Belle & Sebastian


Neues Album unter widrigen Umständen

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Der Bandname klingt wie der eines französischsprachigen Duos im klassischen Chanson-Stil. Dass »Belle & Sebastian« ihr Publikum damit erst mal kräftig in die Irre führen, gehört zu ihren sympathischen Eigenheiten. Denn ihren Bandnamen beziehen die sieben Musiker*innen aus Schottland von einem Kinderbuch der Französin Isabelle Aubry.

Irgendwann werden sie, wie hier, auch wieder live auftreten. Um die Zeit bis dahin zu überbrücken, eignet sich Belle & Sebastians zehntes Studioalbum „A Bit Of Previous“ vorzüglich.

Zu ihren Anfangsjahren als typische Independent-Band passt diese Namensfindung ideal. Heute könnten sie sich umbenennen, einen weniger sperrigen Namen wählen. Aber warum? Über Jahrzehnte hinweg haben sie es in die Charts geschafft, im Vereinigten Königreich, in Deutschland, Österreich, der Schweiz und nicht zuletzt in den USA.
Da hätte auch ihr neuestes Werk entstehen sollen. Kalifornien war für die Aufnahmen vorgesehen. Es kam die Pandemie dazwischen. Verschieben – oder »A Bit Of Previous« zumindest einigermaßen zeitlich so umsetzen wie geplant? Die Musiker entschieden sich für Letzteres und nahmen ihr zehntes Studioalbum kurzerhand in Glasgow auf, ihrer Heimatstadt. Erschienen ist es dann am 6. Mai 2022.
Ein wenig von früher verspricht also der Titel, übersetzt man ihn ins Deutsche. Und so klingt es auch, wobei der Verweis auf die Vergangenheit nicht heißt, dass die Songauswahl altbacken geraten wäre. Im Gegenteil –
temporeich kommt »Unnecessary Drama« ebenso wie der Opener »Young And Stupid«, um nur zwei herausragende Titel zu nennen. Und so eingeschränkt hat Covid-19 das Tun dann doch nicht, dass keine Gastmusiker hätten mitmachen können: »A Bit Of Previous« wird verstärkt durch Brian McNeil, Matt Wiggins, Kevin Burleigh und Shawn Everett. Allesamt exzellente Männer im Hintergrund, die schon den musikalischen Perlen u. a. von Adele, den Simple Minds und U2 gleichsam den letzten Schliff verpasst haben. Da ist, Pandemie hin, Reiseverbote her, aus der Not eine echte Tugend gemacht worden.
In ihren ersten Jahren hat man die Glasgower gerne mit The Smith verglichen. Das passt heute nicht mehr. So stilsicher, wie sie zwischen Pop, Rock, Country, Boogie und Folk pendeln, sind sie zu Recht eine der erfolgreichsten Bands aus dem Mutterland des Pop.

Fotos picture alliance/ Jazzarchiv/Isabel Schiffler

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