40 Jahre und kein bisschen Leise: Michael Schumacher im Interview


KÜS magazin sprach mit dem siebenfachen Formel-1-Weltmeister

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In der Formel 1 ist er zwar offiziell in Rente gegangen. Dieser Fakt hindert ihn aber nicht – wenn es drauf ankommt – die beiden aktiven F-1-Piloten der Scuderia «mal eben vorzuführen». Bekanntermaßen zu Beginn der letzten Saison passiert. Und, so betonte er, hilft es dem Team, dann würde ich es wiederholen. Darüber, sowie seine weiteren Ambitionen, die aktuelle Technik der Boliden, den Kreis der Titelanwärter 2009, die deutschen Fahrer in der Königsklasse und sein umfangreiches Engagement in Sachen Verkehrssicherheit sprach der 7-fache Weltmeister im Interview mit KÜS-Autor Bernhard Schoke.

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Was halten Sie vom aktuellen F-1-Reglement?
M. Schumacher: Die Änderungen sind die umfangreichsten der letzten Jahre. Deshalb ist im Moment eine komplette Einschätzung der Kräfteverhältnisse noch sehr schwierig. Das Ziel ist spannendere Zweikämpfe zu bekommen. Mit den Einschränkungen, insbesondere bei der Aerodynamik der Renner, ist das die absolut passende Richtung.

Ist der Einsatz der Hybrid-Technologie aus Ihrer Sicht der richtige Weg?
Ich finde das eine interessante Lösung. Die F-1 ist eine sehr gute Plattform, um solche Systeme schnell zu entwickeln. Die Serien-Entwicklung würde vermutlich die 10-fache Zeit benötigen.

Die Motoren müssen jetzt drei Rennen halten – bedeutet dies nicht einen erheblichen Mehraufwand für die Entwicklungspartner?
Das ist in der Tat richtig. Bei Ferrari leistet Shell einen großen Beitrag. Diesen Aufwand könnte das Team so gar nicht bringen. Das Knowhow und die Erfahrung, die man dort zur Verfügung hat, ist wohl einzigartig und extrem wichtig für uns. Die Zusammenarbeit, die auf und neben der Rennstrecke stattfindet, ist schon bemerkenswert.

Ist die Rückkopplung von der Rennstrecke auf die Straße noch gegeben, oder sehen Sie da inzwischen zwei komplett andere Welten?
Es gibt Bereiche, in denen gibt es keine Rückkopplung und wieder andere, in denen sie stattfindet. Viel wichtiger ist aber aus meiner Sicht der Speed der Entwicklung in der Formel 1, der dann wieder in die Serie zurückfließt. Bei Ferrari versucht man so viel wie möglich wieder in die Straßenautos einzubauen. Es gibt nichts besseres, als die F-1-Technik.

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Das aktuelle Reifen-Reglement – aus Ihrer Sicht sinnvoll oder wären mit Ihrem Erfahrungshintergrund mehrere Wettbewerber vorzuziehen?
Die Regelung mit den harten und weichen Reifen ist schon interessant, man könnte diese vielleicht noch etwas extremer auslegen, allerdings nicht soweit, dass darunter der Sport leidet. Ein zweiter oder dritter Lieferant wäre nicht hilfreich, weil dann wieder mehr Aufwand betrieben würde und die Kosten entsprechend nach oben klettern. Rein von der sportlichen Show und der Attraktivität für die Fahrer glaube ich nicht, dass dies etwas bringen könnte.

Welcher F-1-Fahrer hat aus Ihrer Sicht das größte Potenzial?
Das sind die Piloten, die wir schon 2008 vorn gesehen und Rennen gewonnen haben. Daraus ergibt sich ein Kreis von Anwärtern, die auch vom fahrerischen Können in diesem Jahr und darüber hinaus vorn dabei sein und Titel gewinnen könnten. Alle sind in einem Alter, um dies auch noch mittelfristig zu realisieren.

Welcher der aktuellen deutschen F-1-Fahrer hat für Sie die besten Aussichten?
Da sind wir sehr gut aufgestellt. Zum einen bei der Anzahl zum anderen bei der Qualität. Leider sitzt Adrian Sutil in einem nicht unbedingt konkurrenzfähigen Auto. Somit kann er sein Talent nicht unter Beweis stellen. Die letzte Saison für Nico Rosberg war auch etwas durchwachsen. Aber das ist nun mal in der F-1 so, wenn man in einem etwas kleineren Team unterwegs ist. Sebastian Vettel kennt man bei Ferrari sehr gut, weil Torro Rosso mit Ferrari-Motoren fährt – und im Verlauf der letzten Saison konnte er sich richtig steigern.

