Vom Gotteshaus zum Motorrad-Museum


Rarität in Otterbach bei Kaiserslautern

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In der 4.000-Seelen-Gemeinde Otterbach, etwa 14 Kilometer nordwestlich von Kaiserslautern, steht ein adrettes Kirchlein. Hauteng an die stark befahrene Hauptstraße gepresst, sodass sich das Bistum vor vielen Jahren entschloss, das kleine Gotteshaus zum Preis von 80.000 D-Mark privat zu veräußern. Das ist die eine Seite der Story.

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Die andere: im Dorf lebte und arbeitete ein Kfz-Mechaniker namens Heinz Luthringshauser, der in den Siebzigern und frühen Achtzigern zum „local hero“ wurde. Erst als Sandbahn-Rennfahrer im Gespann, dann wechselte er zu Straßenrennen. 1970 errang er gegen stärkste nationale Konkurrenz gar den Deutschen Meistertitel, zwei Jahre später wurde er Vize-Weltmeister und 1974 gelang ihm sein wohl größter Triumph: er siegte auf seiner selbst aufgebauten BMW RS 500 mit damals enormen 70 PS-Leistung bei der TT (Tourist Trophy) auf der Isle of Man. Bei Unfällen hatte Luthringshauser seinen linken Daumen und seinen linken Unterschenkel verloren, er fuhr also mit „Standard-Prothese“, was seine Erfolge noch höher adelte. Irgendwann in den Neunzigern rebellierte sein Körper gegen die anhaltenden Strapazen in Sport und Beruf und 1997 starb „der Heinz“, wie seine Freunde ihn nennen, viel zu früh mit 66 Jahren.

Ganz eng mit ihm verbunden ist Klaus Vogel, ebenfalls Kfz-Mechaniker, der viel Zeit in Luthringshausers Werkstatt verbrachte und zum Lohn dafür zu den großen Rennen mitfahren durfte: er wurde zum verantwortlichen „Schrauber“ und Mitentwickler an den Renngespannen.

Leise, aber engagiert, detailreich, liebevoll und mit glänzenden Augen erzählt Vogel aus der gemeinsamen Zeit, die nun in der ehemaligen Kirche mit etwa 80 gesammelten Motorrad-Exponaten aufersteht. Dass Luthringshauser als Gründer des Museums vor allem eine möglichst komplette Sammlung der zweizylindrigen BMW-Boxermotoren im Auge hatte und tatsächlich zuwege brachte, darf als eines der Highlights in der Ex-Kirche bezeichnet werden. Aber auch maßgebliche Konstruktionen von Adler, DKW, Maico (im futuristischen Design!) bis hin zu Zündapp stehen in Reih‘ und Glied, zudem Straßen- und Rennmaschinen von Jawa (Tschechien), aus Italien, England und einige wenige aus Japan. Sie alle haben gemeinsam erfolgreiche Entwicklungsarbeit im Zweiradsektor geschrieben. Und so manches „Kraftrad-Juwel“ ist inzwischen absolut einmalig und nur hier zu bewundern. Ein Trägerverein (e.V.) wurde geschaffen, der das Museum ehrenamtlich und aus privaten Mitteln am Leben erhält. Besucher werden gegen einen kleinen Obolus auf den zwei Etagen der Ex-Kirche mit Geschichten aus Technik und Sport von Klaus Vogel kompetent und unterhaltsam informiert.

Informationen: www.motorradmuseum-heinz-luthringshauser.com

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