Salü, Bye-Bye und Tschüss


Auto-Abschiede im Film und TV

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„Salü“ hieß die Serie, mit der Renault den R4 in Deutschland auslaufen ließ. Ein Name mit einem guten Schuss Sentimentalität, die der besonderen Rolle des Kleinwagens für den Hersteller Rechnung trägt. Zumeist verlaufen die Abschiede von einem Kleinwagen in der Realität, aber sogar in Film und Fernsehen weitaus weniger sentimental.

Bei Angelika »Angi« Schumann ist es schlicht die HU, der ihr geschätzter VW Käfer zum Opfer fällt. „Nur den Aschenbecher müssen wa nich erneuern“, berlinert der Kfz-Meister ihres Vertrauens bei einer Inspektion. Eine Szene, die auch 35 Jahre nach der Erstausstrahlung in den regelmäßigen Wiederholungen von „Ich heirate eine Familie“ für Lacher sorgt. Ehemann Werner nimmt den Abschied von seinem Porsche zugunsten eines Gebrauchten der oberen Mittelklasse schon schwerer, aber gelassen. So ist das – wenn man eine ganze Familie heiratet, sprich, neben der Partnerin auch drei Kinder aus deren erster Ehe die Familie vergrößern – dann muss es eben eine Familienkutsche sein.

Mit der Diskrepanz zwischen dem, was sein muss und dem, was er will, hat Reimund Gir-widz so seine Probleme. Die Polizeiautos, die ihm in der Gemeinde Wolfratshausen zur Verfügung stehen, findet er grauslich unkomfortabel – als Beifahrer. Die rasante Fahrweise des Kollegen Franz Hubert, der am Steuer sitzt, mindert den Komfort zusätzlich. Girwidz‘ Unzufriedenheit kommt nicht von ungefähr: Erst seit er wegen eines Patzers vom Polizeirat zum Streifenpolizisten degradiert wurde, ist er überhaupt wieder unterwegs und erfährt – was nicht vorgesehen war – am eigenen Leib die Nachteile eines drastischen Polizei-Sparkurses. In einem älteren Audi 80! Sparen – da ist ein Neuwagen erst mal nicht drin. So zu sehen in »Hubert ohne Staller«, deren Staffel-Debüt in Nachfolge von „Hubert und Staller“ die höchste Einschaltquote seit Bestehen der Serie erreichte. Ein zum Verzicht gezwungener Polizeirat war offenbar ein Publikumsmagnet.

Girwidz und Hubert verstehen sich leidlich. Das kann man von Ruben Vandervoorde und Mathias Ducatel nicht sagen. Der Franzose Ducatel ist mit Vandervoordes Schwester liiert, sehr zu dessen Leidwesen. Denn der Belgier mag die Franzosen, die »Camemberts«, so ganz und gar nicht. Und dann sollen die beiden auch noch gemeinsam auf Streife fahren … Dass sich in der Zwangssituation fast sowas wie Sympathie zwischen beiden ergibt, liegt auch am Dienstfahrzeug. Ein neues wurde ihnen immerhin bewilligt, wobei »neu« nicht »fabrikneu« heißt: Der Renault 4 hat schon einige Jahre auf den Rädern und so die ein oder andere Tücke. Das schweißt zusammen – am Dienstfahrzeug ist Zusammenschweißen gar nicht mehr so einfach möglich…

VW Käfer, Audi 80, Renault 4: Als Brot-und-Butter-Autos erdacht und entworfen, während ihrer Laufzeit gerne belächelt ob der erkennbaren Schwächen und/oder ihres Images – als Youngtimer aber offenbar nicht nur im Mittelpunkt ihrer Fanclubs: Auch den Darstellern aus Fleisch und Blut stehlen sie auf der Leinwand und auf dem Bildschirm die Show. Und wenn es nur in einigen Szenen ist – die bleiben lange in Erinnerung.


Zum Nachschauen: Alle Episoden sind natürlich auf DVD erhältlich!

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