Restwertprognosen Minicars und Kleinwagen


Fiat 500 und der englische Bayer Mini sind die Klassensieger

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Dem Begriff «Krisengewinner» haftet ja per se schon ein negativer Beigeschmack an. Man denkt unwillkürlich an skrupel- und charakterlose Typen, die mitleidlos vom Unglück anderer profitieren. Es gibt aber auch andere Krisengewinner – ja sogar welche, die viel Charakter zeigen und deren Aufstieg nicht zwingend mit einer Wirtschaftskrise einhergeht, von dieser aber durchaus beschleunigt wird: Die Minicars und Kleinwagen.

Fiat 500

Fiat 500

Wer hätte jemals gedacht, dass in einem solch unschönen Wort wie «Abwracken» eine unerwartete Süße mitschwingt? Die staatliche Umweltprämie, lieblos Abwrackprämie genannt, wirkt – zumindest kurz- und mittelfristig als Konjunkturbeschleuniger – und ließ die Deutschen abwracken was das Zeug hielt und ihre Altautos hergaben. Dass keine 2.500 Euro eingestrichen wurden, um dann anschließend eine neue S-Klasse von Mercedes zu kaufen, versteht sich und daher erlebte die Mini- und Kleinwagenklasse einen ungeheuren Boom. Ein Boom, der aber auch daher rührt, dass sich hier die richtigen Fahrzeuge zur richtigen Zeit versammeln: Sprit- und damit auch CO2 sparend, viele mit durchaus luxuriösen Optionen ausstattbar, relativ erschwinglich und nicht wenige davon auch noch äußerst attraktiv, wenn man Mini und MiTo, Fiat 500 sowie die PSA Zwillinge mit ihrem japanischen Verwandten einmal betrachtet.

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Seat Ibiza

Wie aber sieht das zukünftige Wertverhalten im Kleinst- und Kleinwagenbereich aus? Die Bähr & Fess Forecasts GmbH – sie erstellt Wertverlust-Prognosen – hat ausgewählte Modelle in diesen Segmenten näher unter die Lupe genommen (siehe Tabellen).

Der kultige Fiat 500 stürmt die Wertstabilitätshitliste in seiner Klasse. Unter den Vierjährigen führt er mit einem Wertverlust von nur 40 Prozent die Wertstabilitätshitliste der Minicar-Klasse an. Der Fiat 500 zeigt weniger Innovatives als vielmehr Nostalgisches.

«Der Run auf den 500, er war ungeheuerlich und nicht zuletzt das erklärt Restwerte, die nur wenig hinter dem ewig Besten, dem Mini, liegen. Ob der Fiat 500 ähnliche Langsteher-Qualitäten wie der englische Bayer hat und sich über Jahre die Gunst der Käufer sichern kann, darf durchaus bezweifelt werden. Aber schauen wir einmal ausnahmsweise nicht so weit in die Zukunft! Heute und morgen wird der Fiat 500 noch Darling der Massen sein – übermorgen ist noch weit weg …», so Prognose-Spezialist Dieter Fess, Mitinhaber der Bähr & Fess Forecasts GmbH in Saarbrücken.

Opel Corsa

Opel Corsa

Toyota beansprucht mit dem Aygo und dem Newcomer IQ die Plätze zwei und drei. So attestieren die Prognostiker dem Aygo nach vier Jahren einen Wertverlust von 41 Prozent und dem IQ von 42 Prozent. Der smart-Jäger von Toyota startete mit einem großen Handicap: seinem Preis. Gleich 3.000 Euro ist der IQ teurer als der smart – damit verdächtig nahe an Mini, Fiat 500 oder MiTo und insofern sieht er sich harter Konkurrenz gegenüber. Dennoch verfügt der IQ über jene Qualitäten, die im «urban jungle» so wichtig sind:

kompakte Abmessungen und – anders als der smart – Transportmöglichkeiten für bis zu vier Personen.

Toyota spricht lieber von 3+1, was auch ehrlicher ist und darauf hindeutet, dass es sich um eine beschränkte Notunterkunft handelt, die auf der Rückfahrt von der Disko oder mit den Kindern zum Zahnarzt jedoch praktischer ist als überhaupt keine hinteren Sitze wie der smart. Mittelfristig sehen die Propheten aus dem Saarland aufgrund der wachsenden attraktiven Konkurrenz die IQ-Restwerte unter Druck. Der Citroën hält sich erstaunlich lange in der Bestenliste der Kleinstwagen. Sein prozentualer Wertverlust von 43 Prozent – damit liegt der Franzose auf Platz vier – vielmehr aber noch sein Wertverlust in Euro, machen ihn unter Rechnern laut dem Forecasts-Institut zur ersten Wahl. Er liegt nur minimal hinter seinem japanischen Klon, dem Toyota Aygo und auf gleicher Höhe mit seinem französischen Konzernbruder, dem Peugeot 107. Der knuffig aussehende Citroën erhebt erst gar nicht den Anspruch, als erwachsenes Auto wahrgenommen zu werden, sondern kokettiert und gewinnt durch sein gefälliges Styling, welches bei jungen Männern und Frauen gleichermaßen gut ankommt. «Die Restwerte des C1 werden noch eine geraume Weile auf hohem Niveau liegen, denn solche Fahrzeuge liegen im Trend und dies wird auf absehbare Zeit so bleiben», so Dieter Fess.

