Die Currywurst wird 70


Kultige Kalorienbombe

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Kultige Kalorienbombe

Foto rcfotostock / STOCK.Adobe.com

Altkanzler Gerhard Schröder war ein Fan von ihr – so sehr, dass seine damalige (gesundheitsbewusste) Gattin darüber bisweilen verstimmt gewesen sein soll. Herbert Grönemeyer verdankt ihr einen seiner frühen Erfolge: Den Text zu »Currywurst« (1982) steuerten übrigens Horst-Herbert Krause und Schauspieler Diether Krebs bei. Und Schriftsteller Uwe Timm widmete ihr gar einen literarischen Bestseller: »Die Erfindung der Currywurst« – eine Idee, wie das gewesen sein könnte.

Denn genau darüber gibt es bis heute nur wenig gesichertes Wissen. Wahrscheinich ist es so gewesen: In Berlin betrieb kurz nach dem Zweiten Weltkrieg Herta Heuwer einen Imbiss. An einem Septembertag 1949 war nicht viel los, die Langeweile vertrieb sie sich mit einem kulinarischen Experiment: Sie mixte aus verschiedenen scharfen Zutaten eine Würzsauce, goss sie über eine in Scheiben geschnittene Brühwurst – fertig. Später hat sie sich das Ergebnis dieses Experiments als Warenzeichen schützen lassen. Nehmen wir also die wahrscheinlichste Entstehungsgeschichte der heutigen Kultspeise getrost zum Anlass, sie zu feiern, genauer: ihren 70. Geburtstag. Denn die kultige Kalorienbombe hat Speisemoden überlebt, Diät-Trends und, siehe oben, mindestens eine Ehe …

Zutaten und Mischverhältnis ihres Rezepts hat Herta Heuwer (1913-1999) tatsächlich niemandem je verraten. Aber: Ob nun Worcestershiresauce, Curry, Chili oder was auch immer enthalten war – exotisch wirkte das im Nachkriegsdeutschland allemal. Die heute gängigen »Scharfmacher vom Küchenbord« sollten sich erst noch hierzulande etablieren müssen. 

Herta Heuwer hat ihr Geheimnis bewahrt. Also ist Nachmachen nach eigenem Gusto geradezu ein Muss, will man für eine Currywurst nicht immer auswärts essen. Und das namensgebende Gewürz steht in seiner Heimat Indien ohnehin als Sammelbegriff verschiedener Gewürzmischungen mit gelber Farbe. Jeder Gewürzhersteller, der was auf sich hält, führt seine eigene Kreation(en). Man kann die Sauce zur Wurst sogar auf einer Grundtunke aus Bratensaucen-Pulver aufbauen. Manche Fans nehmen stattdessen zum Aufbau sogar eingekochte Cola (keine Light- oder Zero-Produkte). Die simpelste Möglichkeithat bestimmt Horst Scharfenberg (1919-2006) formuliert: Er empfahl, wenn es ganz schnell gehen sollte, einfach Curryketchup zu erhitzen und über die fertig gebratene Wurst zu gießen. In puncto Beilagen allerdings war der wohl erste Fernsehkoch Deutschlands weniger freigeistig: Für ihn waren Pommes frites zwingend. Aber natürlich schmecken auch alle Sorten Brot und Brötchen dazu. Zum Auftunken verbliebener Saucenreste sind sie eh unerlässlich. 

Die Currywurst 

im Internet
www.curry36.de
www.curry-trier.de

In der Literatur
Uwe Timm: Die Entdeckung
der Currywurst. Novelle.
Deutscher Taschenbuch Verlag (dtv) 8,90 Euro.

Musikalische Würdigung
Herbert Grönemeyer
Was muss muss (Sampler;
Grönland Records/EMI)

 

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