Zeitzeugen an der Motorradstraße


0

Günter Mühl gehört nicht zu den Managertypen, die mit Trara und viel Geld im Rücken mal einfach so ein Motorradmuseum aus dem Boden stampfen.

1940 in der Nähe der niederschlesischen Keramik-Stadt Bunzlau (heute Boleslawiec) geboren, wurde Mühl früh in das Handwerk der Keramiker eingewiesen und musste jahrelang als Porzellandreher arbeiten. Frust kam auf, „die Arbeit war zu eintönig, ich schaute mich um …”. Fast ansatzlos entschied er sich für den Straßenbau, der mehr Kolorit und variablere Tätigkeit versprach. Seit dem 16. Lebensjahr fuhr er Motorrad-Geländeprüfungen … und schon war es um ihn geschehen. Die Liebe zu den Zweirädern führte ihn zu Motorradtreffen und Märkten, auf denen Technik, Teile und Trophäen ausgestellt waren. Dann packte Günter Mühl all seine Sammler-Schätze zusammen, baute sein kleines Gehöft im Regnitzlosauer Weiler Draisendorf um zum Museum und eröffnete 1997 seine private Kollektion für die Öffentlichkeit.

Ein länglicher Bau wurde in der ersten Etage für die Aufnahme der meisten Zweirad-Juwelen hergerichtet. Und da tummeln sie sich nun, Lenker an Lenker, Reifen an Reifen, Motor an Motor. Von A wie Anker bis Z wie Zündapp. Im gepflasterten Innenhof stehen noch Biertischgarnituren vom letzten Sonntag. Da trafen sich Freunde und Insider zu einem der 7 Themen-Wochenenden, die Mühl alljährlich durchführt, wenn er sein Museum zwischen Februar und Oktober immer am ersten Sonntag des Monats öffnet. Jedes Exponat hat seine Geschichte. Und so erzählt der rüstige Pensionär eben auch Geschichte und Geschichten seiner Altstars. Ganz seltene Stücke sind dabei: Anker, Tornax, Phänomen, Prestige und andere Zeitgenossen aus der Frühzeit. Wohl die größte Sammlung an Motor- und Fahrrad-Karbidlampen (ca. 200 Stück) ist ebenso zu bewundern wie eine der größten Kollektionen von Handklingeln. Die Sammlung Mühl ist aber noch größer: In den kleinen Scheunen im Innenhof sind weitere Exponate, darunter auch Roller, in fast schon chaotischer Enge versammelt, an denen der Sammler optisch und technisch noch Hand anlegen muss, um sie fahrfähig zu machen.

Einheimische bringen Gegenstände aus dem täglichen Landleben vorbei, nichts wird entsorgt. Und wenn es an die Wand geschraubt oder genagelt wird. Das Thema „Raummangel” wird immer größer geschrieben … Überraschende, ja einmalige Einzelstücke laden zum Staunen und Schmunzeln ein: ein Motorradsitz zum Aufblasen (1928), zum Beispiel. Oder eine mechanische Fußbremse (schon damals rechts), die Vorder- und Hinterrad gleichzeitig aktiviert: die Frühform eines integrierten ABS- Systems. Hier vergeht die Zeit wie im Fluge, Günter Mühl erzählt über Technik, frühe Trends und Historie, nahtlos, präzise und engagiert. Man hört ihm richtig gerne zu und konzentriert sich dabei noch auf die Zweirad-Highlights, von denen es eine ganze Menge gibt … Das Ganze seit nunmehr 20 Jahren, ein kleines Jubiläum steht an.

Weitersagen

Schreiben Sie einen Kommentar