den USA eine Fabrik zur Produktion solcher Hosen gründete, konnte er noch nicht wissen, welche Bedeutung dieses Kleidungsstück einmal erlangen wurde. Löb nannte sich in den USA Levi, der Name ist bis heute ungebrochen ein Synonym für modische und gleichermaßen pflegeleichte Kleidung geblieben.

Haus jüdischer Kultur

Steeler Straße 29, 45127 Essen

Öffnungszeiten

Di–So: 10 bis 18 Uhr
www.alte-synagoge.essen.de

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