Sowjetische und Russische Motorräder : Die bekannten Unbekannten


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Die Geschichte der sowjetischen und russischen Bikerindustrie ist hierzulande kaum bekannt. Heute werden in Russland noch Motorräder gebaut, wenn auch in geringeren Stückzahlen als zu Sowjetzeiten.

Als Geburtsstunde der sowjetischen Motorradindustrie gilt das Jahr 1924. In den Jahren nach 1927 entstanden die Baumuster „Isch-1“ bis „Isch-5“. Dabei wurden zum Teil Komponenten ausländischer Fahrzeuge mit sow-jetischen Eigenentwicklungen kombiniert. 1932 wurde in Moskau ein neues Motorradwerk gebaut. Der Prototyp „NATI-A750“ entstand in Ischevsk. Auf dem Gelände einer ehemaligen Waffenfabrik wurden einige Maschinen vom Typ „A750“ sowie eine kleinere Maschine „V375“ hergestellt. Die Serienfertigung wurde in der „Podolsker Maschinenfabrik“ (PMZ) unweit von Moskau begonnen. Dieser Betrieb war eine ehemalige Niederlassung der Nähmaschinenfirma „Singer“. Die nun „PMZ-A750“ bezeichnete Maschine besaß einen V2-Motor mit 750 ccm und 15 PS bei 3.700 U/min, ein Dreiganggetriebe und die stark an die „BMW“ erinnernde Gabel vorn. Das Gewicht betrug um die 210 kg. Rund 1.000 Stück sollen gefertigt worden sein, 1939 kam das „Aus“.

Im 2. Weltkrieg brauchte das Land für den militärischen Einsatz eine schwere Seitenwagenmaschine. Es entstand die Kopie der deutschen „BMW R-71“ – die „M-72“. Die Produktion war kaum angelaufen, als im Oktober 1941 die Verlegung des Werkes nach Irbit im Ural erfolgte. Eine weitere Produktionsstätte für die „M-72“ wurde in den Gorkier-Motorradwerken (GMZ) 1941 eingerichtet. Bis Ende 1945 kamen von dort rund 7.000 Maschinen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg entstand 1975 unter anderem die „Planeta Sport“. Dabei bediente man sich der Technologie der japanischen „Yamaha-Werke“. Die Maschine verfügte über einen Motor japanischer Bauart mit Getrenntschmierung, der 32 PS leistete. Neben der „NZ-350“ gab es eine weitere „DKW“ aus dem sächsischen Zschopau, die „RT-125“.

Nach 1945 entwickelte sich die sowjetische Motorradindustrie permanent weiter. Dass dabei drei deutsche Entwicklungen der 1930er Jahre die Hauptrolle spielen (BMW R-71, DKW NZ-350 und KT-125) ist eher zufällig. Für alle Staaten des sozialistischen Ostblocks war die fehlende Innovations- und Entwicklungsfähigkeit prägend.

Nach dem Zerfall der Sowjetunion sank die Produktion rapide. Nach der 1992 erfolgten Privatisierung, mussten neue Märkte erschlossen werden. So entstanden 1997 die Modelle „Voyage“ oder „Cobra“. Heute werden Gespanne und Solo-Maschinen aus Irbit weltweit exportiert. Von dort kamen bisher mehr als 3,2 Millionen Maschinen, die mit 650er und 750er-Viertakt-Boxermotoren gebaut wurden.

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