Formel E: Weltweite Serie ohne Rennstrecke


Der Rennsport kommt zum Kunden

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Fünf Kontinente, 12 Metropolen weltweit, 14 Rennen und ein gigantischer Marketing-Apparat: Die Formel E, vor nicht allzu langer Zeit noch belächelt, ist im Windschatten der »Königsklasse Formel 1« längst auf die Überholspur abgebogen. Nie musste der weltweit größte und bedeutendste Rennzirkus mehr um seine Vorreiterrolle für die Zukunft fürchten als 2020. In einem Jubiläumsjahr. Ausgerechnet.

Rückblick: Im Mai 1950 wurde das erste Rennen der neu ins Leben gerufenen Fahrer-Weltmeisterschaft ausgetragen. Am Ende stand mit dem italienischen Alfa-Romeo-Piloten Giuseppe Farina der erste Titelträger fest. 70 Jahre später bemüht sich das milliardenschwere Rennstrecken-Unternehmen, mit einem selbst verpassten grünen Anstrich darum, nicht vom lautlosen Riesen der Elektro-Renner langsam aber sicher verdrängt zu werden.

Der größte Vorteil der Elektro-Flitzer, die spätestens seit dem Ende der Fahrzeug-Wechsel-Ära während eines Rennens ernst genommen werden: Sie kommen zu den Menschen, nicht umgekehrt. Der Stromer-Rennzirkus, auf keine einzige Rennstrecke angewiesen, findet da statt, wo die potentiellen Kunden wohnen. Ein Anachronismus?
Formula E: Mitten im Zentrum der Großstädte, zwischen Hochhäusern, Bankentürmen, Einkaufsmeilen und Shopping-Centern. Rasanter und zugleich bewusster kann die Werbeschlacht der großen Hersteller von Elektro-Fahrzeugen wie Audi, Porsche, BMW, Mercedes-Benz und anderen nicht sein.
Und worüber sich in der Formel 1 mittlerweile schon (fast) niemand mehr aufregt – dass die Autonation Deutschland im Rennkalender 2020 weder auf dem Nürburgring noch auf dem Hockenheimring vertreten ist – wurde bei der »Grünen Formel 1« von vornherein ausgeschlossen. Das größte Ballyhoo wird in der deutschen Hauptstadt ausgetragen. Die »ABB FIA Formel E«, wie die Serie in ihrem mittlerweile sechsten Jahr offiziell heißt, ohne Gastspiel in Deutschland? Unmöglich!
Also wird ganz Berlin zur Partymeile der Elektromobilität, wenn am 21. Juni 2020 am Flughafen Tempelhof der »BMW i Berlin E-Prix 2020 presented by CBMM Niobium« ausgetragen wird. Der Motorsport mit den lautlosen, nicht leblosen Boliden wird nicht um seiner selbst willen ausgetragen. Da geht es auch ums Verkaufen. Ganz anders als bei Farinas Sieg 1950 und noch Jahre später. Die Romantiker aus diesen Zeiten stehen heute nur zu oft unter Klimakiller-Verdacht.

Maximilian Günther (DEU), BMW I Andretti Motorsports, BMW iFE.20

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