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Polen- ein Auto-Land


Vom Luxus-Artikel zum Statussymbol

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Silvester auf der mondänen Nowy Świat, der Champs-Elysées von Warschau: Ein goldener Lamborghini Aventador braust mit hohem Tempo entlang. Ungewöhnlich, denn an Feiertagen funktioniert die Prachtstraße als Fußgängerzone: Fotoapparate und Handys glühen. Aber nur kurz, denn an der Kreuzung Swiętokrzyska Straße knallt der „Goldene“ in einen kleinen Honda. Der Lamborghini mit amerikanischem Kennzeichen benutzte widerrechtlich die Straße: Die Polizei brummte dem Fahrer umgerechnet 125 Euro und sechs Punkte auf! Die Kosten für die Reparatur des Luxusautos werden wohl höher als der Neupreis des Honda sein.

So etwas geschieht nicht alle Tage in Polen. Die Menschen nehmen solche Anlässe aber wahr und diskutieren über ihr über alles geliebtes Auto.

Ein Auto war bis Anfang der 1990er-Jahre in Polen ein Luxusartikel. Wer seinerzeit spezielle Kupons besaß, konnte ein Fahrzeug für teures Geld erwerben. Nach 1990 kamen Millionen Pkw aus dem Westen: der technische Zustand war zweitrangig, je billiger, desto besser. Polnische Kfz-Werkstätten entpuppten sich als wahre Zauberer. Vor allem auf dem Lande wurden Pkw dringend gebraucht, denn der öffentliche Verkehr wurde nahezu abgewickelt. Aber bitte kostengünstig.

Auch in Polen klafft die Schere zwischen arm und reich sehr weit auseinander. Ein Geschäftsführer ist selbstverständlich mit einem neuen Mercedes-Benz, Audi oder BMW unterwegs. Wer viel Geld besitzt, kauft sich raffinierte Modelle von Rolls Royce, Bentley, Porsche, Maserati oder BMW um zu zeigen, welchen Status er repräsentiert. Andere Personen sammeln teurere und seltene Autos: In Wrocław (Südpolen) bringt es ein Sammler auf fast 50 Porsche und 15
Ferraris! Jetzt verkaufte er einige Exemplare, um sich noch teurere Fahrzeuge zuzulegen.

In Warschau sammeln viele Personen mehrere Luxus-Exemplare wie Ferrari, Porsche oder Bentley.

Im autoverrückten Polen sitzt fast die halbe Nation vor Fernsehgeräten, wenn Motorsport übertragen wird. Sehr populär ist die Rallye Polen. Auch die historische Oldtimer-Rallye „Monte-Carlo“ in Warschau und Speedway-Rennen in rund 30 Städten sind beim Publikum äußerst beliebt. Als Volksheld avanciert Speedway-Weltmeister Tomasz Gollob.

Aber auch die Rallye Dakar spielt in Polen eine wichtige Rolle: Fernsehübertragungen oder Berichte werden euphorisch aufgenommen. Mehrmals nahmen polnische Teams daran teil, im Quad erreichte Rafal Sonik, Unternehmer aus Krakau, eine hervorragende Platzierung (2014).

Bei Motorrädern brillierte das Team Orlen (dahinter steht der gleichnamige polnische Mineralölkonzern, Umsatz umgerechnet 26 Milliarden Euro im Jahr 2013) bei der Dakar. Aber auch große Autohäuser betreiben eigene Teams: so die Auto Gruppe Lellek aus Opole.

Übrigens: Im Polen des Sozialismus fuhren auf den Straßen regelmäßig die allerneuesten Automodelle aus westlicher Produktion. Wie das seinerzeit möglich war, weiß niemand. Oder möchte es zumindest nicht (mehr) preisgeben.

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