Ein Tag auf Helgoland


Knieperbrötchen, Lummenfelsen und die Lange Anna

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Zwei kräftige Arme packen mich rechts und links. Locker lassen! Schon sitze ich im Börteboot, die Wellen schaukeln und wir rasen auf die Kaikante zu. Dass die kräftigen Männer Nachfahren von Piraten sein könnten, glaube ich unbesehen. Ausbooten! Das Wort hatte ich vorher noch nie gehört, dabei komme ich doch von der Küste. Der Ostseeküste, aber hier an der Nordsee ist alles anders: Ebbe und Flut, Deutschlands einzige Hochseeinsel knapp 60 Kilometer vor der Küste bei Cuxhaven und man kann mit dem Schiff nicht mal am Kai festmachen. Außer der Katamaran aus Hamburg, aber wenn schon Helgoland, dann richtig.

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Der Inselaufenthalt dauert nur wenige Stunden: ich will alles sehen! Naja, die Hauptinsel ist ja nur einen Quadratkilometer groß. Also, los geht’s im Pulk der Spaziergänger hoch auf den roten Felsen, aufs Oberland. Auf dem gepflasterten und markierten Wanderweg zur Langen Anna marschieren, vorbei am alten Peilturm und den Lummenfelsen. Tausende der imposanten Trottellummen – ja, die Vögel heißen so – tummeln sich dicht an dicht auf dem roten Buntsandstein, einige segeln über das tiefblaue Meer, als wenn das Tourismusmanagement sie zur Aufführung bestellt hätte. Die Lange Anna ist in Sicht. Ich reihe mich in die Schlange an der Position „ich mit Anna“ ein. Ein Foto, noch eins zur Sicherheit. Weiter. Links von mir liegt unten die Düne. Auf der 0,7 Quadratkilometer großen Sandinsel tummeln sich Badende wie Seehunde und Kegelrobben. Es werden immer mehr der großen Meeressäuger, so dass die Kämpfe um die Weibchen immer blutiger werden.

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Was schon so spät? Und ich wollte noch was essen. Über den kleinen Inselfriedhof mit der modernen St. Nicolai Kirche komme ich zur Siedlung, die zum großen Teil aus Duty-Free-Geschäften besteht. Denn die Zollfreiheit beschert den Insulanern diesen zeitlich getakteten Ansturm. Wie ruhig muss es in den Straßen sein, wenn die Schiffe ablegen? Der Weg führt geradezu auf den Lift, den der erschöpfte Wanderer nutzen kann, um runter zum Unterland zu gelangen. Weiter links führen allerdings auch Treppen mit kleinen Verschnaufplattformen hinunter. Unten das gleiche Bild: Geschäfte, bunte Auslagen davor, und kleine Cafés und Bistros.

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Die bunten Hummerbuden an der Hafenkante kommen in Sicht. Die Farbpalette belebt die nach der Rückgabe an Deutschland nach einheitlichem Plan wiedererbaute Siedlung ungemein. Rot, Blau, Grün, Gelb und ich stoppe: Fischbrötchen liegen in der Auslage. Was empfehlen Sie? Knieperbrötchen. Aha, das nehme ich und finde gleich noch raus, was das eigentlich ist. Knieper heißen auf Norddeutsch, also Platt, die Scheren vom Taschenkrebs. Das nach dem Kochen von den Scheren gelöste rot-weiße Fleisch, gewürzt als Salat, mit Saucen oder auf einem Brötchen schmeckt köstlich. Nach Meer. Aber nicht wie Fisch. Eher mild und ist gleichzeitig saftig. Ich setze mich auf die Bank und esse entspannt meine neu entdeckte Delikatesse. Die ersten Passagiere lassen sich schon Ausbooten. Was soll’s, ich nehme das letzte Börteboot. Auf dem Meer schaukelnd, blicke ich verträumt auf die bunte Reihe der kleinen Hafenhäuschen zurück. Helgoland – was für ein Tag!

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Erinnerung an einen prominenten Sohn der Insel: Das James-Krüss-Museum ist dem berühmten Kinderbuchautor (1926-1998) gewidmet.

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