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Hyundai i10

Der Siegeszug des Mini hält weiter an.

Das Maß aller Dinge in Sachen Wertstabilität ist nach wie vor der Mini. Dem englischen Bayer One attestieren die Prognostiker einen Wertverlust von nur 37 Prozent nach vier Jahren. Dahinter rangieren der Opel Corsa Edition, der einen 80-PS-Motor unter der Motorhaube beherbergt, und der VW Polo mit der 70-PS-Motorisierung mit einem Wertverlust von jeweils 43 Prozent. Dann geht es Schlag auf Schlag: Platz drei mit einem Wertverlust von jeweils 44 Prozent können der Peugeot 207 und der Toyota Yaris für sich in Anspruch nehmen. Dicht dahinter rangieren der Ford Fiesta, der Mazda2 und der Seat Ibiza, die nach diesem Zeitraum jeweils 45 Prozent ihres ehemaligen Neupreises verlieren. Rang fünf teilen sich der Honda Jazz, Nissan Micra, Suzuki Swift und der Italiener Alfa MiTo mit einem prognostizierten Wertverlust von je 47 Prozent. «Warum eine Alessi-Kanne einfach anders aussieht als eine herkömmliche Kaffeekanne und ein italienischer Anzug immer eine eigene Eleganz ausstrahlt, bleibt das Geheimnis der Designer bzw. Hersteller. Wer dachte, dass der Kleinwagenbereich nicht all zu viel Luft lässt, um Fahrzeuge elegant und sportlich aussehen zu lassen, sieht sich – wieder einmal – von den Designern bei Alfa Romeo eines besseren belehrt. Vor allem die äußere Hülle ist italienische Designkunst in hoher Vollendung – der Innenraum fiel da wohl eher dem Rotstift zum Opfer. Motorisierungen und Ausstattungsvarianten sind ebenso stimmig wie sein Preis-Leistungs-Verhältnis und insofern sehen wir den Mini-Alfa bei durchaus respektablen Restwerten und sogar mit Potenzial, um sich nochmals zu verbessern; dafür dürfte er allerdings auch gerne etwas günstiger sein», so Dieter Fess.

Wertverlust-Prognose Minicars

Marke/Modell Prognose in % Prognose in € Neupreis in €
Fiat 500 Pop (69 PS) 40,0 4.400 11.000
Toyota Aygo (68 PS) 41,0 3.895 9.500
Toyota IQ (68 PS) 42,0 5.334 12.700
Citroën C1 Advance (68 PS) 43,0 4.038 9.390
Opel Agila eco Flex (65 PS) 43,0 4.296 9.990
Peugeot 107 Petit Filou (68 PS) 43,0 4.236 9.850
Smart fortwo Pure (61 PS) 43,0 4.296 9.990
VW Fox (55 PS) 43,0 4.109 9.555
Suzuki Splash (65 PS) 44,0 4.396 9.990
Ford Ka Titanum (69 PS) 45,0 4.928 10.950
Hyundai i10 Edition (67 PS) 46,0 4.135 8.990
Renault Twingo Authentique (58 PS) 47,0 4.554 9.690
Suzuki Alto Club (68 PS) 47,0 4.653 9.900
Fiat Panda Dynamic (60 PS) 49,0 5.277 10.770

Wertverlust-Prognose Kleinwagen

Marke/Modell Prognose in % Prognose in € Neupreis in €
Mini One (75 PS) 37,0 5.624 15.200
Opel Corsa Twinport Edition (80 PS) 43,0 6.287 14.620
VW Polo Trendline (70 PS) 43,0 5.450 12.675
Peugeot 207 Urban Move (73 PS) 44,0 6.380 14.500
Toyota Yaris Cool VVT-i (69 PS) 44,0 6.189 13.230
Ford Fiesta Ambiente (82 PS) 45,0 5.513 12.250
Mazda2 Sport Independence (75 PS) 45,0 6.188 13.750
Seat Ibiza SC Reference 16V (86 PS) 45,0 5.756 12.790
Alfa MiTo (79 PS) 47,0 6.716 14.290
Honda Jazz Trend (90 PS) 47,0 6.998 14.890
Nissan Micra More (65 PS) 47,0 6.134 13.050
Suzuki Swift Club (92 PS) 47,0 5.969 12.700
Renault Clio Dynamique 16V eco2 (75 PS) 48,0 6.528 13.600
Skoda Fabia Classic (86 PS) 48,0 6.235 12.990
Citroën C3 Tonic (73 PS) 50,0 7.145 14.290
Fiat Punto Linea Style Active (77 PS) 50,0 6.125 12.250
Hyundai i20 Comfort (78 PS) 50,0 6.740 13.480
Kia Picanto Cool (65 PS) 52,0 6.123 11.775
Mitsubishi Colt Inform (75 PS) 52,0 6.494 12.490

Quelle: Bähr & Fess Forecasts / Stand Juni 2009 / Händler-Verkaufspreise
/ Laufleistung 15.000 km/Jahr

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