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Werden wir Sie in absehbarer Zeit noch einmal hinterm Steuer eines Formel 1- Auto sehen?
Ganz sicher werde ich dazu beitragen, die Ferrari Straßen-Autos weiter zu entwickeln. Ob ich dagegen auch zu Testzwecken in ein Formel 1-Lenkrad greifen werde, ist kein großes Thema für mich. Wenn es wichtige Sachen zu tun gibt, stehe ich zur Verfügung. Ansonsten bleibt es eher bei der Beraterrolle, die ich übernommen habe. Damit bin ich ganz gut ausgelastet.

Zu Beginn der letzten Saison waren Sie auf der Ferrari-Hausstrecke in Fiorano schneller als die aktuellen F-1-Piloten. Werden wir Sie noch mal so erleben?
Wie ich eben schon gesagt habe: Wenn es wirklich wichtige Dinge für das Team gibt, dann stehen nicht die Rundenzeiten im Vordergrund, sondern eher der Faktor, dass ich helfen kann. Und dies tue ich wirklich gern, aber in jedem Fall muss es auch ganz konkret Sinn machen.

Sehen wir Sie in den kommenden Monaten wieder auf einem Renn-Motorrad?
Es macht mir sehr viel Spaß und ich sehe keinen Grund, warum ich damit wieder aufhören sollte. Ich bin ja noch jung genug, um mich in meiner Freizeit bei meinem Hobby auszutoben.

Werden wir Sie auch weiter als Werbepartner erleben oder planen Sie hier mehr Einsätze?
Diese Aktivitäten waren in den letzten 10 Jahren ziemlich konstant. Natürlich habe ich jetzt beispielsweise bei Events eher die Möglichkeit, diese intensiver zu gestalten, weil mehr Zeit zur Verfügung steht.
Die Partner, die wir haben, sind schon lange dabei. Es kann sich hier und da vielleicht noch etwas verändern, dass noch einer dazu kommt, aber im Moment steht nichts zur Diskussion.

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Wie sollte aus Ihrer Sicht die Nachwuchs-Förderung aussehen?
Da gibt es viele Wege, die nach Rom führen. Aber Fakt ist, dass eine Basis vorhanden sein muss. Das ist nun einmal der Kart-Sport. Hier haben wir in Deutschland eine beinahe vorbildliche Situation. Aber diese muss gepflegt werden. Kontinuität ist hier sehr wichtig. Auch in der derzeitigen Situation, in der sich die ganze Branche befindet, sollte man früher an später denken.

Stichwort Sponsoren – wie könnte man mit Ihrem Erfahrungshintergrund diese besser, sprich längerfristig, an Teams oder Fahrer binden?
Dies ist immer eine Marktnachfragesituation – wenn es schwieriger wird, muss man sich mehr bemühen und aktiver sein. Und wenn es einfacher ist, kann man den Fokus mehr auf andere Dinge legen. Das ist das typische Angebot- und Nachfrage-Spiel.

Sie engagieren sich stark für Verkehrssicherheit. Wo kann man hier aus Ihrer Sicht richtig etwas bewegen?
Wir haben den Fokus mit der FIA-Kampagne «Make roads safe» speziell auf die Schwellenländer gelegt. Dort kann man mit einfachen Möglichkeiten noch sehr viel erreichen – besonders für die Kleinsten, die Kinder im Straßenverkehr. Hier gibt es noch viele «Brandstellen», an denen man wirklich etwas bewegen kann. Insbesondere die Geschwindigkeiten an Ampeln, falls überhaupt welche vorhanden sind, oder an Kreuzungen sind oft viel zu hoch. Überhaupt ist die Sicherheit für Kinder – im Alltagsverkehr oder im Schulbus – ein Themenkomplex, den wir sehr forcieren. Hier soll das Wissen, das die FIA über viele Jahre gesammelt hat, ganz konkret weitergegeben werden. Insbesondere im Hinblick auf die dafür notwendigen Background-Infos wollen wir so gut wie möglich helfen.

Vielen Dank für das Interview!

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