Feine Sahne Fischfilet: Punk auf Power


…dann wär die Welt eine bessere

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„Jan war von der ersten Lebensminute an auf Power. Immer.“ Also seit 1987. Gut 30 Jahre später kennt die Öffentlichkeit Jan (Gorkow) vor allem als „Monchi“. Und dem Fazit, das Monchis Mutter Angela Gorkow im Dokumentarfilm „Wildes Herz“ über ihren Sohn zieht, darf ohne Wenn und Aber zugestimmt werden.

Aber: Wer Monchi sagt, muss auch „Feine Sahne Fischfilet“ sagen. Zuhause ist die Punk-Band in Mecklenburg-Vorpommern, bekannt ist sie längst in ganz Deutschland. Spätestens seit Charly Hübner, vor allem bekannt als Kommissar in der TV-Serie „Polizeiruf 110“, und Sebastian Schultz ihnen den erwähnten Film widmeten. Der kam im April 2018 bundesweit in die Kinos.

Sich positionieren gegen Rechtsextremismus: Das tun Christoph Sell, Jacobus North, Max Bobzin, Kai Irrgang, Olaf Ney und Jan „Monchi“ Gorkow konsequent. Punk ist das Mittel, mit dem sie sich Gehör verschaffen. Jene Musik also, die in den Siebzigern als Protest gegen Establishment bekannt wurde und deren seinerzeit berühmte Vertreter ihre Haltung auch gerne mit Ratten und Sicherheitsnadeln im Ohr nach außen trugen.

Während genau das schon mal zur reinen Pose verkommen kann, hat die Band aus Norddeutschland das nicht nötig. Die Bandmitglieder wirken wie die netten Kerle von nebenan, mit denen man gerne ein Bier zischt, über Gott und die Welt klönt oder sich auch mal von der Seele quatscht, womit man sonst eher zurückhaltend ist. Und die netten Kerle sind sie auch – nur ihre gesellschaftliche Haltung vertreten sie so, wie sie es richtig finden. Da wäre ganz nett letztlich die kleine Schwester von … Also: Laut sein, Texte und Musik sprechen lassen, bei Live-Auftritten im Gespräch mit dem Publikum, nicht bloß Song an Song aneinander reihend. Und in diesem Gespräch sprechen sie eine angemessen derbe Sprache.

„Sturm und Dreck“ heißt ihre neueste CD, von der ein Song besonders aufhorchen lässt: „Angst frisst Seele auf“. Sofort ist die Erinnerung da an Rainer Werner Fassbinders Film von 1974. In „Angst essen Seele auf“ zeigte der Regisseur die vielen Facetten einer menschenverachtenden Haltung inmitten einer vermeintlich funktionierenden Gesellschaft. Als die knapp 60-jährige Emmi Kurowski einen viel jüngeren dunkelhäutigen Mann heiratet, wird sie vom gesamten sozialen Umfeld schlagartig geächtet. Das ändert sich erst, als man sich in diesem Umfeld auf Emmis Vorzüge besinnt: Ihre Kinder brauchen sie als Babysitterin, dem Lebensmittelhändler ums Eck fehlt sie als Stammkundin, den Arbeitskolleginnen ist es ohne sie langweilig. Die Parallelen zu 2018 sind erkennbar, auch wenn „Feine Sahne Fischfilet“ ihr Statement im Song deutlich aggressiver formulieren als Fassbinder im Film.

„Wenn alle Leute hier nur ihr Häuschen hätten“, sagt Monchi im Film (das komplette Zitat sei zum Nachschauen und Nachhören empfohlen), „wär die Welt eine bessere. Aber so ist es halt nicht.“ Genausowenig ist auszuschließen, dass das Engagement der Band die Welt besser machen kann. Die Power der Bandmitglieder jedenfalls reicht noch lange hin.

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