Gut zu lesen. Gut zu hören.


Buch- und CD-Tipps

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Konstantin Richter: Kafka war jung und er brauchte das Geld.

Eine rasante Kulturgeschichte für Fortgeschrittene. Kein und Aber Verlag; 14,90 Euro

Konstantin Richter hat wirklich alles zusammengetragen, was einem durch bildungsbeflissene Lehrer zu Schulzeiten vergällt wurde. Kafka, Shakespeare, die Mona Lisa
und noch mehr, was man des Bildungskanons Willen lesen, hören und sehen sollte. Wie viel Unterhaltungwert und Feinsinn tatsächlich dahinter ist, deckt Richter mit seinen eigenwilligen Interpretationen auf und verschafft dem Leser damit verblüffende Einsichten. Kafka, der klarsichtige Jurist, Shakespeare, der Unterhaltungsautor mit Sinn fürs Abgründige – das macht richtig Lust, (wieder) zu den Originalwerken zu greifen.

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Michael Ziegelwagner: Café Anschluss. Als Österreicher unter Deutschen.

Atrium Verlag; 18 Euro.

Apfelwein statt Apfelstrudel und Großstadtatmosphäre anstelle von Beschaulichkeit – es muss für Michael Ziegelwagner ein Kulturschock gewesen sein, dass ihn der Beruf von St. Pölten nach Frankfurt am Main verschlug. Anders lässt sich die spitze Feder nicht erklären, mit der er die alte und die neue Heimat beschreibt. Wenn’s ins Politische geht, könnte er fast bei Helmut Qualtinger Unterricht gehabt haben – sehr amüsant. Manchmal freilich, das mag dem Satiriker eigen sein, schießt er über’s Ziel
hinaus.

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Alva Gehrmann: Alles ganz isi. Isländische Lebenskunst für Anfänger und Fortgeschrittene.

Deutscher Taschenbuch Verlag (dtv); 14,90 Euro.

Ehrengäste haben es so an sich, dass man bisweilen nicht viel über sie weiß. Zum Beispiel über Island, Ehrengast zur Frankfurter Buchmesse 2011: Vulkane, ein reicher Schatz an Volkssagen und heiße Quellen mögen einem spontan einfallen – aber isländische Lebenskunst im Alltag? Alva Gehrmann hilft nach. Zum Beispiel: «Mit dem Auto ist es nicht unbedingt einfacher, nach Ísafjörður zu gelangen. Selbst Jeeps mit Winterreifen schlittern bei Schneetreiben über die schmalen Landstraßen,
die in den Berg gehauen wurden. Du kannst nur froh sein, wenn ein erfahrener Isländer hinterm Steuer sitzt, der in diesem Moment besonnen gegenlenkt.»

9783423248747

Saxofourte: Tango Affairs.

(36music/Broken Silence)

«Der Tango ist ein trauriger Gedanke, den man tanzen kann.» Diesem Gedanken des Komponisten Enrique Santos Discépolo folgen die Musiker von Saxofourte nur bedingt, genau so wichtig sind ihnen die freudigen Aspekte beim Musizieren. Zwischen Klassik, Jazz und Weltmusik gibt es Gedichte von Jorge Luis Borges – vorgetragen von Christian Schult, der u. a. als deutsche Synchronstimme von Marlon Brando bekannt wurde.

CD Cöver Saxofourte Tango Affairs

Paul McCartney: Chaos And Creation In The Backyard.

(Concord)

Das waren noch Zeiten, als die Beatles der Royal Family im Konzert empfahlen, einfach nur mit den Juwelen zu rasseln, während der Rest des Publikums mitsingen möge… Aus dem einstigen Jungspund McCartney ist längstens Sir Paul geworden, ein altersweiser Mann, überzeugter Vegetarier. Mit seinem jetzt wieder veröffentlichten Spätwerk «Chaos And Creation In The Backyard» freilich klingt er wie zu den besten Zeiten der Fab Four, nur eben manchmal etwas weiser, augenzwinkernder – wenn er zum Beispiel («Jenny Wren») Anleihen
bei Charles Dickens nimmt.

CD Cöver McCartney Chaos

Jacob Brass: A Stubborn Child.

(Jewel/Universal)

Er hat mit Katie Melua, Reamonn und Max Mutzke gearbeitet, jetzt debütiert er in eigener Sache: Und Jacob Brass braucht den Vergleich mit den Genannten nicht zu scheuen. Von den Texten her könnte man den 26-jährigen Münchner einen Singer/Songwriter nennen. Während die aber die Musik eher den Texten unterordnen, steht bei Jacob Brass beides gleichberechtigt nebeneinander. Das Ergebnis sind Texte, die zum Nachdenken anregen mit Musik in Ohrwurmqualität. Eine Rarität in Zeiten inflationär gesendeter Casting-Shows mit Pseudostars.

CD Cöver Jacob Brass

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