Einfache Beschwerden – fatale Folgen


Im Motorsport müssen Mediziner Extremsituationen meistern

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Durchfall, Husten, Schnupfen, Heiserkeit: Im Normalfall kein großes Problem für den Arzt, wenn der Patient ihn mit solchen Beschwerden aufsucht. Für einen Formel-1-Piloten aber, der kurz vor einem Einsatz steht oder gerade ein Rennen fährt, kann solch ein «Wehwehchen» katastrophal werden. Für den Rennarzt als betreuenden Mediziner ist neben diagnostischer Sicherheit und Schnelligkeit vor allem Improvisationskunst gefragt.

Arztkoffer zwingend

«Wir müssen dann in erster Linie mit all unseren Sinnen arbeiten, denn wir haben vor Ort kein Labor, keinen Ultraschall und dergleichen», erklären Dr. Karl. R. Schuster und Matthias W. Hötzel. Beide haben unter anderem die Zusatzqualifikation als Sportmediziner und Rennärzte – und 20 Jahre Erfahrung in der medizinischen Betreuung von Motorsportlern.Das kann heißen: Dem von einer Magen-Darm-Infektion geplagten Piloten wird schnell eine Infusion gelegt, abseits der Rennstrecke. Wer sich in der Eile einen Daumen quetscht, dem wird mit einer Büroklammer ein Loch in den Daumen gebrannt, damit es keinen Blutstau gibt. Damit die Improvisation zum Erfolg führt und nicht nur brachial anmutet, isthöchstes medizinisches Know-how erforderlich.

Aber nicht nur solche Extremsituationen sind es, welche die Mediziner als Rennärzte zu meistern haben. Fit sein für den Motorsport kann häufig bedeuten, sich schon vor dem Einsatz einer Behandlung zu unterziehen. Ein paar Pfunde zuviel, ein minimales Defizit an der Sehschärfe – schon Kleinigkeiten können ausreichen, um einen Rennfahrer untauglich für den Einsatz zu machen. «Anders als bei einem Fußballspiel kann man im Rennsport jeman-den ja nicht einfach auswechseln. Und natürlich ist den Rennfahrern aus vielen Gründen daran gelegen, fit zu bleiben – längst nicht nur, weil Verträge zu erfüllen sind», erklären Dr. Karl R. Schuster und Matthias W. Hötzel, die jüngst mit dem Medical Support für BMW Motorsport beauftragt wurden und unter anderem beim 24-Stunden-Rennen in Le Mans eingesetzt waren. (Übrigens: Gegen überflüssige Pfunde im normalen Alltag empfehlen die beiden Mediziner 20 bis 30 Minuten Sport pro Tag – Laufen, Schwimmen, Radfahren, Rudern, Joggen, Nordic Walking – und keine schwer verdaulichen Mahlzeiten nach 18 Uhr. Zwei wirkungsvolle Ansätze, damit Autositz und Lieblings-Poloshirt wieder perfekt passen).

Personenfoto der Rennärzte zwingend

Die Rennärzte Matthias W. Hötzel (links) und Dr. Karl R. Schuster (rechts) mit Rennfahrer-Legende Jochen Mass.

Ihre Tätigkeit als Rennärzte begann für beide während der Weiterbildung zum Sportmediziner, zu deren Abschluss gehört, die Betreuung eines Sportteams nachzuweisen. Aber natürlich haben die Ärzte, die in Montabaur eine allgemeinärztliche Gemeinschaftspraxis betreiben, damit persönliches Faible und Notwendigkeit verbunden. Die Docs sind echte Fans – bereits die Einrichtung der Praxis spricht da eine eindeutige Sprache. Wie auch ein Erlebnis von Dr. Schuster zu Beginn seiner Arzttätigkeit: «In den Achtzigerjahren war ich Rennarzt bei Daimler und so auch für Sauber-Mercedes in der Sportwagen-WM tätig. In Mexiko habe ich Juan Manuel Fangio behandelt. Anschließend fragte er: «Doctor, what’s your price?». Geld wollte der junge Mediziner von der Motorsport-Legende nicht annehmen: Ein Autogramm genügte dem Mediziner voll und ganz.

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