After Work Driving: Manthey-Trackday auf der Nordschleife


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Auf der Nürburgring-Nordschleife ist er der erfolgreichste Porsche-Rennstallbesitzer der Gegenwart. Zwischen 2006 und 2011 gewann sein Team fünfmal das 24-Stunden-Rennen in der Grünen Hölle auf Porsche. Doch Olaf Manthey ist nicht nur im Langstreckensport aktiv.

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Darüber hinaus installierte er einen Geschäftszweig, der sich professionell mit Zuffenhausener Straßen-Sportwagen befasst. Seine Devise: Einen Porsche kann man schwerlich besser machen. Aber man kann seine sportlichen Gene deutlicher zur Geltung bringen, um zum Beispiel die Herausforderung Nürburgring-Nordschleife anzunehmen – nicht als Rennfahrer, sondern als Tourist. Touristen in der «Grünen Hölle» nehmen an keinen Wettbewerben teil, sie drehen privat ihre Runden auf dem anspruchsvollen Eifelkurs. Olaf Manthey offeriert ihnen ein ganzheitliches Programm, das sich von Einzelmaßnahmen bis hin zu umfassend optimierten Komplettfahrzeugen erstreckt. Kreationen wie der «M 480» oder der «M 610» lassen ihre jeweiligen PS-Zahlen in die Namensgebung einfließen. 480 PS im (noch) aktuellen 911 Carrera mit Saugmotor, 610 PS im Sechszylinder-Boxer mit zwei Abgas-Turboladern – der Umgang mit solch elaborierter Materie in der Praxis setzt eine steile Lernkurve voraus. Wer sie sich leisten kann, muss im Business genauso seine Lektion gelernt haben. Es sind Erfolgsmenschen, die bei Manthey-Motors im Gewerbepark am Nürburgring vorstellig werden. Nur in einer Hinsicht kehren sie noch einmal in die Rolle des ehrfürchtigen Schülers zurück: dann nämlich, wenn sie mit ihrem hoch spezialisierten Porsche zum ersten Mal Kurs in Richtung Nürburgring-Nordschleife nehmen. Olaf Manthey weiß das und unterstreicht: «Es war ein Phänomen. Viele meiner heutigen Bestandskunden kamen als Porsche-Fahrer und waren durchaus erfahren im Umgang mit entsprechenden Geschwindigkeiten. Doch den Schritt, mit einer Variante von uns über den ‘Ring’ zu fahren, trauten sich die wenigsten zu. Da überwog der Respekt, und ich wurde immer wieder auf Einzelcoachings angesprochen. Das konnte aber nicht Sinn der Sache sein, schließlich habe ich doch ein Unternehmen zu führen und kann nicht den lieben langen Tag auf dem Bock sitzen!»

In seinen aktiven Jahren als Rennfahrer war Olaf Manthey, Janrgang 1955, auf der Nürburgring-Nordschleife eine Macht. Seine Markenzeichen waren der Zwirbelbart – und extreme Driftwinkel, die seine Rivalen in Erstaunen versetzten. Fans und Freunde liebten den eigentlich als uneffektiv geltenden Fahrstil, doch Manthey gewann auch mit heraushängendem Heck Rennen. Fahrzeugbeherrschung war sein Thema, und davon profitierten ab 1996 Privatkunden. In Rheinbreitbach gründeten Olaf Manthey und Ehegattin Renate, neben den beiden Kindern die treueste Weggefährtin, ihren eigenen Betrieb. Bis zum Umzug in den Gewerbepark am Nürburgring im Frühjahr 2000 agierten sie als Einsatzteam im Porsche-Pirelli-Supercup, zusätzlich engagierte sich Olaf Manthey als leitender Fahrzeugingenieur in der International Touringcar Series, der ITC. Das erweiterte Raumangebot durch den Neubau in Hörweite der Nordschleife ermöglichte ein zweites Standbein. Das Straßensegment legte an Bedeutung zu, 2004 erlangte es den Status der Eigenständigkeit und lief unter dem Label Manthey-Motors weiter. Spätestens in dieser Entwicklungsphase war der Zeitpunkt für eine Zielgruppen-adäquate Veranstaltung gekommen. Olaf Manthey und sein 2003 ins Unternehmen gekommener Mitarbeiter Jan Erren besannen sich der zahlreichen Anfragen nach Einzeltrainings und riefen einen hauseigenen, einmal jährlich abgehaltenen «Trackday», sprich: Fahrerlebnistag, ins Leben. Der Schauplatz: selbstverständlich die Nürburgring-Nordschleife.

