Bülent Ceylan und sein 66er-Mustang


Stars und ihre Klassiker

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Mit seiner eigenwilligen Komik entlarvt er so manche Absurdität in unserem Alltag: Bülent Ceylan, der Comedian mit den vielen Talenten, hat, was kaum jemand weiß, ein ganz großes Herz für klassische Autos: Der Monnemer Türk, wie sich Bülent selbst nennt, steht insbesondere auf einen Klassiker der USA, einen Ford Mustang vom Modelljahr 1966 in der Sonderfarbe Ivy Green. Das Auto sei verdammt cool, eine große Portion Rock‘n Roll, so was gefalle ihm. Sagt der Comedy-Star, der einst als Pausenclown deutsche Politgrößen gekonnt parodierte und es zum gefeierten Bühnenstar gebracht hat.

Mit Ronald Linsbauer

Wir treffen Bülent Ceylan in Mannheim, in jenem Viertel, das die Mannheimer „Little Istanbul“ nennen, durchaus liebevoll. Ein Stück Heimat, sagt Bülent, in das er mit seinem 66er-Mustang entspannt eintauchen kann.
Eigentlich, erklärt er mit seinem typischen Schmunzeln, kenne er sich mit Autos überhaupt nicht aus. Wenn es ums Schrauben geht, habe er zwei linke Hände, aber zum Glück die richtigen Leute, die helfen, wenn es mal klemmt.

Baris Baz ist so einer. Er hat, wie Bülent Ceylan, türkische Wurzeln und einen Laden für besondere Autos, oft aus prominenter Hand. Neulich stand bei ihm ein Mercedes von Donald Trumps Ex-Gattin Ivana zum Verkauf. Bülent und Baris kennen sich seit Jahren. Den Mustang hatte Baris für seinen prominenten Kumpel vor ein paar Jahren in den USA aufgetrieben, ein Auto aus Erstbesitz, unverbastelt, ungeschweißt, mit wenigen Meilen auf der Uhr, Klimaanlage, Servolenkung, Automatik, ein Glücksfang. Auch, sagt Bülent, weil ein Radio mit CD-Player schon dabei war, natürlich nicht original, aber das störe ihn nicht. Smashing Pumpkins einlegen, Lautstärke hoch, Scheibe runter, das bedeute für ihn Freiheit pur. Und die genießt der Comedian in seinem Mustang. Wenn er dafür mal die Zeit findet.

Wir cruisen mit Bülent bei ordentlicher Beschallung in seinem Mustang durch Mannheim, kommen an Orten vorbei, die für seine Karriere wichtig waren. Das Capitol etwa. Vor dem Krieg war das mal das größte Lichtspielhaus in Deutschland. Mitte der Neunziger Jahre wurde hier „Human Pacific“ uraufgeführt, ein Musical über Kriegsgefangenschaft, mit Xavier Naidoo, dessen erste große Rolle. Bülent jobbte damals hinter den Kulissen als Bühnenhelfer, fiel dem Ensemble sehr bald mit seinen erstaunlichen Parodie-Talenten auf. Man verschaffte ihm für das Musical eine kleine Nebenrolle. Nur einen Satz. Ein bescheidener Anfang, aber der Startschuss für eine große Karriere.

Heute ist Bülent Ceylan ein Mega-Star: Ausverkaufte Stadien, große Talkshows, The Masked Singer. Er hat alles erreicht und ist seinen Wurzeln dennoch treu geblieben. Seine Premieren finden seit jeher auf der Capitol-Bühne statt. Darauf legt der Monnemer Türk großen Wert.

Unsere Fahrt führt über die Rheinfähre nach Altrip. Bülent hatte uns verraten, dass er noch nie auf einem Mustang-Treffen war, also haben wir eines für ihn arrangiert, bei Mustang-Ikone Ronald Linsbauer. Der Unternehmer hat eine faszinierende Sammlung und hat einige Freunde eingeladen. Alles erfahrene Mustang-Typen, Sammler, Schrauber. Ein bisschen Nachhilfe in Sachen Mustang kann ja nicht schaden, dachten wir.
Als Mannheimer kennt man Bülent Ceylan. Viele haben ihn als jungen Künstler erlebt, als er noch durch die Dörfer tingelte. Ronald Linsbauer freut sich, dem Comedy-Star sein ältestes Modell zu zeigen. Auch ein Mustang aus dem Baujahr 66. Den hat er seit 52 Jahren, sein ganzer Stolz. Vor mehr als 40 Jahren hatte er seinen Traumwagen aufwändig aufgemotzt, seitdem steht er hier, keinen Meter mehr gefahren. Ende der Siebziger war das Auto endlich perfekt, als ihm jemand an einer Kreuzung ins Heck knallte. Weil er durch sein Unternehmen nie die Zeit fand, das Fahrzeug wieder instand zu setzen, steht es hier. Jetzt, wo er Rentner sei, würde er ihn liebend gerne wieder auf die Straße bringen, aber er schaffe es gesundheitlich nicht mehr. Ronald Linsbauer sagt das mit Wehmut. Die Geschichte beeindruckt Bülent Ceylan, entwaffnend ehrlich, mit Herz und Tiefgang. Auch so eine Eigenschaft, die den Monnemer Türk so sympathisch machen. Wie sein Mustang.

Text & Fotos Thorsten Link

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