Ein Technik-Paradies im Fichtelgebirge: Perry Eckert und seine Sammlung


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Hier, in Fichtelberg, gut erreichbar gelegen zwischen den Autobahnen A93 und A9, genauer: zwischen Bad Berneck und Wunsiedel, hat Familie Eckert einen Lebenstraum mit Fleiß und großer Sachkenntnis verwirklicht: ein Museum für Technik und Verkehr im ganz breiten Sinne.

Der Technik-Freak Perry Eckert, 1959 geboren, begann seine »Karriere« bereits mit 10 Jahren. Da kaufte er vom gesparten Taschengeld Mopeds für 5 D-Mark, frisierte sie und verkaufte sie für 50 D-Mark. Ein Bilderbuchstart also für einen ehrgeizigen und cleveren Geschäftsmann. Doch die Eltern wollten ihn zu einem seriöseren Berufsbild hin drängen, schenkten ihm ein edles Reitpferd, Jung-Perry wurde Turnierreiter. Dann bröckelte aber die Liebe zum Ross, Perry verfiel wieder in seinen Technik-Modus: Zündapp-Bella- Motorroller, dann eine 250er BMW waren die nächsten Stationen.

Er und die Familie blieben am Ball, respektive an der Technik. Ein RO 80 kam ins Haus, damals im Gegensatz zu den kantigen und relativ trägen Automobilen von Mercedes eine technische Sensation mit dem Zweischeiben-Wankelmotor. Mit der Zeit war also auch der Anspruch gewachsen. Das elterliche Areal einer Textilfabrik wurde frei und Perry Eckert, inzwischen studierter Betriebswirt, brauchte nicht allzu viel umbauen, um die Basis für das erste Museum bald beziehen zu können.

Das ist nun gerade 25 Jahre her. Der Besuch dort war mit einer gewissen Atemlosigkeit des Chronisten verbunden: da haben, locker aufgereiht auf 4.500 Quadratmetern in meist Licht durchströmten Räumen, 250 Exponate von unglaublichem Wert als Zeitzeugen ihre letzte Ruhestatt gefunden. Und alle sind funktionsfähig und fahrbereit! Familien-Chef Eckert verbindet seine subtilen technischen Kenntnisse mit den handwerklichen Künsten einiger Experten aus dem nahen Tschechien, heißt in diesem Falle: da werden alle Exponate eigenhändig repariert und restauriert.

Zu sehen sind, nur als markante Beispiele: das Pace Car vom Indy 500-Jubiläumsrennen, ein Nachbau des legendären Mercedes 300SLR, bei dem das Stammhaus in Stuttgart die Anbringung des Sterns im Kühlergrill untersagte(!), berüchtigte »Rennsemmeln« von Trabant, eine schöne Kollektion von 6-Zylinder-Motorradmodellen, Bikes mit US-V8-Chevy-Triebwerk und über 500 PS Leistung: die Boss-Hoss.

Die Eltern wollten ihn zu einem seriöseren Beruf drängen,
schenkten ihm ein edles Reitpferd,
Jung-Perry wurde Turnierreiter.

Ein anderes Zweirad mit 12-Zylinder-Flugzeugsternmotor, natürlich quer eingebaut, lässt erste Gruselgefühle aufkommen. Russische Kampfflugzeuge wie MiG 21 und MiG23, ein Suchoi-Bomber, eine elegante französische Alouette und ein mächtiger Kamov-Helikopter ergänzen hier die Kollektion neben Sternmotoren der »alten Tante JU«. Doch die Sammelleidenschaft ist noch lange nicht beendet. 2018 wird wenige Straßen weiter eine zweite Halle eingeweiht mit etwa 4.500 Quadratmetern überdachter Ausstellungsfläche, die unter anderem eine Sonderausstellung mit annähernd 200 Stück an 50 ccm-Mopeds der 60er bis 80er Jahre, dazu Prototypen, Tuning- und Spezialfahrzeuge der 80er, eine Mercedes-Abteilung, Kleinwagen und einen Rennsportpark beinhaltet.

Riesige Parkplätze, das originelle Museumsrestaurant »Museo« und Führungen ergänzen das einmalige Angebot. Dann, 2018, dürfte hier das größte private und familiengeführte Auto-, Motorrad- und Technikmuseum Deutschlands entstanden sein. Ein Tagesausflug ist nach Überzeugung des Chronisten zu wenig, um all die äußerst gepflegten Technik-Juwelen anzusehen, man sollte sich der puren Faszination einfach hingeben, ausgiebig und in Ruhe. 20.000 Besucher pro Jahr sind der Lohn der Arbeit. Familien-Vorstand Perry Eckert ist auf bestem Weg zum Perfektionisten.

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