Autor Frank Jöricke


versucht, das Leben und die Liebe dennoch zu verstehen

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Er ist Spezialist für humorvolle Erklärungen des täglichen Wahnsinns. Auch sein Buch »War’s das schon?« widmet sich diesem Thema. KÜSmagazin gewährte Frank Jöricke einen Einblick in seine »Schreibwerkstatt«.

Foto: Michael Thielen

„Das Leben steckt voller Überraschungen,
und älter und weiser werden bringt einem gar nichts“.

Herr Jöricke, wie ist die Idee zu diesem Buch entstanden?
Wir leben in turbulenten und unübersichtlichen Zeiten. Kein Wunder, dass es von Leuten wimmelt, die einem die Welt erklären wollen. Das kann natürlich keiner. Aber man kann ein wenig genauer hinschauen. Zum Beispiel, was Facebook mit uns macht, wie uns die sozialen Netzwerke verändern. Oder warum unsere Essgewohnheiten ganz anders sind als 1960. Oder warum die 2000er Jahre eigentlich bis heute andauern. Auch verraten einem Filme, Bücher und Musik sehr viel über unsere Zeit. Also habe ich mir für »War’s das schon?« 55 Phänomene herausgepickt, die ich für spannend halte, und dabei versucht, das moderne Leben und die Liebe zu verstehen.

Warum wenden Sie sich gleich an drei unterschiedliche Lesertypen mit einer passenden Gebrauchsanleitung für Ihr Buch?
Als ich über die Kapitelreihenfolge nachdachte, wurde mir bewusst, dass jede/r Leser/in eigentlich eine eigene Reihenfolge will. Man kann das Buch zwar ganz normal lesen, also Kapitel für Kapitel. Aufregender aber ist es, wenn man seinen Interessen folgt. Deshalb gibt es nach jedem Kapitel zwei Vorschläge, welchen Text man als nächstes lesen könnte. Will man sich nach den Männern im Schönheitswahn lieber mit uneitlen Fußballern oder mit den eitlen Frauen aus »Sex and the City« beschäftigen? Nach jedem Text steht man quasi an einer Weggabelung: „Gehe ich nach links oder nach rechts?“ Auf diese Weise hat man am Ende 18 Billiarden verschiedene Möglichkeiten, »War’s das schon?« zu lesen.

Kann es einem Menschen überhaupt gelingen, das Leben und die Liebe zu verstehen – oder wird es Ihrer Überzeugung nach immer beim Versuch bleiben?
Immer wieder hat man im Leben und in der Liebe Aha-Erlebnisse. Man denkt: „Jetzt hab ich’s verstanden!“ Aber dann schlägt das Leben doch wieder Kapriolen. Es passiert etwas, womit man nicht gerechnet hat, und man ist genauso schlau wie vorher. John Lennon hat mal gesagt: „Leben ist das, was passiert, während du damit beschäftigt bist, andere Pläne zu machen.“ Und Paddy McAlloon von Prefab Sprout – übrigens die beste Band seit den Beatles – sang: „Darling, it’s a life of surprises, it’s no help growing older wiser.“ Und genau so ist es: Das Leben steckt voller Überraschungen, und älter und weiser werden bringt einem gar nichts. Wenn man weise ist, versucht man lediglich, die alten Fehler zu vermeiden. Und macht stattdessen neue.

Ein Kapitel widmen Sie George Michael. Mögen Sie »Last Christmas« – oder gehört die Erwähnung nur zur Chronistenpflicht?
Ich glaube, ich bin nicht der einzige Mensch, der sich an »Last Christmas« sattgehört hat. Ich mag den Song dennoch. Denn der Text ist zeitlos. Es ist eines der wahrhaftigsten Lieder über die Liebe. Und eines der aufmunterndsten. Es sagt uns: Egal, wie groß die zwischenmenschliche Enttäuschung war, »Lebbe geht weider« (Dragoslav Stepanović).

Frank Jöricke wurde für seinen Debütroman »Mein liebestoller Onkel, mein kleinkrimineller Vetter und der Rest der Bagage« euphorisch gefeiert, u. a. im WDR-Fernsehen von Jürgen von der Lippe und Ingo Naujoks. Er arbeitet nebenbei als Bad-Taste- und Ü-30-DJ und war auch als Fußball-Schiedsrichter tätig. Das Interview führte Roland Bernd.

Frank Jöricke
War’s das schon?

55 Versuche, das Leben und die Liebe zu verstehen.
Solibro Verlag (klarschiff, Band 15)
14,95 Euro
(E-Book: 11,99 Euro).

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