Peugeot, Columbo und Frankreich


Der mit dem Löwen tanzt

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Mit der einstigen Kultserie »Columbo« hat sich der amerikanische Schauspieler Peter Falk wegen seiner unorthodoxen Ermittlungsmethoden einen Namen gemacht. Gleichzeitig stand auch sein graues Peugeot Cabriolet 403 im Rampenlicht. Die kleinen Unfallschäden und der glanzlose Lack fochten den Kommissar nicht an. Im Gegenteil. Auch Columbo legte keinen Wert auf sein Äußeres. Die inneren Werte machten den Polizeiinspektor von Los Angeles samt seinem Auto zu einem unschlagbaren Team: leistungsstark, zuverlässig und unprätentiös.

Der französische Automobilhersteller spendierte dem legendären TV-Inspektor Columbo Mitte der 1960er ein ziemlich lädiertes Cabrio 403. Fast tragisch war der Anlass für den spendablen Akt damals, denn Peugeot hatte seine US-Tauglichkeit längst bewiesen und das Modell 403 zudem bereits weltweit verkauft. Derweil hatten sich die französischen Mitbewerber mit technischen Mängeln auf dem amerikanischen Markt disqualifiziert und damit den Ruf aller Franzosen auf vier Rädern ruiniert. Mit dem kultigen Inspektor Columbo, der sein Cabrio gegen jede Herablassung verteidigte, konnte Peugeot indessen in Deutschland kräftig punkten. 

Schon seit Beginn ihrer Unternehmensgeschichte setzten die Peugeot-Pioniere hohe Maßstäbe an ihre Produkte. Die Sägeblatt-Produktion 1819 war der erste Schritt der Brüder in Richtung Erfolgsgeschichte, die bis heute anhält. Drei Eigenschaften schrieben die Tüftler ihrem Sägeblatt zu: Schnell im Schnitt, robust und elastisch. Kennzeichen mit denen sie den Löwen in Verbindung brachten. Damit stand das Markenzeichen für Peugeot fest. Zusätzlich drückten die Technikfreaks aus Sochaux-Montbéliard auch ihre Verbundenheit mit der Stammregion ihres Unternehmens aus: Der Löwe ist das Wappentier der Franche-Comté. In Sochaux kann man die umfangreiche Produktpalette im Aventure-Peugeot-Museum besichtigen, das 2012 zum hundertsten Geburtstag von Frankreichs größter Automobilfabrik der Marke Peugeot seine Pforten öffnete.

Auf die Sägeblätter folgten mechanische Schermaschinen, Federn für Phonographen, landwirtschaftliche Geräte, Rasierklingen, Bügeleisen, Kaffee- und Pfeffermühlen sowie Fahrräder. 1889 stellte Armand Peugeot das erste Kraftfahrzeug vor, das Serpollet-Dreirad. Mit Dampf wurde der Prototyp angetrieben. Erst beim Nachfolgemodell kam ein Verbrennungsmotor zum Einsatz. Den hatte die Daimler-Motoren-Gesellschaft beigesteuert. Sieben Jahre später rollte der erste serienmäßig produzierte Ottomotorwagen zur Einführung über die Straßen
Wiens. Danach ging es Schlag auf Schlag: 1900 verließen bereits 500 Fahrzeuge und 20.000 Fahrräder das Werk. 

Die beiden sich gleichsam konkurrierenden Marken Automobiles Peugeot in Audincourt und Lille sowie Lion-Peugeot nahe Montbéliard schlossen sich 1910 zusammen und gründeten 1912 das Werk in Sochaux, wo bald darauf die Serienfahrzeuge in Massenproduktion vom Band liefen. Mit 140.000 fertiggestellten Fahrzeugen erwies sich das Modell 201 als besonders erfolgreich. Ein Grund für Robert Peugeot auch die Folgemodelle mit einer Null in der Mitte zu kennzeichnen. Sechs Fahrzeugklassen nummerierte Peugeot daraufhin nach diesem Muster. Ein Alleinstellungsmerkmal, das sich die Familie markenrechtlich schützen ließ. Eine gute Idee, wie sich bald zeigte, denn bei Porsche kam die Kurzform der Modellnamen offenbar so gut an, dass der neue Flitzer aus Stuttgart, der 1963 aus der Taufe gehoben wurde, 901 heißen sollte. Das rief den Titelerfinder Peugeot auf den Plan und Porsche vor Gericht, wo die schwäbischen Autobauer schließlich klein bei geben mussten und ihr Zugpferd in 911 umtauften.

Mit ihrem Sportcoupé RCZ, das seit 2010 unterwegs ist, haben die Peugeot-Designer aus Sochaux-Montbéliard, das einst unter Herrschaft der Württemberger Herzöge Mömpelgard hieß, trotz Titelschutz ihrer Zahlen auf Buchstaben gesetzt. Öfter mal was Neues. 

Fotos: Hersteller, Wolf

L’Aventure Peugeot Citroën DS
Carrefour de L’Europe
25600 Sochaux-France
www.laventurepeugeotcitroends.fr

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