Gut zu lesen. Gut zu hören.


Neue Bücher und CDs

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Hugh Masekela: Hugh! The Best. Presented By Till Brönner. (Verve)

Ein deutsch-afrikanisches Gipfeltreffen der besonderen Art: Die Pop/Jazz-Champions Till Brönner und Hugh Masekela haben zur Fußball-WM einen gemeinsamen Song aufgenommen: «Win The World», eine groß angelegte Pop-Hymne mit afrikanischem Fundament. Jetzt kommt eine Doppel-CD, auf der Till Brönner die ganze Bandbreite aus Masekelas 40-jähriger musikalischer Laufbahn präsentiert: Zu Soul-Jazz und Pop-Jazz gibt es Bossa-Nova, Kollaborationen mit Herb Alpert, bis hin zu eigens für dieses Album erstellten Jazzanova-Remixen.

CD Hugh_Masekela_Hugh_

Scissor Sisters: Night Work. (Polydor)

Disco ist out? Nicht doch. Wenn man dem legendären 70er-Jahre-Sound etwas Dance und Funk beimischt, klingt die Musik aus der Zeit überdimensionaler Leuchtkugeln, riesiger Tanzflächen und Glitzeroutfits moderner denn je. Nach der Devise jedenfalls handeln die Scissor Sisters, die sich für ihre dritte CD ungewöhnlich viel Zeit gelassen haben. Die Inspirationen bezogen die fünf aus New York übrigens nicht vom «Big Apple», sondern von Erfahrungen in Berlin.

CD Scissor Sisters

Lostboy! A.K.A. Jim Kerr (edel)

Sounds a bit like Simple Minds, doesn’t it? Solch ein Hör-Eindruck kommt nicht von ungefähr: Hinter dem skurrilen Pseudonym «Lostboy» AKA Jim Kerr steht der Frontmann der schottischen Erfolgsband, der sich mit knapp über 50 den Traum eines Soloalbums erfüllt hat. Versammelt hat er für den musikalischen – überaus ansprechenden! – Egotrip alle Songs, die er sich im Laufe einer 30-jährigen Karriere immer mal wieder wünschte, aber nie realisierte. Übrigens: Trotz Solo-Album und umfangreicher Solo-Tournee bleibt Jim Kerr seinen Mitstreitern von Simple Minds nach wie vor erhalten.

CD Jim Kerr (Simple Minds)

Peter Schössow: Mein erstes Auto war rot. Hanser Verlag; 14,90 Euro.

Autofahren ist das Größte, und früh übt sich, wer ein Meister darin werden will. Zum Beispiel mit diesem Buch. Aber das erste Auto ist auch immer das tollste, auch wenn man‘s aus einer Rostlaube und fragwürdigen Ersatzteilen erst zusammenschrauben muss. Der Großvater schraubt es mit seinem Enkel zusammen, und schön lackiert muss es werden: Natürlich rot! Fix noch Fahrschule, und dann geht’s los. Durch Felder und Wiesen, durch scharfe Kurven, über Stock und Stein – was echte Rennfahrer sind, die fürchten sich vor nichts und niemand. Nicht mal vor Kühen, die was gegen Autos auf der Weide haben, oder wild gewordenen Wespen.

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Erich Kästner: Gedichte in einem Band. Haffmans Verlag (bei Zweitausendeins); 14,90 Euro.

Er hatte schon eine sehr spezielle Art, für die Verkehrssicherheit zu werben: Seine «Gedanken beim Überfahrenwerden» sind typisch für den Sarkasmus, mit dem Erich Kästner (1899–1974) seine Mitmenschen und ihr Tun (übrigens auch das eigene!) in den Blick nahm. Aber er verstand sich auch auf heitere Betrachtungen, zum Beispiel bei einer Familienfahrt «Im Auto über Land.» Bei allem Biss: Erich Kästner war immer ein Menschenfreund, und das merkt man. Die Gedichte sind so klar und klarsichtig, dass sie auch Menschen empfohlen werden können, die sich ansonsten für Lyrik nicht erwärmen können – oder konnten.

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Sybil Gräfin Schönfeldt: Zu Tisch, zu Tisch! Eine literarisch-kulinarische Reise durch das 20. Jahrhundert. Arche Verlag; 29,90 Euro.

Literatur ist doch brotlose Kunst – oder? Nicht immer, denn bedeutende Romane des 20. Jahrhunderts handeln immer auch vom guten Essen und Trinken. Um die Jahrhundertwende gibt es in den «Buddenbrooks» von Thomas Mann einen Plettenpudding, ebenso lecker wie gehaltvoll, zu Zeiten von Alfred Döblins «Berlin Alexanderplatz» sind Grüne Heringe ein begehrtes Festessen. Die «Tauben im Gras» von Wolfgang Koeppen sind unter anderem geprägt vom Geist der amerikanischen Carepakete, durch die vor allem Schokolade in jedweder Form zu einem Symbol für wiedererlangte Lebensqualität wird. Sybil Gräfin Schönfeldts Streifzug enthält neben Autorenporträts informative Beschreibungen der Veränderungen in der Gesellschaft und Rezepte zum Nachkochen.

Buchcover Schönfeldt_Zu Tisch

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