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Die Philosophie: Kein (Renn-)Wettbewerb mit Zeitmessung oder Siegerehrung, keine Veranstaltung zur Erzielung von Höchstgeschwindigkeit. Nicht einmal das von anderen Sportfahrer-Lehrgängen bekannte Sektionstraining sollte angeboten werden. Olaf Manthey rekapituliert seine Strategie: «Wir stellen unseren Kunden auf besonderen Wunsch Rennfahrer aus unserem Kader an die Seite. Sie unterstützen bei der Analyse der Fahrlinie, der Brems- und Einlenkpunkte. Damit leisten wir einen aktiven Beitrag zur Fahrsicherheit, weil das Erlernte im Alltag abrufbar ist und in kritischen Situationen hilfreich sein kann. Aus unserer Sicht macht es keinen Sinn, sich in Diskussionen über einzelne Kurvenfolgen zu verlieren. Unsere Kunden sollen ihre knappe, wertvolle Zeit nutzen, um zu fahren, zu fahren, und nochmals zu fahren. Übung bringt Einsteiger ins Nordschleifen-Thema am ehesten weiter.»

Das führt zu einem komprimierten, zwangsläufig kurzweiligen Fahrprogramm auf den 20,8 Kilometern der 1927 ihrer Bestimmung übergebenen Nordschleife des Nürburgrings. Das Gros der Volanteureorientiert sich bei der Einteilung ihrer Trainingseinheiten am Tankvolumen der Porsche-Fahrzeuge. Ist der Benzinvorrat aufgebraucht, legen sie erst einmal eine Kaffeepause in der eigens für sie reservierten Gastronomie mit Tiefblick auf die Streckeneinfahrt ein. In den Tischgesprächen geht es um persönliche Einblicke und auch Einsichten, die oft genug Grenzerfahrungen sind. Obwohl der Manthey-Trackday 2011 zum siebten Mal stattgefunden hat, sind zahlreiche Akteure auch zum siebten Mal mit von der Partie. Sie fühlen sich gut aufgehoben in einer Familie, die der Brisanz der fahrerischen Aufgabe ihre Schärfe nimmt. Mittendrin: Olaf und Renate Manthey, die als gute Seelen jederzeit gefragt sind. Bunte Eintrittsbändchen – durch Security-Kräfte überaus stringent geprüft – ohne die kein Einlass in das Veranstaltungsareal gewährt wird, verhindern, dass gedankenlos mit steckendem Zündschlüssel abgeparkte Traumsportwagen davongefahren werden. «Das sind die Sicherheitsaspekte einer Kundschaft, die keine Rennen fährt», schildert Ex-DTM-Star Manthey und wirkt auch nach Jahren etwas verwundert. «Rennfahrer machen sich Gedanken über Grünstreifen oder Leitplanken. Daran sieht man, dass es sich tatsächlich um zwei Welten handelt – Performance auf der Straße und Rennen fahren ist nicht dasselbe!» Mit prosperierender geschäftlicher Entwicklung und dem mittlerweile fünften Triumph beim 24-Stunden-Rennen am Nürburgring hat er dokumentiert, beides im Griff zu haben. Und die Mehrheit der 80 Teilnehmer am Manthey-Trackday will 2012 nicht nur wiederkommen, den meisten wäre an monatlichen oder – sogar die gibt es – wöchentlichen Wiederholungen gelegen. «After Work Driving», könnte ein mögliches Motto lauten. Doch das ist Zukunftsmusik. Dem Vernehmen nach geht ein Aufatmen durch die Reihen derer, die an Organisation und Durchführung beteiligt sind…

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