Škodas Engagement im Flugzeugbau


 Von kurzen Hopsern und echten Flügen 

0

Autohersteller werden mit bestimmten Modellen bekannt und berühmt. So weit, so normal. Technische Unternehmen werden mit bestimmten Produkten bekannt und berühmt. So weit, so üblich. Oft genug spielen dabei aber auch die Zeitläufe eine entscheidende Rolle, wäre eine Unternehmensgeschichte auch ganz anders denkbar.

So etwa im Falle von Miele, wo zum Portfolio eine Zeitlang auch Autos und Motorräder gehörten (KÜSmagazin Frühjahr 2012). An ein heute kaum mehr bekanntes Engagement von ŠKODA erinnert eine Leihgabe des Tschechischen Nationalmuseums an das Škoda-Museum. Die Rede ist vom Flugzeugbau, den der Hersteller ab 1909 im Blick hatte.

Die Historie dieses Engagements ist untrennbar mit zwei Namen verbunden: Der tschechische Luftfahrtpionier Metoděj Vlach setzte einen L&K-Lorraine-Dietrich 450 in einem selbst konstruierten Fluggerät ein. Mit dem modifizierten Automotor waren allerdings nur kurze Hopser möglich, kein wirklicher Flug.

Mehr Erfolg hatte
der damalige ŠKODA-Chefkonstrukteur
Otto Hieronimus. 

Er arbeitete ab 1909 an der Entwicklung des ersten Motors, der vornehmlich für die Luftfahrt in Österreich-Ungarn bestimmt war – und absolvierte am 15. April 1910 um 17 Uhr als erster Mensch auf dem Gebiet der heutigen Tschechischen Republik einen erfolgreichen Flug mit einem Gerät, das schwerer war als Luft. Dabei wurde sein Flugzeug vom Typ Bleriot von dem in Mladá Boleslav entwickelten und hergestellten Motor L&K Typ EL angetrieben. Auf der Pferderennbahn in Chuchle bei Prag hielt sich der fliegende Ingenieur zwei Minuten und 26 Sekunden in der Luft und legte dabei eine Entfernung von rund 200 Metern zurück. Der dabei verwendete Motor L&K Typ EL besaß Motorblock und Kurbelgehäuse aus Aluminium und vier mit Blech verkleidete Gusseisenzylinder. Von diesem Triebwerk entstanden nur drei Exemplare. Das Unternehmen von Vaclav Laurin und Vaclav Klement war damals durch Aufträge für Personen- und Nutzfahrzeuge ausgelastet.

In der zweiten Hälfte der 1920er-Jahre gingen durch die Weltwirtschaftskrise und den schwierigen Wiederaufbau nach dem Krieg die Auto-Verkaufszahlen sehr stark zurück. Die Unternehmensleitung von Laurin & Klement entschied sich, die Produktionsanlagen durch den Bau von modernen Flugzeugmotoren der Marke L&K-Lorraine-Dietrich auszulasten. L&K hatte 1924 vom französischen Automobil- und Flugzeughersteller Lorraine-Dietrich zwei Lizenzen erworben und stellte in Mladá Boleslav nun einen 400 PS starken Achtzylinder und als Topversion einen Zwölfzylinder mit 450 PS her. Das stärkere Triebwerk fand seinen Weg vom Tschechischen Nationalmuseum ins Museum des tschechischen Herstellers ŠKODA, der heute ausschließlich auf Autos setzt.

Foto & Quelle ŠKODA

Weitersagen

Schreiben Sie einen Kommentar