Ein Leben für den Nürburgring


Nachruf auf Gisela Herbstrith

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Fünf Jahre alt war sie bei der Einweihung jener Rennstrecke im Juni 1927, die in den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg auf eine Idee und das ständige Drängen Ihres Vaters hin errichtet worden war. Fast ein Jahrhundert lang blieb Gisela Herbstrith, Tochter des damaligen Adenauer Landrats Dr. Otto Creutz, glühende Verfechterin des Lebenswerks ihres Vaters und Bewahrerin seines Erbes. Die gebürtige Bitburgerin ist die letzte Zeugin einer großartigen Epoche der Eifel.

Großer Preis von Deutschland auf dem Nürburgring, 25. Juli 1937.

Gisela Herbstrith, Tochter von Dr. Otto Keutz, geistigen Vater und Erbauer des Nuerburgring

Rückblick: Kurz nach der Geburt seiner Tochter Gisela wurde Otto Creutz nach Berlin ins Innenministerium abberufen und wenig später Landrat in Adenau. Unermüdlich setzte er sich dafür ein, dass die geplante Rennstrecke rund um die Nürburg gebaut wurde. In »Preußisch Sibirien«, wie man die Eifel damals nannte. Ein Landstrich, der als Ärmster in ganz Preußen galt.
„Mein Vater hatte die Idee, die Rennstrecke kreuzungsfrei zu bauen, die Rennwagen sollten nicht im hohen Tempo durch die Eifeldörfer fahren. Immer wieder fuhr er nach Berlin ins Innenministerium, um neues Geld für den Bau der Eifel-Rennstrecke zu bekommen.“ So erzählte es Gisela Herbstrith noch vor wenigen Jahren. „Als der Kreis Adenau 1932 aufgelöst wurde, gingen wir zurück nach Berlin.“ Ihr Vater hing immer noch sehr an seiner Rennstrecke in der Eifel, wie sie betonte. „Aber die Nazis verboten es ihm, die alte Heimat noch einmal zu besuchen. Die großen Rennen verfolgte er am Radio.“ Eines frühen Morgens im Jahr 1937 wurde Dr. Otto Creutz von der Gestapo verhaftet: „Er war fortan ein gebrochener Mann“, erinnerte sich seine Tochter. 1951 nahm sich der »Vater des Nürburgrings« das Leben.
Seine Tochter bewahrte die Liebe zur Heimat und vor allem zum Lebenswerk ihres Vaters lebenslang. Ihre Wohnung in Pforzheim, wo sie nach der Heirat mit dem Schmuckfabrikanten Dr. Otto Herbstrith lebte, zierte unter anderem ein Bild des Eifelmalers Fritz von Wille, einem Freund der Familie Creutz. Herbstrith war oft in der Eifel, befuhr die Nordschleife oft als Gast. Mit 88 Jahren war sie zum letzten Mal in der »Grünen Hölle« unterwegs. Und befuhr den Streckenabschnitt, der nach ihrer Mutter benannt worden war, die Hedwigshöhe.
Es ist wesentlich Gisela Herbstriths Verdienst, dass sich seit 2002 am Eingang zum historischen Fahrerlager neben dem Grundstein des Nürburgrings auch ein Gedenkstein für dessen »spiritus rector«, Dr. Otto Creutz, befindet.
Beim 90. Geburtstag des Nürburgrings war Gisela Herbstrith, 95-jährig, als Ehrengast vor Ort. 2021 ist sie, die Jahrhundert-Zeugin, mit 98 Jahren verstorben.

Nürburgring, Rheinland-Pfalz

Fotos Daimler/Mercedes Benz Classic, Robert Kah/Nürburgring

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