Rundling in kantigem Umfeld: Der Mazda 121


Er kam 1996 als Exot unter den Kleinwagen

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Woran denkt man beim Kauf eines Kleinwagens? An Zuverlässigkeit vermutlich, an möglichst geringen Verbrauch – ja, und gefallen sollte der Wagen dem künftigen Besitzer natürlich auch. Eine ganz andere Abfolge der Prioritäten sagte Kenichi Yamamoto 1989 für den Autokauf voraus: „Es wird darum gehen, ob ein Autokonzept spontan ankommt oder nicht“, erklärte der damalige Mazda-Chairman auf der Tokio Motor Show: Den Vernunftaspekt wollte er keineswegs vernachlässigen, sah ihn aber in den Autos dieser Zeit gewissermaßen per se verwirklicht, „denn im Grunde sind moderne Fahrzeuge zuverlässig.“

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Das Ergebnis solcher Überlegungen war der Mazda 121 in zweiter Generation, der 1991 vorgestellt wurde. Vor die Produktion hatte Mazda umfangreiche Überprüfungen der Akzeptanz einer solchen Karosserie gesetzt, in Japan, Europa und den USA. Das Ergebnis war eindeutig: Junge Menschen begeisterten sich, ältere nahmen ihn mit Skepsis zur Kenntnis. Mazda verzichtete nun darauf, ein neues Volumenmodell so lange zu verändern, bis die Akzeptanz durch so viele Altersgruppen wie möglich höher ausfiel. So, wie geplant, ging der Wagen in Serie, und dass er polarisieren würde, war einkalkuliert.

„Aggressionsfreies Styling“ nannte Mazda das Design. Das klingt nicht nach polarisierender Wirkung. Aber: Der Mazda 121 kam in ein Umfeld von Mitbewerbern, die überwiegend eckig und mit Keilformen vorfuhren. Stattdessen setzte Mazda auf Rundungen, auffallende Außenfarben und eine nicht minder auffallende Gestaltung des Innenraums. .„Für den neuen Mazda 121 wird es nur Pro oder kontra, aber niemals Jein-Sager geben“; schrieb Mazda in den Pressetext zur Präsentation und bezog sich ausdrücklich auf ähnlich eigenwillige Vorläufer wie den Citroën 2CV und den MINI.

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Heute sieht man den Wagen, der im Volksmund schon bald Spitz- oder Kosenamen wie „das Ei“ bekam, eher selten. Einer der Gründe mag darin liegen, dass ihm ein kurzes Leben beschieden war. Nach fünf Jahren bekam er einen Nachfolger. Der hatte mit dem „Ei“ optisch nichts mehr gemeinsam. Die technische Basis für die dritte Generation des Mazda 121 lieferte der Ford Fiesta, mit dem er auch äußerlich sehr verwandt war. Entscheidend für die Kooperation mit einem anderen Hersteller statt der Neuentwicklung eines eigenen Modells war – ganz einfach – das Kosten-Nutzen-Verhältnis. Der rundliche Mazda, wie er zwischen 1991 und 1996 gebaut wurde, fällt aber auch heute noch im Straßenbild auf. Und an das Prinzip, mit einem Modell bewusst zu polarisieren, werden sich immer wieder Hersteller halten.

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