Der Unermüdliche wird 70


Phil Collins

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Da kommt noch was

Wer seine Homepage aufruft (philcollins.com), wird automatisch weitergeleitet auf www.genesis-music.com und sieht sich sofort einer Vielzahl von Tourdaten gegenüber für den Herbst 2021. Die Pandemie hat auch hier eine Verschiebung notwendig gemacht, ursprünglich war alles für 2020 geplant.
Genesis melden sich zurück – damit auch jener Mann, dem Kritiker die Abkehr der Band vom Progressive Rock zum Mainstream vorwerfen: Dass Phil Collins seinen 70. Geburtstag im Jahr der Tour nicht an die große Glocke hängt, passt zu ihm. Zwei Wochen Urlaub im Jahr, wenn überhaupt Urlaub, seien genug, hat er schon vor Jahrzehnten erklärt. Im Vordergrund stehe immer die Arbeit.
Und deren Erfolg ist unbestritten, auch kommerziell: 150 Millionen Tonträger hat er als Solist verkauft – und nochmals dasselbe Quantum mit Genesis. Wer ihn auf eine Hitmaschine reduziert, verkennt aber Collins’ Vielfalt: So hat er mit »You Can’t Hurry Love« einen Welthit der Supremes neu interpretiert, später sogar ein ganzes Album mit Klassikern des Motown-Labels aufgenommen. Eine eigene Big Band hat er auf die Beine gestellt und sich auch noch als Schauspieler bewiesen: Als Kleinganove war 1988 sein Rollenname (identisch mit dem Namen des realen Vorbilds Ronald »Buster« Ewards) titelgebend für den ganzen Film: »Buster« greift den legendären britischen Postraub von 1966 auf, der, minutiös geplant, zu einer Beute von umgerechnet 60 Millionen Euro führte. Collins’ Rolle stellte aber mehr den jungen Familienvater als den schlitzohrigen Gangster in den Mittelpunkt.
Seine Autobiografie nannte er 2016 »Not dead yet« – eine selbstironische Zwischenbilanz. In den Jahren davor hatte er sein Gehör teilweise verloren, erholte sich aber wieder vollständig, Operationen an der Wirbelsäule kamen hinzu. Privat war er in die Schlagzeilen geraten wegen gescheiterter Ehen – ein gefundenes Fressen für die Regenbogenpresse. Phil Collins selbst hat – very british – zu allem geschwiegen, allenfalls Anwälte reagieren lassen.

Referenzwerk für High-End-Lautsprecher

»Da kommt noch was« heißt seine Autobiografie auf Deutsch. 2021 jedenfalls kommt noch jede Menge Collins: Er selbst wird 70, geht mit seinen Bandmates wieder auf Tour. Als Schlagzeuger hatte er bei Genesis angeheuert – seine Rolle als Frontmann und Sänger hat sich erst später ergeben. Und: Sein erstes Soloalbum wird 40! Allein das ist allemal eine Feier wert. Denn »Face Value« hat 1981 eine bis heute dauernde Solokarriere in Gang gebracht. »In The Air Tonight« daraus gilt sogar als Referenzwerk für High-End-Lautsprecher. Er selbst hat sich bis heute das Image des netten Kumpel von nebenan bewahrt. Keinerlei Turbulenzen in seinem Leben haben es wirklich beschädigen können.

 

»A Life Less Ordinary« nannte die BBC 2008 eine Collins-Dokumentation. Ein etwas weniger unauffälliges Leben – für die Biografie des Musikers eine deutliche Untertreibung. (Universal Music)

 

Foto picture alliance/dpa/CTK/Michal Kamaryt

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