Von Bären, Wölfen und tiefem Glauben: Südbulgarien


Zwischen Bergen und Klöstern

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Bulgarien war in den vergangenen tausend Jahren von vielen Völkern besucht, okkupiert, zerstückelt, wieder vereinigt, geplündert und auch gebrandschatzt worden. Aus all diesen Schicksalsschlägen ist das Land, sind die Menschen, gestärkt hervorge-gangen, farbenfroh, mit reicher Kultur und in tiefem Glauben an die orthodoxe Kirche. Noch heute sichtbare Zeichen dieser Ereignisse stellen die Kirchen und Klöster dar. Wobei letztere meist in den Hochtälern des stark gebirgigen Landes angesiedelt sind, der Ruhe und Abgeschiedenheit wegen. Ort und Zeit für Meditation, für Pflege kirchlich-kultureller Aktivitäten, Gebete und Naturpflege. Die gewaltige Klosteranlage von Rila, südlich der Hauptstadt Sofia im Rila-Gebirge, ist das wohl spektakulärste Beispiel, das auch in zahlreichen Gemälden seinen Widerklang gefunden hat.

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Im südwestlichen Dreiländereck fanden wir so manches Schmuckstück der klerikalen Architektur, aber auch einen Wildpark in dem nahezu ausgestorbenen Weiler Vlahi, hoch oberhalb der Stadt Kresna, in den westlichen Hängen des Pirin. Elena ist Biologin und hat hier mit ihrem Mann einen Wildpark aufgebaut, um alte, aussterbende Tierrassen zu erhalten. Ohne Sponsoren, rein privat und durch Spenden finanziert. Ihr Hauptaugenmerk liegt auf der Rasse der Karakachan, zu denen Hunde, Pferde und Schafe zählen. Sie alle gelten als extrem widerstands-fähig und immun gegen Krankheiten. Dazu hat das Paar ein geschütztes Freigehege für ein Tanzbären-Pärchen angelegt, das nach seiner jahrelangen Fron (sie mussten teilweise auf heißen Platten mit einem Ring am schmerzempfindlichsten Teil, der Nase, ausharren, um zu „tanzen“) so traumatisiert war, dass es dem Tode näher als dem Leben war. Hier in Vlahi verbringen sie nun ihren ruhigen Lebensabend. Doch Elena und ihr Mann haben weiter gearbeitet: ein zweites, hoch umzäuntes Freigehege wird derzeit von zwei Wölfen bewohnt, die als ehemalige Findelkinder verletzt geborgen wurden. Neuzugang ist ein erst wenige Wochen alter Jung-Wolf, der seine Eltern nicht mehr fand und somit kurz vor dem Verhungern stand. Er wurde mit Flasche aufgezogen und ist derzeit der Jung-Star in Vlahi.

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Die putzmunteren Karakachan-Hunde sind zwar allerliebst anzusehen, haben aber den Ruf, als einzige echte Gegner der wilden Wölfe zu gelten. Ihr Mut, ihre Ausdauer und vor allem ihre Gebisskraft machen sie zum Angstgegner der Wölfe. In Vlahi werden sie rassenrein gezüchtet, anschließend an Schäfer und Hirten abgegeben, um deren Herden zu beschützen.
Der Weg hoch nach Vlahi ist schwer und kurvenreich. Tiefe, vom Schmelz- und Regenwasser eingefräste Rillen und Rinnen machen das Fortkommen streckenweise zur Qual. Nur ein ausgewiesener Geländewagen packt das. Unsere Freunde in Sandanski haben einen: den Ssang Yong Korando, Baujahr 1999 mit großem Diesel von Mercedes und fettem Drehmoment. Im Allgäu vor gut zwei Jahren erstanden. Am nächsten Tag zeigt der Korando erneut seine Kletterkünste, als wir uns in ein ehemaliges Kriegsgebiet hoch auf den fast 2.000 Meter hohen „Kongur“ schraubten, um 90 Kilometer bis an die Ägäis schauen zu können, vom Dreiländereck Bulgarien, Griechenland und Makedonien. Nahe dem Weiler Melnik am westlichen Hang des Pirin-Gebirges liegt abgeschieden das Kloster Rozhen. Wie auch in anderen Klöstern des Landes befassen sich die Mönche hier nicht nur mit klerikalen Inhalten wie Beten, Übersetzungen, Kontemplation und Messen, sie bauen auch Obst und Gemüse an, das sie verkaufen und so ihr Leben und die Erhaltung der Klosteranlagen nebst einigen Spenden finanzieren.

Bansko ist das „Zermatt Bulgariens“. Ein Wintersportort, der aber auch über den höchsten „Campanile“ der wohl größten Kirche des Landes verfügt. Mit immensem Reichtum an Holzschnitzereien, Fresken und mit viel Gold belegten Ikonen.

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Am nahen Struma-Fluss liegt Rupite, nahe der griechischen Grenze. Hier lebte bis vor wenigen Jahren Bulgariens bekannteste Seherin und Wahrsagerin: Baba Wanga (Oma Wanga), sie war blind geboren, starb fast hundertjährig und ihre Voraussagen hatten eine so hohe Treffsicherheit, dass viele Politiker zu ihren Stammgästen zählten. Ihr Lebenswerk ließ sie als Begegnungsstätte für alle Religionen errichten: das „kleine Tadj Mahal“, stilistisch zwischen Grabmal und Kirche liegend. Baba Wangas Honorare und zahlreiche Spenden erlaubten das imposante Meditationszentrum.

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Der Südwesten Bulgariens: zwischen Bergen und Klöstern, zwischen wasserreichen Flüssen und fruchtbaren Weinbergen: Impressionen eines gigantischen Naturmuseums, bevölkert von armen und dennoch reichen, freundlichen, frommen und stets hilfsbereiten Menschen.

Eine Rarität in Europa …

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