Die Geschichte der Autobahn (1)


Vom HAFRABA zu Adenauer

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«Vor uns liegt ein weites Tal.
Die Sonne scheint mit Glitzerstrahl.
Die Fahrbahn ist ein graues Band.
Weiße Streifen, grüner Rand.
Jetzt schalten wir das Radio an.
Aus dem Lautsprecher klingt es dann…»

Anschlußßstelle Wesseling

Anschlussstelle Wesseling

 

So klang das bei KRAFTWERK 1974: Das Opus der Düsseldorfer Band begründete deren Karriere und ebnete der elektronisch erzeugten Unterhaltungsmusik zu einem wesentlichen Teil den Durchbruch. Vielleicht summen Sie es ja manchmal beim Fahren, bewusst oder unbewusst. Aber sonst?

Wir benutzen sie mal täglich, mal ab und zu. Unbewusst spulen wir auf ihr viele Kilometer ab, ohne auch nur einen Gedanken an sie zu verschwenden. Dabei ranken sich etliche Legenden und Anekdoten um das Phänomen Autobahn.

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Deren Geschichte beginnt, entgegen einer landläufig schier unausrottbaren Mär, nicht erst mit der nationalsozialistischen Machtergreifung 1933: Viele Jahre vorher ersann die HAFRABA, ein 1926 gegründeter Verein, den Bau eines Nur-Kraftwagen-Straßen-Netzes. Ein ganz wichtiger Gedanke, der umgesetzt werden sollte, war der kreuzungsfreie Kraftverkehr. Die namentliche Abkürzung beinhaltet gleichzeitig die Streckenführung. Vom hohen Norden, den Hansestädten über Frankfurt bis Basel. NS Propaganda lässt später daraus die Idee des Führers Adolf Hitler werden. Die Wahrheit liegt also viele Jahre vor diesem Zeitpunkt. Eine deutsch-italienisch-deutsche Trilogie. Dazu später mehr. Bereits im deutschen Kaiserreich, anno 1909, plant Prinz Heinrich von Preußen eine elitäre Streckenführung zur Benutzung nur durch Kraftfahrzeuge. Diese zweispurige Strecke in Berlin, mit einer Länge von etwa 19,5 km, bildet eine Tangente zwischen der Bahnlinie Halensee-Nikolassee und dem Teltowkanal. Die Strecke konnte als Baumaßnahme im Jahre 1913 fast fertiggestellt werden, bevor der 1. Weltkrieg die Vollendung verhinderte. Basis der Finanzierung war die rein private Vermögensbeschaffung durch Prinz Heinrich von Preußen. Eine Refinanzierung wird durch ein von den Benutzern erhobenes Einfahrt-Entgelt angestrebt. Ein sehr früher Gedanke der Autobahn-Maut.

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Der Industrielle Hugo Stinnes entriss das bereits fast fertige Projekt AVUS, Automobil-Verkehrs- und Übungs-Straße, einem kurzen «Dornröschenschlaf». Aus zwei mach vier. Nach seinen Plänen ließ Stinnes dieses Projekt vervollkommnen. Es entstand eine vierspurige AVUS mit Restaurants, Werkstätten und Tribünen. Fertigstellung und Eröffnung 1921. Elf Jahre später gibt der damalige Kölner Oberbürgermeister Konrad Adenauer einen Autobahnabschnitt (spätere BAB 555) zwischen Köln und Bonn seiner Bestimmung für den Verkehr frei. Mit den Worten: «So werden die Straßen der Zukunft aussehen.»

AVUS Einfahrt

AVUS-Einfahrt

 

 

BAB 555

BAB 555

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