Der Duft der «Grünen Hölle»


Christian Vietoris aus der Nähe des Nürburgrings gilt als das größte deutsche Talent im Formel-Rennsport

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Wenn Christian Vietoris zu Hause im elterlichen Betrieb in dem kleinen Eifelflecken Lissendorf am Wochenende vor die Tür tritt, dann hat er ihn in der Nase. Jenen Duft, der ihn von frühester Kindheit an begleitet hat. Es ist die brisante Mischung aus Rennbenzin, aus verbranntem Gummi, Altöl und ein wenig auch vom Hauch der zahlreichen Würstchen- und «Pommes»-Buden, die in der Saison wie Pilze aus dem Boden schießen.

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Lissendorf in der Nähe von Gerolstein, wo einmal ein bekannter Radprofi-Rennstall zu Hause war, das sind nur ein paar Häuser, eine Dorfkneipe, eine Kirche und ein kleiner Krämerladen. Das sind aber auch nur ein paar Kilometer, ein paar Minuten, bis zu jener Rennstrecke, die die Experten oft als die schönste, die spektakulärste, aber auch die schwierigste und die gefährlichste der Welt bezeichnen: der Nürburgring.

Im Schatten der Burg, aber auch im Schatten der Rennstrecke ist Christian Vietoris aufgewachsen. Und jetzt ist er auf dem besten Wege, sich jenen Traum zu erfüllen, den eigentlich (fast) alle Jungs hier rund um die «Grüne Hölle» hegen: Den nämlich, ein berühmter Rennfahrer zu werden, in die Fußstapfen der ganz Großen zu treten, die hier oben in der Eifel Rennsportgeschichte geschrieben haben.

Knapp 22 Jahre ist der junge Mann, der zwischen der Ausbildung im elterlichen Betrieb zum Groß- und Einzelhandelskaufmann und den Rennstrecken dieser Welt pendelt, jetzt alt. Und es hat allen Anschein, als würde der Halbprofi, der vor vier Jahren die nationale Formel BMW gewann und im vergangenen Jahr den Vizetitel in der renommierten Formel-3-Euroserie holte, endgültig in das Lager der Professionals überwechseln. Die Zeit ist reif dafür, überreif schon.

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«Mein Ziel ist ganz klar die Formel 1» bekennt der lange Schlaks, dem sie in den ultraleichten Kohlefaser-Monocoques immer mit viel Mühe und Kleinarbeit ein passendes «Arbeitszimmer» für seine langen Gehwerkzeuge basteln müssen. In diesem Jahr hat er dank seiner hervorragenden Referenzen die besten Aussichten und die große Möglichkeit, sein Talent zumindest im «Vorhof der Formel 1» unter Beweis stellen zu können. In der GP2-Asia-Serie, einer Art zweiter Liga der Formel 1, geht Vietoris,der als die größte Nachwuchshoffnungim deutschen Formel-Rennsport gilt, mit vielen Vorschusslorbeerenan den Start. Der junge Mann, der bereits als 18-Jähriger dank seines Sieges im Weltfinale der Formel BMW einen Formel-1-Renner des damaligen BMW-Sauber-Teams fahren durfte, hat gegen Ende des vergangenen Jahres bereits sein erstes Rennen in dieser Serie gewonnen.

Eine Tatsache, die vielleicht einige Beobachter am Rande, nicht aber ihn selbst, erstaunt hat. «Die Formel 3 ist eine sehr gute Schule auf dem Weg nach ganz oben im Motorsport. Ich hatte mir mein erstes Rennen in der GP2 eigentlich schwieriger vorgestellt, der Unterschied war nicht so gravierend», diktierte der junge Mann aus der Eifel den staunenden Reportern nach seinem Premierensieg in die Notizblöcke.

Vietoris ist keiner, der viele Worte macht. Der Eifeler, der bereits mit elf Jahren Bambini-Rennen im Kart gleich massenweise gewann, besticht lieber durch Taten. Experten vergleichen seinen runden, harmonischen Fahrstil mit dem des Mönchengladbachers Nick Heidfeld, den er als ehemaliger BMW-Schützling nicht nur sehr gut kennt, sondern dessen Fähigkeiten er auch zu schätzen weiß. «Von Nick habe ich mir von Beginn an sehr viel abgeschaut.» Wie «Quick Nick», ist Christian Vietoris eher introvertiert, aber auch für sein jugendliches Alter schon sehr versiert im verbalen Austausch mit den Renningenieuren und im Abstimmen eines Formel-Boliden.

An internationaler Erfahrung mangelt es dem hoffnungsvollen Piloten trotz seiner Jugend nicht. Schon 2007 gab er als Ersatzmann des in diesem Jahr in die Formel 1 gewechselten Nico Hülkenberg in Mexico City sein Debüt für das deutsche Team in der A1-Grand-Prix-Serie. Nach der Formel-3-Euroserie folgt nun die nächste Bewährungsprobe, wieder eine Stufe höher. «Ich freue mich auf die GP2 und ich hoffe, dass ich ähnlich erfolgreich sein werde wie in der Formel 3» geht Vietoris forsch an die Serie heran, die unter anderem auch schon ein gewisser Lewis Hamilton für sich entscheiden konnte. Dort, wo der junge Brite jetzt sitzt, will auch Christian Vietoris in absehbarer Zukunft einmal hin. An der notwendigen Zielstrebigkeit will und wird er es nicht missen lassen. Und dann wird er jenen Duft, den er vor der elterlichen Haustür schon als junger Bub wahrnahm, aus nächste Nähe genießen dürfen.

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