Vor 100 Jahren startete die Produktion von Miele-Autos


Ein Hammer wurde kostenlos mitgeliefert

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Es war die Rückkehr eines verschollenen Familienmitglieds: Am 8. Januar 1996 fand ein Auto aus der Miele-Produktion seinen Weg ins Museum des Herstellers am Firmensitz in Gütersloh. Vorangegangen war eine umfangreiche Suchaktion ab 1990, die fünf Jahre später zum Erfolg führte: Das leuchtend rot lackierte Auto wurde in Oslo gefunden.

Foto: Gregor Mausolf

Das im Museum ausgestellte Miele-Auto ist das einzige, das heute noch nachweislich existiert. Möglicherweise gibt es weitere Exemplare, deren Existenz unbekannt ist. Wer weiß, wo sich ein weiteres Miele-Auto befindet (verbirgt), ist herzlich eingeladen, sich in der Firmenzentrale in Gütersloh zu melden.

Unglaublich, aber wahr: So, wie es heute in Gütersloh zu sehen ist, stand das Auto in der norwegischen Hauptstadt. Allein der Motor musste instandgesetzt werden. Die Geschichte des Autos ist gut dokumentiert: Zugelassen bei der norwegischen Straßenbehörde unter der Nummer A-5141, war es im Einsatz als Taxi und Fahrschulwagen (korrekt: Chauffeurschulauto) und befand sich ab 1927 in Privatbesitz. Der letzte Eigentümer erbte es in den sechziger Jahren von Verwandten.

Der Miele-Wagen steht für ein vielfach unbekanntes Kapitel deutscher Automobilproduktion: Miele begann damit vor genau 100 Jahren, 1912. Bis 1914 wurden 143 Exemplare gebaut und 125 verkauft – mindestens eines davon an einen Interessenten in Montevideo. Angeboten wurden zwei Karosserievarianten – geschlossen und offen (Landaulet). Im Lastenheft der Entwickler stand die Beherzigung von Tugenden wie Robustheit und einfache Bedienung. Als kostenloses Zubehör gab’s unter anderem einen Hammer, zwei Schraubenzieher, eine Beißzange, eine Feile und eine Ölkanne.

Foto: Gregor Mausolf

Ein zuverlässiges, aber nicht wirklich aufregendes Gefährt also?

Keineswegs. Den Sieg bei der legendären Prinz-Heinrich-Fahrt von Minden nach Frankfurt/Main verpassten Carl Miele senior und Chefingenieur Klemm am 11. Juni 1912 nur knapp. Das lag an einem geplatzten Vorderreifen, der einen Radwechsel erforderlich machte. Ein Ärgernis, vor dem auch moderne Sportwagen anno 2012 nicht gefeit sind. Ebensowenig wie die Straßenversionen, die höhere Geschwindigkeiten erreichen, als die rund 80 km/h der Autos «made in Gütersloh».

Miele Museum

Carl-Miele-Straße 29
33332 Gütersloh

Öffnungszeiten

Montag bis Donnerstag 8 bis 18 Uhr
Freitag 8 bis 17 Uhr

Museumsführungen für Gruppen gerne nach Voranmeldung unter Telefon 05241 89-0

Miele Museum Außenaufnahme

 

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Die Autowerbung bei Miele stellte insbesondere Wirtschaftlichkeit, Langlebigkeit und einfache Handhabung bei detaillierter technischer Beschreibung heraus.

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