Und die Räuberbraut fährt im Geiste mit ?


Chevrolet baut ein Auto, über dessen Form sich so herrlich schön streiten lässt.

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Dass das Gangsterpärchen Bonnie and Clyde in Chicago in den 30er-Jahren mächtig um sich geballert hat und so manchem bösen Buben, die letzte (Zünd-)Kerze ausgeblasen hat, dürfte nach gut sieben Jahrzehnten wohl von niemandem mehr in Frage gestellt werden. Indes: Fast möge man meinen, die fesche Räuberbraut und ihr Macho-Macker hätten es in erster Linie darauf abgesehen, sich selbst – oder besser gesagt, ihren fahrbaren Untersätzen – einen Denkmalssockel zu hinterlassen, den diese erst nach der Jahrtausendwende besteigen sollten.

24_X_01_Bild_3 zwingend Denn «Retro» ist mittlerweile angesagt bei der Gestaltung von Fahrzeug-Karosserien, die ins Auge fallen sollen. Um ihren Marktwert und ihr Interesse beim zahlenden Kunden nachhaltig zu erhöhen, versteht sich. Was Chrysler einst mit dem «PT Cruiser» begann, setzt Chevrolet jetzt mit dem «HHR» fort. «Heritage High Roof», dafür stehen die drei Buchstaben HHR, was ins Deutsche übertragen nichts anderes heißt als «Hochdacherbe.» Nun, das klingt zunächst weniger spektakulär als es in Wirklichkeit aussieht. Wo sich heutzutage normalerweise schnittige Limousinen einen stetigen Kampf mit dem Cw-Wert liefern, sind die Design-Päpste des neuen Chevy wohl stolz darauf, in dieser Beziehung die Maßeinheit einer Schrankwand übertroffen zu haben!

Der Erbe des Chevrolet «Suburban» aus dem Jahre 1949 soll in erster Linie auch heute das tun, wofür er in den Nachkriegsjahren in den Staaten gebaut worden war. Großfamilien zu transportieren nämlich. Bei dem viereckigen Ungetüm ist es wohl wie einst bei Bonnie and Clyde. Entweder man ist auf Seiten der Unterwelt und man mag es, oder man schlägt sich auf die Seite der Gesetzeshüter und mag es demzufolge eben nicht. Der Chevrolet HHR, und hierbei vor allem dessen optischer Auftritt, liefert jedenfalls genügend Gesprächsstoff, damit sich die Gesinnungsbrüder eines Automobil-Stammtisches so richtig schön fetzen können. Von «absolut geil» bis «zum Kotzen schön» reicht dabei die Palette der (Un-)Sympathie-Bekundungen.

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Was jedoch durchaus mit objektiven Wertmaßstäben zu messen ist, sind die «inneren Werte» des Chevrolet HHR. Wo hinten keine Dachlinie runter fällt, ist eben auch Platz für die Köpfe der Mitreisenden oder ein paar Koffer mehr. Deren Inhalt muss dann auch nicht unbedingt wie in den wilden 30ern aus einem komfortablen Banküberfall bestehen, sondern nimmt die profanen Alltagsutensilien von Papa, Mama und Sprösslingen auf.

Auch Zeitgenossen, die als Center einer Basketball-Mannschaft taugen, sitzen im Fond noch durchaus kommod. In diesem Zustand schluckt der Hochdach-Erbe 430 Liter an Gepäck. Bei umgelegter Rückbank passen sogar äußerst respektable 1.785 Liter durch die elektrisch schließende Klappe. Unter dem Kofferraumboden befindet sich noch ein Fach, das zusätzlich 80 Liter fasst. Weiter liegen links und rechts zwei abschließbare Stauräume, die ein Volumen von insgesamt 12,9 Litern aufweisen. Der Laderaumboden lässt sich zudem zum Fixieren von Gegenständen hochstellen oder ausziehen und als Tisch benutzen. Bis zu 45 Kilo soll die Plastikklappe tragen. Das taugt dann durchaus dazu, um mehr als nur eine Maschinenpistole zu fassen. Aber wer nimmt heute schon so was auf den Urlaubstrip mit?

Fast 60 Jahre nach dem Chevrolet «Suburban» rollt der HHR als Komplettpaket zum Kunden. Der findet elektrisch verstellbare Ledersitze, Tempomat, Klimaanlage, Nebelscheinwerfer, CD-Radio, Zentralverriegelung inklusive Fernbedienung und elektrische Fensterheber für 22.990 Euro. Und bekommt dafür ein 4,48 Meter langes Fahrzeug, über das sich trefflich streiten lässt. Und was wären wir Auto-Liebhaber doch ohne unsere verschiedenen Geschmäcker? Nicht mehr als Bonnie and Clyde ohne Munition!

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