Gut zu lesen. Gut zu hören.


Neue Bücher und CDs

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Michael Karl Witzel/Gyvel Young-Witzel: Die legendäre Route 66. Heel Verlag; 39,90 Euro

Mit dem «Abgang des Pferdes» fing alles an, und so ist auch das Eröffnungskapitel betitelt. Die Route 66 wird die Mother Road – Mutter aller Straßen – genannt, sie steht für den Traum von der Freiheit ohne Grenzen, und natürlich sind mit ihr auch etliche Kuriositäten verbunden. Nicht zuletzt hat die Mother Road auch Krisen durchgemacht – Von alledem will man nicht bloß lesen, das muss man sehen. Da ist es nur natürlich, dass dieser Bildband vom Foto zum Text führt und aus der Hommage an die Route 66 einen
Augenschmaus im großen Format macht.

Cover Buch Route 66

Henry Glass: Weltquell des gelebten Wahnsinns. Skurrilitäten aus der Welt der Wissenschaft. Kein und Aber Verlag; 16,90 Euro.

Henry Glass war ein Exzentriker, der seine Vorlieben wie James-Joyce-Brillen und knielange Shorts konsequent pflegte. Exzentrik war es vermutlich, die ihn auch zum ausgezeichneten Wissenschafts-Redakteur machte. Denn: Komplexe Zusammenhänge verständlich machen zu können und entsprechende Fragen überhaupt erst zu stellen, ist eine seltene Gabe. Bei Henry Glass liest sich das so: Warum eigentlich bellen Hunde? Sind Exzentriker glücklicher? Was lässt sich über die Flatus-Frequenz von asiatischen Wasserbüffeln sagen? Mit solchen Fragen erarbeite er sich als Journalist einen ausgezeichneten Namen. Dieses Buch ist gleichsam auch Glass? Vermächtnis: Der Autor ist im Jahre 2000 an den Folgen einer langwierigen Erkrankung verstorben.

Buchcover Henry Glass

Anja K. Fließbach: Einmal um die Welt, bitte. Buchverlag für die Frau (Leipzig); 24,90 Euro.

Ob sie denn keinen Mann habe und wie sie sich dieses Unterfangen überhaupt leisten könne, waren nur zwei der Fragen, die Anja K. Fließbach von Mitreisenden gestellt wurden. Das Unterfangen war eine 128 Tage dauernde Weltreise mit einem Kreuzfahrtschiff und Stationen wie Dubai, Vietnam, Indien, eine Tour auf den Spuren von Robinson Crusoe und Mahatma Gandhi, zusammen mit ihrer sechsjährigen Tochter. Sehens- und lesenswert, nicht zuletzt durch die treffenden Bemerkungen der Tochter, die das Abenteuer ganz und gar offenen Auges und offenen Ohres aufnimmt. Da konnte die junge Journalistin die schon dreist zu nennende Neugier mancher Passagiere doch locker wegstecken.

Cover Buch Einmal um die Welt ...

Herwig Mitteregger: Insolito (Manoscrito Music/edel)

«Carbonara», «D?ja vu» und andere legendäre Titel sind bis heute mit seinem Namen verbunden: In den 80er-Jahren war Herwig Mitteregger der Frontmann von Spliff. Deren Sound erkennt man überaus angenehm auf seinem aktuellen Solo-Album «Insolito» wieder.
Er kann sich sympathischerweise ein hohes Maß an Eigenwilligkeit leisten, was er nicht nur mit deutlichen, schnörkellosen Texten tut (davon zeugen u. a. die Titel «Schiff» und «Lass dir nix erzähln»). «Insolito» hat er überwiegend selbst eingespielt und unter eigenem Label veröffentlicht – er muss sich und anderen nichts mehr beweisen. Wenn einer mit der Prämisse an ein Vorhaben geht, wird’s meistens gut. So auch hier.

CD Cover Mitteregger, Insolito

Michels: zuhause (Ferryhouse/Warner)

«Ich mag das Lässige, Schnoddrige, Ungeschönte, etwas Raue. Nicht nur in meiner Stimme» sagt Wolfgang Michels über sich selbst. Damit erfüllt er die Definition eines Singer/Songwriters par excellence – und so sieht sich der vielseitige Musiker auch selbst. Er erweist sich als genauer Beobachter einer Gesellschaft, die an so manchem kränkelt – auf besserwisserische Weltrettungs-Rezepte verzichtet er. Damit begegnet er seinem Publikum auf Augenhöhe. Oberlehrertum ist ihm fremd. «zuhause», das erste Album nach langer Pause, hat er mit exzellenten jungen Musikern (u. a. Kim Frank) eingespielt. Wenn möglich, sollte man übrigens auf die limitierte Auflage mit zwei Bonustracks zurückgreifen, von denen insbesondere «Scharfer Zucker» den Interpreten auch noch als Meister des trockenen Humors ausweist. Mehr Infos zum Album unter www.wolfgang-michels.de.

MichelsCover

Take 6: The Standard (Heads Up/in-akustik)

Angefangen hat alles mit Barbershop-Gesang. Das ist über zwanzig Jahre her: Seit ihrem Debütalbum 1988 setzen Take 6 immer wieder neue Maßstäbe in Sachen meisterlicher Vokal-Harmonien, wenn sie auf ihren Alben Jazz, Rock, Rhythm and Blues und weitere Einflüsse verarbeiten. Dabei bleibt es nicht alleine: Das Songmaterial für die neue CD kommt u. a. von Miles Davis und George Gershwin, Marvin Gaye stand ebenso Pate wie Nat King Cole. Damit nicht genug: Die Truppe aus dem US-Süden hat sich der Mitwirkung von hochkarätigen Instrumental-Spezialisten wie George Benson, Roy Hargrove und Till Brönner versichert sowie der Stimmen von Al Jarreau, Jon Hendrick und Aaron Neville. Herausgekommen ist ein abwechslungsreiches und ungemein stimmungsvolles Vokal-Album. Ein ganz besonderes Highlight ist die Version von Ella Fitzgeralds «A-Tisket, A-Tasket», bei der das Sextett Ellas Originalstimme aus dem Jahr 1938 in den Song einfügt.

CD-Cover Take 6

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